Gemeinsamkeiten & Gegensätze – Teil 1: Seelenverwandte

Shownotes

In dieser Folge leuchten Dr. Sabine und Roland Bösel die Geheimnisse der unbewussten Partnerwahl aus.

Entdecke anhand lebendiger Praxisbeispiele und Expertentipps die Bedeutung deiner familiären Herkunft für deine Beziehungen – und alle Antworten auf die Frage, ob uns Gemeinsamkeiten verbinden oder „sich Gegensätze anziehen“.


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Produktion: Umsetzerei Wien


Das Kleingedruckte ganz normal groß – Disclaimer, unsere Fallbeispiele betreffend:

In unserem Podcast geben wir im Sinne der Praxisnähe und Verständlichkeit immer wieder Fallbeispiele. Unser oberstes Anliegen ist es auch dabei stets, die therapeutische Schweigepflicht sowie die Privatsphäre aller Klient:innen zu jedem Zeitpunkt zu wahren.

Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir a) jeweils zur Erzählung des Erlebten autorisiert wurden und b) alle Details, die einen Rückschluss auf konkrete Personen, Namen, Orte etc. ermöglichen könnten, abändern.

Sollten Sie also den Eindruck haben, in einer unserer Schilderungen eine bestimmte Person zu erkennen, so liegt das wohl daran, dass wir Menschen, so verschieden wir sein mögen, oft überraschend ähnliche Probleme und Ressourcen haben.

Transkript anzeigen

00:00:08: Sabine: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Liebesdoppel.

00:00:11: Roland: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.

00:00:13: Sabine: Hier sind die Bösels. Mein Name ist Sabine Bösel.

00:00:16: Roland: Und mein Name ist Roland Bösel.

00:00:20: Sabine: Und das heutige Thema ist die Seelenverwandtschaft in Paarbeziehungen.

00:00:29: Roland: Ja, herzlich willkommen. Wir freuen uns, dass du mit dabei bist. Wir widmen uns in dieser und nächster Folge der Frage, was ist denn so wichtig bei der Partnerwahl, bei der unbewussten Partnerwahl? Warum suche ich mir genau diesen Menschen aus? In der zweiten Folge werden wir dann über das Thema Gegensätze sprechen. Heute geht es hier in dieser Folge um das Thema Seelenverwandtschaft. Und vielleicht kennst du das auch aus dem Volksmunter, heißt so schön, gleich und gleich gesellt sich gern. Und über das reden wir heute. Wir, das sind Sabine und ich, Roland. Wir sind Psychotherapeuten seit vielen, vielen Jahren, begleiten seit über 30 Jahren Paare. Und die Expertise haben wir natürlich auch dadurch, dass wir schon fast 50 Jahre uns gegenseitig trainieren. Und als wir uns kennengelernt haben, aber dazu dann später, war es ziemlich klar, wo unsere Seelenverwandtschaft liegt.

00:01:31: Sabine: Ja, das gleich und gleich gesellt sich gern. Da ist viel Wahrheit drinnen. Wir nennen es gern die Seelenverwandtschaft. Dieses Gemeinsame, das manchmal sehr offensichtlich ist. Bei manchen Paaren, wenn man die anschaut, sieht man sofort, na klar, dass die sich gefunden haben. Die haben so eine ähnliche Kindheit oder haben eine ähnliche Familie.

00:01:53: Roland: So eine Grundmelodie. Wie sagt die Ulli Retter immer?

00:01:57: Sabine: Ja, genau.

00:01:57: Roland: Die Ulli Retter hat ein wunderbares Hotel in der Steiermark.

00:02:02: Sabine: Das Hotel Retter.

00:02:03: Roland: Mit ihrem Mann. Und wie sagt die immer so lustig?

00:02:06: Sabine: Ulli Retter ist eben eine Steirerin mit ihrem Mann Hermann Retter. Und die haben sich gefunden und sie sagt, na ja, der gleiche Stahlgeruch. Also sie nennt es den gleichen Stahlgeruch. Das Wort würde ich jetzt nicht verwenden.

00:02:19: Roland: Naja.

00:02:20: Sabine: Ich finde, ich assoziiere etwas Bestimmtes mit Stahlgeruch.

00:02:24: Roland: Ja, aber das passt schon.

00:02:25: Sabine: Also es ist der gleiche Stahlgeruch, weil sie stammt aus einem Hotelbetrieb und hat von Kind auf sehr viel arbeiten müssen. Viel, viel arbeiten müssen, viel anpacken müssen. Das war klar, wenn das Hotel voll ist oder wenn zum Beispiel eine Hochzeit ist. Sie ist von der Schule gekommen, hat sie erzählt, es war eine Hochzeit im Gange und das dauerte auch lang und sie hat umziehen, Schultasche hinstellen, einen Arbeitsgewand anziehen und schon hat sie geholfen.

00:02:50: Roland: Aber wen hat sie ausgesucht, Sabine?

00:02:51: Sabine: Wen hat sie ausgesucht? Jemand, der aus einem Hotel, also Gasthof stammt, mit einem Busunternehmen. Was war bei ihm? Viel arbeiten, Kinder müssen auch mithelfen.

00:03:02: Roland: Und da dürfen wir sie auch erzählen, wir erinnern euch, wir erzählen natürlich nur Geschichten, wo wir autorisiert sind, oder wir haben es schon so verändert, dass ich kaum mehr wiedererkennen würde oder wenn doch, sieht man nur, wie nah man beisammen liegt in unserem Leben.

00:03:17: Sabine: Und bei vielen Paaren ist es aber auch subtiler. Also das ist ja sehr offensichtlich, dass es da Ähnlichkeiten gibt und dass die beiden was Ähnliches erlebt haben als Kind. Was schön war, aber auch natürlich schwierig, weil die haben viel arbeiten müssen und als Kind magst du vielleicht einmal schwimmen gehen mit deinen Freunden. Andererseits haben sie es auch lustig gehabt, weil sie so richtig im Gewusel waren.

00:03:39: Roland: Apropos lustig, vielleicht kennst du das. Du siehst, dass deine Freundin, dein Freund, sich eine neue Beziehung beginnt. Also deine langjährige Freundin geht gerade auf Suche nach neuer Partnerschaft.

00:03:53: Sabine: Du hast sie vielleicht schon längere Zeit begleitet darin und immer wieder zugehört, wie die eine Partnerschaft schwierig wurde und dann eine Trennung vielleicht.

00:04:01: Roland: Und dann kommt da zum Beispiel so ein Mann, das kann ja auch eine Frau sein, und du denkst dir, bitte nimm den nicht. Den nimm nicht, weil genau da passiert das Gleiche wieder. Und die Freundin sagt, ich habe mich so verliebt. Diese Augen, ich habe das Gefühl, wir kennen uns schon lange. Und du denkst dann, oh Gott, schon wieder diese gleiche Geschichte. Warum auch? Ja, dazu kommen wir, weil das hat natürlich auch mit unserem inneren Partnerbild zu tun. Aber die Seelenverwandtschaft ist so stark. Und jetzt ist etwas ganz wichtig zu sagen. Es gibt tausende Forschungen zu dem Thema, was ein starker Bindungsfaktor in Paarbeziehungen ist. Und dazu gehört vor allem die Seelenverwandtschaft. In der Imago-Theorie, wir haben dazu schon eine eigene Folge aufgenommen, in der Imago-Therapie sagt man auch das Imago, das ja von Lateinisch auf Deutsch übersetzt heißt Bild, welches innere Bild wir in uns tragen, welchen Partner wir unbewusst, ich sage jetzt immer wieder, unbewusst antizipieren. Und dort ist der stärkste Verbindungsteil die Seelenverwandtschaft.

00:05:16: Sabine: Und du hast das Wort schon gesagt, diese typische Aussage, ja, ich glaube, ich habe das Gefühl, wir kennen uns schon lange. Und das ist ein ganz eindeutiges Indiz dafür, dass jemand einen Seelenverwandten gewählt hat, in dem Sinn, wie wir es verstehen, eben das Imago, das Bild, der entspricht dem inneren Bild meines zukünftigen Partners. Und dieses Imago wird in der Kindheit aufgebaut, je nachdem, was ich erlebe, was ich an positiven Dingen erlebt habe und an schwierigen, herausfordernden Dingen. Gefühle, ja, was ich als Kind mitgekriegt habe, daraus bildet sich dann mein Imago, mein inneres Bild. Und wenn du dann jemanden siehst, der interessant ist, der dem in etwa entspricht, dann kommt ihm genau das. Ah, jetzt haben wir geredet, ich glaube, der versteht mich. Ich weiß noch, ich habe dich angeschaut, und ich habe dich überhaupt noch nicht gekannt, Roland, damals, vor vielen, vielen Jahren. Und ich schaue dich an, ich schaue dir in die Augen und habe das Gefühl, der versteht mich. Und was kann das denn sein? Ich habe gar nicht viele Informationen gehabt über dich, aber es war mein Unbewusstes, es hat gecheckt, okay, da gibt es ein ähnliches Muster, du entsprichst in etwa dem Imago, und deswegen hatte ich das Gefühl, wir kennen uns schon lange.

00:06:33: Roland: Ja, und mir ging es genauso, und ich will jetzt nicht spoilern, aber wenn wir in der Folge über die Gegensätze sprechen, ich habe nämlich sofort sehr viele Gegensätze zwischen Sabine und mir auch entdeckt. Da haben wir gedacht, nein, das geht sich nicht aus. Allerdings, die Seelenverwandtschaft war so stark, dass wir sofort eine starke Bindung haben. Und da gibt es ja, du hast gesagt, wir haben uns gesehen. Es gibt ja Leute, die sagen, und das sind nicht wenige, die dann uns antworten, wenn wir sagen, na ja, warum haben Sie diese Frau oder diesen Mann ausgesucht? Ja, so fesch ist er oder so fesch ist sie. Das heißt, wir glauben ja, wir wählen in erster Linie mit unseren Augen. Das stimmt zum Teil. Die Sehnerven sind ca. 10%. 10% unserer Sehnerven sind mit dem Zentralmittelhirn verbunden. Der Rest ist eine Rekonstruktion. Lass dir das wirklich mal so in dir auftauchen. Nur 10% hat das Auge eine direkte Verbindung mit dem Zentralmittelhirn. Der Rest ist eben das, was wir sagen, diese Tiefe, dieses Spüren, dieses emotionale Spüren und alles natürlich unbewusst.

00:07:49: Sabine: Genau. Und was wir eben wahrnehmen, was wir wahrnehmen, hat eben ganz viel mit unserer Geschichte zu tun und was wir schon kennen. Wir nehmen dann etwas wahr, was wir schon kennen, und das filtern wir heraus. Das heißt, das hat ganz viel mit Wahrnehmung zu tun. Jemand anderer würde das vielleicht gar nicht sehen, aber ich sehe es, weil mein Auge ja geschult ist, aber vor allem meine Psyche, meine Seele ist geschult. Damit sind wir jetzt schon wieder beim Seelenverwandten.

00:08:11: Roland: So gesehen musst du sagen, eigentlich die innere Seele sieht es, die Seele in mir sieht es. Ich kann es dann oft auch nicht übersetzen. Man spürt nur, ah, das ist wie ein Magnet, das zieht mich dorthin. Und was sind diese Parameter der Seelenverwandtschaft? Das ist oft unterschiedlich. Bei den Retters, wo wir ja darüber reden dürfen, ist es eben zum Beispiel dieser Hotelbetrieb.

00:08:35: Sabine: Das ist ziemlich eindeutig. Wir haben es nicht gleich entdeckt. Unsere Eltern haben in der Nachkriegszeit beide ganz viel gearbeitet und wieder aufgebaut. Meine Eltern haben ein Geschäft gegründet, so ein Textilgeschäft. Bei deinen Eltern war es so, dass sie es übernommen haben, aber es war eben auch ein großes Fleischereiunternehmen. Aber wenn man genau schaut, wie wir aufgewachsen sind, ist es schon sehr unterschiedlich. Das war im gleichen Haus, wo ihr gewohnt habt, und da war ein Gewusel. Also ich habe es ja auch noch miterlebt, als wir sehr jung waren. Es war wie ein kleines Dorf. Das heißt, du hast ja oft erzählt, dass da auch immer irgendwer war, mit dem du reden konntest.

00:09:19: Roland: Meine Eltern waren wenig da, aber es waren viele andere da.

00:09:22: Sabine: Und ich bin ja anders aufgewachsen. Ich bin in einer kleinen Wohnung im 7. Bezirk, Kleinfamilie. Meine Mutter hat sich um uns gekümmert. Also mit zwei Brüdern bin ich aufgewachsen. Meine Schwester ist ja verstorben. Die habe ich gar nicht kennengelernt.

00:09:37: Roland: In einer anderen Folge erzählt die Sabine darüber.

00:09:40: Sabine: Das kannst du ja sagen. Das erzähle ich auch in einer Folge darüber.

00:09:42: Roland: Dass deine Schwester leider sehr früh verunglückt ist.

00:09:45: Sabine: Genau. Also meine Schwester habe ich nicht kennengelernt. Das war natürlich ein furchtbares Unglück. Und was ich mitbekommen habe, und das ist das, was ich als subtil bezeichnet habe, weil das habe ich ja nicht von mir hergetragen, die Geschichte. Die Geschichte, die mich sehr geprägt hat, ist, dass eben meine Schwester verstorben ist. Und eineinhalb Jahre später kam ich. Und was war nach dem Tod meiner Schwester? Es war ein schreckliches Unglück. Sie ist beim Fenster runtergefallen. Sie war sieben Jahre alt. Und was war dann? Meine Eltern haben sich gewünscht ein Kind. Und was haben sie sich gewünscht? Ein Mädchen. Und das bin ich. Und was ich ganz viel später erst mitgekriegt habe, weil ich mit meinem Vater dann später mal darüber gesprochen habe, viele Jahre später, habe ich ihn gefragt, wie das war mit dem Unglück. Er hat gesagt, ja, da kann ja niemand was dafür. Das war ein Unfall. Aber dann bist du gekommen, dann war ja alles wieder gut. Das heißt, ich hatte diesen Auftrag. Ich glaube, du, wo du uns gerade zuhörst, wirst, glaube ich, verstehen, dass das gar nicht geht. Ich kann ja nicht alles wieder gut machen, nur mit der Tatsache, dass ich jetzt auf die Welt gekommen bin. Das heißt, ich habe ein ordentliches Buckle bekommen, das Ganze unbewusst.

00:10:56: Roland: Also da haben wir schon einmal eins, Sabine, dass wir beide, zu mir komme ich gleich, das Motto war ein Stück mach es wieder gut. Alles mach wieder gut oder vieles mach gut. Und was du ja noch gar nicht angesprochen hast, du hast mir erzählt, dass da ganz viele Schuldgefühle im Raum waren. Und das ist der zweite Teil schon unserer Seelenverwandtschaft. Das war absolut tabu.

00:11:22: Sabine: Und ein Tabuthema, da ist der Deckel drauf. Und das wirkt aber. Und das wirkt halt viel subtiler. Das war ja nicht so, dass ich sage, weißt du, bei meiner Familie gibt es Schuld. Nein, so war es ja nicht. Aber das war natürlich ein Riesenthema und es ist so wie der Elefant im Raum.

00:11:37: Roland: Keiner spricht drüber, aber es ist da. Spannend ist ja, dass du bei mir sofort mein Schuldgefühlthema geknackt hast. Klar, weil du bist von deiner Atmosphäre, deinem Familiensystem, bin gut geschult. Hast das zwar nicht so bewusst gehabt, allerdings bei mir hast du es entdeckt. Was gibt es bei mir? Meine Familie ist ja sehr geprägt vom Zweiten Weltkrieg und da gab es ganz viele Schuldgefühle. Zum Beispiel von meinem Vater, der überzeugter Nationalsozialist war. Der mit diesem Thema, dass da etwas, er hat dann nach dem Krieg erkannt, das war nicht okay, das hat nicht gepasst und hat ganz große Schuldgefühle an sich getragen, ist eine Parallele. Wir haben beide so eine Seelenverwandtschaft zum Thema Schuldgefühle und jetzt komme ich zurück von dem, was die Sabine gesagt hat, wo sie auch so etwas wie wieder gut machen musste. Da musste ich allerdings sehr lange suchen, aber wenn man eine Frau hat wie ich, die schon damals sehr früh Psychotherapeutin war, die hat immer wieder gesagt, schau dir das an, schau dir das an. Und ich habe irgendwann einmal entdeckt, dass meine Mutter schon einen Mann hatte vor meinem Vater, der bezeichnenderweise den gleichen Vornamen hatte, nämlich Herbert. Ist in dem Fall, wenn man so will, nur Zufall. Und meine Mutter war mit dem sehr, sehr, sehr, sehr verliebt, sehr verbunden. Meine Mutter kommt ja auch aus einer Unternehmerfamilie und sie hat immer gesagt, ich will auf keinen Fall in ein Unternehmen heiraten und hat diesen Mann kennengelernt, den Herbert Frank, hieß er, und hat sich verliebt und er war ein Arzt, war klar, da ist kein Unternehmen. Und dann schon während der Kriegszeit ist dieser Mann tödlich umgekommen im Krieg, wie es so komischerweise heißt, gefallen und meine Mutter hat beschlossen, sie wird nie, nie, nie, nie einen anderen Mann nehmen. Bis hin, dass das Schicksal dann anders geschrieben wurde, insbesondere meine Großmutter hat gesagt, du wirst jetzt doch heiraten und meine Mutter sehr pflichtbewusst hat sich dann umgeschaut und ich behaupte, sie hat immer meinen Vater auch geliebt. Und er war ein Stück zweite Wahl und hat das ein bisschen, das ganze Thema mit mir verbunden. Ich habe, für die, die es noch nicht wissen, drei ältere Schwestern, die alle drei auch ihr Packerl zu tragen haben und bei mir war dann irgendwie das Packerl meiner Mutter, die unbedingt für ihren Mann einen Sohn wollte. Und sie hat dann immer den Satz gesagt, dann bist du gekommen, Roland, als Bub und dann war alles wieder gut. Und das erzähle ich der Sabine und sie sagt, das Satz kenne ich ja auch. Und dann war es plötzlich klar, wir sind der Seelenverwandte und jetzt wirst du beim Zuhören dir denken, na gut, Entschuldigung, also das klingt schon alles sehr kompliziert und herausfordernd.

00:14:34: Sabine: Naja, es gibt aber noch etwas, was ich dich ja auch immer wieder sekkiert habe und gefragt habe, nämlich, dass du als Sohn, also bei mir war es eben wichtig, dass es ein Mädchen ist, weil ja meine Schwester gestorben ist und bei dir war es ja auch wichtig, oder es hat eine besondere Bedeutung gehabt, dass du als Bub auf die Welt gekommen bist, weil in der damaligen Zeit war es klar, dass der Sohn den Betrieb übernimmt.

00:14:57: Roland: Ja, aber es gab damals auch schon Eltern, da will ich meine Eltern schon noch ein bisschen mehr konfrontieren, damals gab es auch schon Eltern, die da etwas fortschrittlicher gedacht haben.

00:15:07: Sabine: Ich glaube aber, dass es für deine Eltern klar war, dass der Sohn das macht. Damit hast du auch einen Auftrag bekommen.

00:15:14: Roland: Ich einen Auftrag und meine Schwester eine Kränkung und das muss man auch so sehen, weil ich habe zwar viel Verantwortung dazu bekommen, weil ich jetzt den Betrieb übernehme, aber meine Schwestern wurden auch nicht gesehen. Die hätten das sicher, die eine oder andere hätte das gut übernehmen können und vielleicht auch wollen. Aber sie durften nicht.

00:15:34: Sabine: Und es war auch wichtig, da kommt der Sohn und der kriegt einen anderen Auftrag als die Schwestern. Da sind wir jetzt bei einer subtileren Geschichte von Seelenverwandtschaft und das hat natürlich was mit uns gemacht.

00:15:46: Roland: Und wenn du gerade in einer Beziehung lebst, dann hast du eine gute Möglichkeit, mit dem was ich jetzt sagen werde, ein bisschen zu forschen und wenn du in keiner Beziehung lebst, dann hol dir deine letzte Beziehung her, wo du vielleicht nicht zwei Monate zusammenlebst, sondern die intensiver, bedeutungsvoller war und schaut euch den Stammbaum an. Und zwar schau dir deinen Stammbaum, den Familienstammbaum an und schau dir den Stammbaum von deinem Partner, Partnerin oder Ex-Partner, Partnerin an. Und es ist so interessant, wenn Paare bei uns beim Imago Workshop waren, kommen sie ja dann zur ersten Sitzung und dann zeichne ich für das Paar den Stammbaum auf und die Leute sagen mir dann oft, da gibt es keine Seelenverwandtschaft. Und wenn ich zeichne, wenn ich das eintrage, ich habe natürlich da schon Routine und das geht ganz schnell, sehe ich schon, uh, da gibt es eine Seelenverwandtschaft. Was könnte das sein? So wie bei uns zum Beispiel. Schulthema, Kriegsgeschichten, Nazigeschichten, Verfolgungsgeschichten, Krankheiten, Fluchtgeschichten und dann sagen manche, naja, aber das ist ja bei mir der Onkel sowieso gewesen, aber nicht mein, wie bei ihm, die Mutter oder Vater. Ja, es geht ja um den, sozusagen den familiären Einfluss. Das muss nicht immer eins zu eins sein. Oder was ganz stark ist, natürlich, wenn es ein Alkoholthema gibt, wenn es ein Suchthema gibt, findet sich das dann schon oft woanders, auch in der anderen Familie. Suizidthemen, schwere Krankheiten, viel Arbeit, Ungerechtigkeiten, da finden sich die Menschen, und das ist ja das, was du gesagt hast, wie wir uns getroffen haben, ich habe nachgedacht, ich kenne die schon.

00:17:33: Sabine: Und es ist wirklich spannend, weil wir zücken dann den Bleistift und fangen an zu zeichnen und fragen das ab. Und in dem Tempo macht man das ja normalerweise nicht, dass man sich mit dem Partner über den Stammbaum unterhält. Und wenn die Leute, wenn das Paar dann vor uns sitzt und uns das erzählt, dann plötzlich fällt der Groschen und dann, hey, Moment, die Geschichte gibt es ja bei deiner Familie auch. Vielleicht ist irgendwas verkehrt rum, aber eben das, was der Roland ja gerade aufgezählt hat, was du gerade aufzählst, diese Geschichten, es ist oft frappierend, wie ähnlich sich die Geschichten sind, wenn man ein bisschen in die Tiefe geht.

00:18:10: Roland: Was mir dann einfällt, Sabine, manches ist ja dann, wie gesagt, nicht so offensichtlich, aber es sind oft Ängste auch. Beide haben als Kind das Gefühl, irgendwie zu wenig Platz gehabt zu haben oder manche haben auch, dass sie wieder zu viel haben, aber irgendwo das gemeinsame Thema ist Angst.

00:18:30: Sabine: Ja, genau.

00:18:30: Roland: Ich bin ja einer, der Angst oft vor sich herträgt und ich habe mir gedacht, die alte Sabine hat keine Angst. Aber zum Beispiel, wie dann Corona war, hast du nicht gespürt, wie viel Angst auch du in dir trägst. Und dann ist es ja wirklich spannend, jetzt sind wir fast 50 Jahre zusammen und jedes Mal, wenn wir uns im IMAGO-Workshop halten, wo wir ja auch über uns sprechen, denke ich mir immer, ah, jetzt habe ich wieder was entdeckt, wo wir so ähnlich, einen ähnlichen Stahlgeruch haben, um mal bei dem Begriff zu bleiben.

00:19:02: Sabine: Bei Corona war es doch auch so, dass manche hatten mehr Angst vor diesem Virus, der mich womöglich tötet. Und manche hatten mehr Angst vor dieser eingesperrten, eingeschränkten Freiheit. Ich hatte mehr Angst davor, dass meine Freiheit eingeschränkt wird, muss ich schon sagen. Aber das mit dem Virus hat mich natürlich auch beeindruckt, weil wir wussten ja alle nicht, was da jetzt passiert und konnten das ja auch nicht einschätzen.

00:19:28: Roland: Das haben wir nicht vorbereitet, aber jetzt fällt es mir gerade auf, am Anfang, wie der erste Lockdown war, da war sowas, auch sowas. Da haben wir uns alle sehr verbunden gefühlt, weil da, und dazu sprechen wir das nächste Mal, die Gegensätze noch nicht so spürbar waren. Aber es war etwas uns grundsätzlich verbunden. Das gemeinsame Thema war, wie gehen wir jetzt mit dieser Herausforderung um? Und da kann ich mich noch erinnern, wir sind viel spazieren gegangen und die Leute haben von Fenster rausgeschaut und man hat so geredet. Plötzlich sind Dinge passiert, die sonst nicht passiert sind. Wie in einer Verliebtheit. Weil in der Verliebtheit, die Seelenverwandtschaft führt uns zusammen. Wir sind verliebt und denken sich, wir haben sehr zusammengehalten. Dieser Mensch wird mich immer lieben. Und dann irgendwann einmal kommen die Gegensätze. Aber das machen wir in der nächsten Folge.

00:20:17: Sabine: Und zum Beispiel diese Konzerte, die manche gegeben haben vom Balkon aus. Da gab es doch auch so eine Uhrzeit, das weiß ich gar nicht mehr, wann das war. Aber es gab doch auch manchmal diese Konzerte und dann haben die Leute aus den Fenstern geschaut und dieses Solidaritätsgefühl, wir werden das gemeinsam schaffen. Wir passen aufeinander auf und wir halten uns an die Spielregeln.

00:20:35: Roland: Also wir laden euch ein, ein bisschen auf die Spur zu gehen. Wo ist in deiner jetzigen Beziehung oder in einer deiner bedeutsamen Beziehungen, wo ist dir die Seelenverwandtschaft? Weil wenn du das herausfindest, dann weißt du eigentlich, wenn du zum Beispiel dazu neigen würdest in einer nächsten Beziehung, du gibst dein Inserat wo auf, dann wäre es gut, dass du gleich schreibst, was deine Seelenthematik ist.

00:21:03: Sabine: Naja, ich weiß nicht, ob das dann so erotisch wirkt. Ich glaube, man braucht den Augenkontakt. Aber ich wollte noch was sagen wegen diesen Ängsten. Es gibt ja eine Passage bei Dialogen, bei so Gesprächen, die wir anleiten.

00:21:17: Roland: Dann wäre es wichtig, dass du kurz sagst, was im Dialog ist.

00:21:20: Sabine: Der Dialog ist eben, wenn ein Paar zu uns kommt, dass wir sie dann auch relativ schnell auch hinsetzen lassen, gegenüber setzen, Augenkontakt und etwas erzählen dem anderen. Und einer erzählt was und sagt was und der andere spiegelt und wiederholt das. Und von uns aus wird das Gespräch manchmal sehr genau geleitet. Es gibt zum Beispiel eine Passage, die wir sehr oft verwenden, meistens in der ersten Stunde. Wenn ich das und das mache, wo ich aus meiner Komfortzone rausgehe, dann überwinde ich die Angst das. Das wird von uns jetzt vorgegeben oder von mir zum Beispiel vorgegeben. Und das ist sehr sehr spannend. Ich überwinde dann die Angst das. Und die Antworten, die da kommen, sind sehr oft vielleicht mit anderen Worten, aber das Thema ist das Gleiche.

00:22:09: Roland: Zwischen den Partnern meinst du? Das heißt, wenn wir den Satzanfang geben, einem Paarteil zu sagen, wenn ich da aus meiner Komfortzone rausgehe, überwinde ich die Angst vor, keinen eigenen Platz zu haben.

00:22:25: Sabine: Das hat natürlich mit der Familiengeschichte zu tun. Und dann eine halbe Stunde später stelle ich die gleiche Frage dem anderen Paar und dann kommt, dass ich nicht als Person gesehen werde oder so. Es kommt fast immer das Gleiche, nämlich der Platz oder ich habe nicht mein eigenes.

00:22:43: Roland: Letztens habe ich ein Paar gehabt, aber das kommt eigentlich auch recht oft, die gesagt haben, ich überwinde die Angst vor Nähe. Na gut, was haben diese Menschen oft erlebt? Dass die Nähe als Kind missbraucht wurde, sei es durch Gewalt, durch zu viel, das darfst du nicht und so weiter, bis hin zu sexuellen Übergriffen. Und vielleicht die andere Person hat zu wenig Nähe erlebt, hat darunter gelitten und hat daraus sich irgendwie so selbstständig gemacht, dass man eigentlich keine Nähe mehr will. Beide überwinden die Angst vor Nähe. Und da sieht man dann oft sehr genau diese Seelenverwandtschaft.

00:23:25: Sabine: Was könnte bei einer Nähe so gefährlich sein? Zum Beispiel eben, wie du gerade sagst, die Angst, dass meine Grenzen nicht respektiert werden, dass ich überrollt werde.

00:23:36: Roland: Wenn man das Schuldgefühl der Eltern übernimmt, dann hat man Angst, dass das nicht sein darf. Wenn so viel Schuld da ist, dann darf nicht so viel Nähe sein, darf nicht so viel Glück sein.

00:23:49: Sabine: Oder auch die Angst, ich bin ganz alleine, niemand ist da, ich werde verlassen. Das kann nämlich auch genauso sein, ich lasse die Nähe gar nicht zu, weil dann kann ich auch nicht verlassen werden, zum Beispiel.

00:24:01: Roland: Jetzt fällt mir aber gerade noch was ein, Sabine, zu uns. Wir haben ja beide ältere Geschwister. Du hast deine drei älteren Geschwister, wobei eine deiner Schwestern schon vor deiner Geburt verstorben ist. Ich habe drei ältere Schwestern und wir haben ja beide eine Rolle zugeschrieben bekommen, die uns sehr viel Verantwortung übernommen haben müssen. Allerdings, aus dem Blick unserer Geschwister war klar, die sind irgendwas Besonderes. Das heißt, wir haben auch, und das haben unsere Geschwister damals sicher nicht bewusst gemacht, aber sie haben uns auch sicher etwas geneidet. Vielleicht kennst du das, wenn du jetzt zuhörst, dass es auch Geschwister gibt, die sich dann diesen Neid leider tiefkühlen und bis ins hohe Alter mitnehmen. Aber wir haben das als Kind erlebt, dass uns auch etwas geneidet wurde, verständlicherweise, weil aus der Blickrichtung unserer Geschwister war es irgendwie, aha, die haben jetzt eine besondere Rolle.

00:24:57: Sabine: Das Nesthäkchen, das verwöhnte Burli, das verwöhnte Miri.

00:25:02: Roland: Das Gemeinsame, die Seelenverwandtschaft ist auch, dass wir auch Angst haben vor diesem Neid, dass wir anderen uns etwas neiden können. Deswegen haben wir uns, wenn du jetzt zuhörst, lange überlegt, sollen wir den Podcast überhaupt aufnehmen, weil so viele Leute gesagt haben, macht es doch, ihr habt so viel Erfahrung mit Paaren und in eurer Beziehung. Wir haben uns gesagt, naja, aber dann könntest du uns ja auch wieder neiden. Aber auf der anderen Seite, wenn du dich versteckst, wird die Welt auch nicht anders. So haben wir uns entschieden, darüber zu reden und wir hoffen, dass du auch etwas mitnimmst von dem, was wir erzählen.

00:25:33: Sabine: Und zum Beispiel auch zu hören, ja, das Nesthäkchen, das verwöhnte Mäderl, das verwöhnte Bubi oder auch, naja, du bist halt auf die Butterseite gefallen und so weiter und so weiter. Und das ist uns beiden so vertraut, da reicht schon ein Stichwort, dass der Andere schon weiß, wenn ich sowas sage in der Richtung, weißt du sofort, aha, Sabine kiffelt gerade an sowas. Das heißt, du verstehst es. Eben, wie ich es ja schon damals kapiert habe, schon damals, unbewusst, der versteht mich. Jawohl. Nur warum das so ist, das haben wir viele Jahre später erst herausgefunden, wo die Ähnlichkeiten liegen. Und das sind oft nicht die gleichen, also es sind die Anderen handeln, die Personen, es ist ein bisschen anders und aber dieses Gefühl, das ich dann mithabe und diese Angst, die ich habe, ist meistens die gleiche. Und das Schutzmuster ist aber oft sehr gegensätzlich. Aber zu den Gegensätzen kommen wir beim nächsten Podcast dann.

00:26:29: Roland: Was vielleicht hilfreich sein könnte, wenn du dir die Folge 90:10 anhörst, eine sehr provokante Folge, weil wir sprechen dann auch darüber, was uns einander auch aufregt und gleichzeitig ist aber auch die Seelenverwandtschaft mit drinnen. Oder du hörst dir die Folge an, wir haben ganz zum Anfang, als wir mit dem Podcast gestartet haben, Beziehungen ohne Ablaufdatum, Teil 1 und 2, da geht es auch so ein bisschen in diese Richtung. Mir ist jetzt noch zum Abschluss dieser Folge wichtig, darauf hinzuweisen, dass die meisten uns dann immer begegnen und sagen, naja, aber diesmal ist es ja ganz anders. Also wenn sich jemand verliebt und auf der Außenstehende oft sehen das dann schon so, also der Mann hat wirklich die beste Voraussetzung, auch einmal zu schweigen. Jetzt in der Blüte der Verliebtheit spricht er, aber und dann sagt die Frau oder in dem Fall die Frau dort einem Mann, naja, aber diesmal ist es sicher so, dass es bleibt. Und das Schlimme ist ja, irgendwie hat man ja dann doch, so bin ich ein schlechtes Gewissen, dass man sich wieder dieselbe Person ausgesucht hat, wieder jemand, der mich, und da ist dann wichtig, anstatt nicht nur den Partner oder die Partnerin zu wechseln, sondern einmal hinzuschauen, was bringe ich für Grundmelodie mit.

00:27:57: Sabine: Du kannst es nicht steuern, wenn du dich verliebst, das passiert. Und dann kannst du sagen, okay, das ist das Thema, und dieses Thema schreit nach Bearbeitung, und wie kann man es machen am besten? Ja, das Thema sagt, hallo, da bin ich da, das Thema ist noch nicht bearbeitet, hallo, hallo. Und dann gemeinsam Ärmel aufkrempeln und sagen, machen wir es gemeinsam, was hast du für Strategien, was habe ich für Strategien, ich verstehe dich, ich verstehe das Thema, das ist einmal klar, und manchmal kommt das Thema so stark dann her, dass man sagt, es ist die Hölle, ich will mit dem Thema nichts mehr zu tun haben. Und du hast aber den Partner gewählt, mit dem du das Thema auch auflösen kannst, indem du Schritt für Schritt Schritte machst, Wachstumsschritte machst, rausgehst aus deinem alten Muster, und da kann man sich vom Partner schon einiges an Coaching und an Abspicken auch.

00:28:48: Roland: Genau, und das ist dir vielleicht auch passiert, oder du kennst das von einer Freundin oder Freund, wenn die Seelenverwandtschaft nicht stark ist, allerdings das Feuer in der Verliebtheit groß, nach ein paar Monaten ebbt die Beziehung ab und man verliert einander wieder, weil eben die Seelenverwandtschaft nicht gegeben ist. Was auch besonders ist, und wir haben ja auch in einer Folge schon über das Thema Affären gesprochen, werden auch mehrere Folgen dazu machen, weil das immer auch ein großes Thema ist, dass manche Frauen und Männer sagen, da muss ich jetzt wirklich aufpassen, weil ich habe das Gefühl, diese Frau oder dieser Mann, so wie du darüber redest, hat eine ähnliche Seelenverwandtschaft. Und also wenn so wie die Sabine in der Folge erzählt, dass sie, wie ich die Affäre hatte, sehr gekämpft hat um mich, es ist wichtig zu schauen, wo zieht es mich immer wieder hin? Weil das wird ja vielleicht auch durch eine Affäre irgendwie ausgelöst, weil wo ist meine Seelenverwandtschaft und wenn du länger als ein Jahr mit einem Menschen zusammen bist, kannst du sicher sein, dass es eine sehr intensive Seelenverwandtschaft gibt, weil sonst wirst du nicht mehr zusammen.

00:30:02: Sabine: Genau, und wie kommt man heraus aus dem Ganzen? Man kann ja nicht ständig in dem drinbleiben und diese Ängste noch neu produzieren.

00:30:09: Roland: Man kann die Partner ständig wechseln.

00:30:09: Sabine: Man kann die Partner auch wechseln, aber was wir empfehlen ist, dass man einmal es bewusst macht, gemeinsam zu schauen, was ist denn die Seelenverwandtschaft, was sind denn die heavy Themen in unserem Leben, die wir auch 90:10. Da sind wir wieder bei 90:10. Und das Zweite, sich auch bewusst machen oder sich denken, mein Partner ist mein Verbündeter. Also da habe ich lang gebraucht, dass ich kapiert habe, okay, du bist mein Verbündeter, du kennst das Thema. Es hat keinen Sinn, das hin und her zu schieben die ganze Zeit, sondern zu sagen, wir sind Verbündete und wir wollen beide raus. Und was ist deine Strategie, was ist meine? Hast du Ideen dazu? Schauen wir, dass wir gemeinsam rauskommen. Und der erste Part ist, dass du es verstehst. Das habe ich ja damals schon abgecheckt, du verstehst mich. Das heißt aber nicht, dass wir als Stillstand dort bleiben, sondern schauen wir, wie wir rauskommen. Wir sind Verbündete, wir können auch kreativ sein. Im Stressmoment vielleicht nicht, aber wenn man auf die Reflexionsebene geht, sozusagen von oben schaut, auf die Partnerschaft, wie können wir zwei als Verbündete da rauskommen aus der Suppe?

00:31:17: Roland: Ja und Sabine, ich habe mir gerade gedacht, was auch für die, die uns zuhören, eine gute Info ist, ist, dass die Folge 4, wenn wir über Sicherheit und Leidenschaft sprechen, was braucht Liebe? Da sind auch viele Themen drinnen, die mit der Seelenverwandtschaft zusammenhängen. Und wenn ihr mal über Dialoge überlegt, einen Dialog zu Hause auszuprobieren oder euch dadurch ein bisschen inspirieren zu lassen, besser oder genauer zuzuhören, dann ist in der Folge stärkende Dialoge, die Marco-Methode für Liebe und Familie vielleicht auch der eine oder andere Hinweis. Und wir sind ja kurz davor, auch einmal eine Folge aufzunehmen, ganz speziell für den Dialog.

00:31:58: Sabine: Was auch noch wichtig ist zu wissen, wenn die Seelenverwandtschaft sehr ähnlich ist, eine große Seelenverwandtschaft, eine große Übereinstimmung, dann, wir sagen immer, wenn der Strichcode, der Strichcode, also man kann sich das vorstellen, wie so ein Strichcode beim Supermarkt, schwarze Streifen und weiße Streifen. Die hellen Streifen irritieren einen ja nicht, die dunklen Streifen nehme ich jetzt als Symbol für die schwierigen Themen, herausfordernden Themen. Wenn das aber sehr stark übereinstimmt, dann ist es, weißen und die dunklen Streifen, dann hat man auch ordentliche Auseinandersetzungen, ordentliche Streit.

00:32:35: Roland: Nicht gleich, das heißt, es ist die schöne Verliebtheit, das ist besonders.

00:32:38: Sabine: Ja, es ist natürlich das ähnliche, jemand der mich versteht und man tickt ähnlich und so weiter. Ähnliche Grundmelodie, alles wunderbar. Dann kommen irgendwann diese dunklen Streifen auch zum Vorschein. Nachdem die so ähnlich sind, ist es ja noch viel schwieriger, weil wenn ich was habe, was anderes, wo ich mir sage, da habe ich kein Problem. Okay, der Roland hat da ein Thema, okay, dann begleite ich dich, ich höre dazu. Aber wenn das ähnlich ist zu meinem Thema, dann wird es natürlich sehr schwierig und man hat dann das Gefühl, ich halte es überhaupt nicht aus. Wir haben ja am Anfang unserer Beziehung, war das ja wirklich on-off, weil wir auch gemerkt haben, man hält das fast nicht aus und wir haben es ja gar nicht verstanden, warum. Aber es war einfach furchtbar und wir haben uns dann immer wieder getrennt, weil mit jemand anderem ist das sicher viel einfacher, kann eh sein. Aber es war wirklich, es hat gezeigt, dass wir so eine Seelenverwandtschaft haben und dass wir da so ähnlich sind mit den Themen. Und wenn das Thema eh schon heavy ist, dann kommt der andere noch dazu, auch mit seinem heavy Thema, na danke.

00:33:35: Roland: Und das ist das Besondere, was wir kennengelernt haben nach vielen Therapieausbildungen bei der Imago-Weiterbildung, dass wenn man diese Paardialoge macht und Paare kommen zu uns und haben echt ein schweres, großes Thema oder haben sich total verloren und dann sage ich, und jetzt schauen sie sich in die Augen, dann ist es fast manchmal wie ein kleines Wunder, weil plötzlich spürt man wieder dieses innere Bild oder wie es bei Imago heißt, das Imago, diese tiefe Seelenverwandtschaft und dann geht wieder ein Tor auf. Was ein Vorteil ist, der Nachteil daran ist.

00:34:15: Sabine: Man hat dann Angst, dass es wieder zugeht.

00:34:17: Roland: Man hat Angst, es zu verlieren. Bei uns bei der Praxis ist der Augenkontakt weg, diese Verbindung weg und dann genügt ein kleiner Konflikt. Jetzt haben wir es schon wieder.

00:34:29: Sabine: Aber es ist da bewusst zu machen, dass du einen Seelenverwandten hast und der auch gern raus will aus dem Ganzen und der sich selber und auch dir helfen möchte.

00:34:39: Roland: Sabine, heute ist mir besonders wichtig, dir ja zum Ende des Podcasts zu sagen, dass ich jetzt so gerührt war und ich schätze so sehr, dass du das Thema mit dem Verbündeten aufgebracht hast, weil das ja lange ich bei dir nicht gesehen habe, dass du meine Verbündete bist und lange du nicht gesehen, dass ich dein Verbündeter bin. Aber seitdem wir dann gemerkt haben, wir sind da bei diesen Themen Verbündeter, ist es nicht nur leichter geworden, sondern auch viel inniger, näher, intimer und ich danke dir, dass du, obwohl wir das in der Vorbereitung gar nicht besprochen haben, das Thema Verbündete aufgebracht hast.

00:35:19: Sabine: Das freut mich zu hören. Danke. Ich hoffe, ihr konntet da was mitnehmen. Ihr könnt was mitnehmen von dem, was wir da jetzt erzählen. Ich hoffe, du bist auch motiviert und sagst, okay, dann machen wir das. Schauen wir gemeinsam hin. Schauen wir, wie wir die Themen auflösen können. Ich habe einen Verbündeten, eine Verbündete an meiner Seite und wir können das gemeinsam auch auflösen, weil wir lieben uns auch und wir sind Seelenverwandte.

00:35:46: Roland: In diesem Sinne, bleibt dran.

00:35:49: Sabine: Und macht es gemeinsam.

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