Alles toxisch oder was?
Shownotes
Entdecke in diesem Podcast, warum jede Beziehung Toxizität aufweist, warum wir uns schon bei der Partnerwahl bestimmte Schattenseiten ausgesucht haben und was Zebras, die von all dem nichts wissen, damit zu tun haben.
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Produktion: Umsetzerei Wien
Das Kleingedruckte ganz normal groß – Disclaimer, unsere Fallbeispiele betreffend:
In unserem Podcast geben wir im Sinne der Praxisnähe und Verständlichkeit immer wieder Fallbeispiele. Unser oberstes Anliegen ist es auch dabei stets, die therapeutische Schweigepflicht sowie die Privatsphäre aller Klient:innen zu jedem Zeitpunkt zu wahren.
Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir a) jeweils zur Erzählung des Erlebten autorisiert wurden und b) alle Details, die einen Rückschluss auf konkrete Personen, Namen, Orte etc. ermöglichen könnten, abändern.
Sollten Sie also den Eindruck haben, in einer unserer Schilderungen eine bestimmte Person zu erkennen, so liegt das wohl daran, dass wir Menschen, so verschieden wir sein mögen, oft überraschend ähnliche Probleme und Ressourcen haben.
Transkript anzeigen
00:00:07: Sabine: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Liebesdoppel.
00:00:11: Roland: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.
00:00:14: Sabine: Hier sind die Bösels. Mein Name ist Sabine Bösel.
00:00:16: Roland: Und mein Name ist Roland Bösel.
00:00:19: Sabine: Und wir widmen uns heute der Frage, alles toxisch oder was?
00:00:29: Roland: Willst du modern sein? Dann reih dich vielleicht auch einen in die Zuschreibung: Das ist eine toxische Beziehung. Und warum wir dem Thema eine ganze Podcast-Folge widmen, hat den Grund, weil es da ein großes Missverständnis gibt. Vielleicht gleich von Anfang an. Es gibt natürlich Momente in einer Beziehung, die man als auch toxisch bezeichnen kann. Aber deswegen ist die ganze Beziehung nicht toxisch. Vielleicht ist es im Moment, fühlt es sich so an, wie wenn es immer so war oder immer so sein wird. Jede Beziehung verdient die Wertschätzung für auch die Ressourcen, für das Besondere der Beziehung. Wenn wir über das Wort toxisch reden, müssen wir zum Beginn gehen. Zum Beginn einer Beziehung. Viele von euch kennen unsere Podcast-Folgen für alle anderen, die vielleicht zum ersten Mal zuhören. Wenn wir uns verlieben, dann ist unser Kritikzentrum in unserem Gehirn ausgeschaltet. Also dieser Teil im Gehirn, die das überprüfen, ob das zum Beispiel eine gute Beziehung ist für eine langfristige Beziehung, wo ich glücklich werde, das ist ausgeschaltet. Und das ist auch gut so. Würde das nicht passieren, wären wir schon als Menschen lange, lange ausgestorben.
00:01:47: Sabine: Wir haben in einer Folge das genannt, die rosa Brille. Man hat dann die rosa Brille auf. Man merkt es daran, dass man Schmetterlinge im Bauch hat, dass man einfach begeistert ist und fliegt. Man hat irgendwie Flügelwachs in einem und man zeigt sich selbst auch von seiner besten Seite. Also wenn man so richtig verliebt ist, kennt ihr sicher alle. Jeder war schon mal in dem Zustand. Und wie gesagt, das Kritikzentrum ist ausgeschaltet. Und man findet das ganz, ganz super und findet sich selber auch meistens super.
00:02:14: Roland: Höhenflüge sind da inkludiert. Und die gute Freundin oder der gute Freund sagt, um Gottes Willen, warum nimmst du denn den? Der ist doch schon wieder so ein Typ, der dir dann nicht zuhört oder nicht reden wird. Warum sprechen die Menschen so? Weil die sind ja nicht verliebt.
00:02:33: Sabine: Wir haben eine klare Brille auf. Wir haben keine rosa Brille auf und sehen dann auch schon die Schattenseiten von der Person. Wenn man ein bisschen Lebenserfahrung hat, kann man das relativ schnell erkennen, auch wie sich jemand verhält, wenn man eben nicht dieses Kritikzentrum ausgeschaltet hat. Und wir wären aber schon ausgestorben, wenn es das nicht gäbe, dass wir uns verlieben, wir Menschen. Das liegt in unserer Natur.
00:02:57: Roland: Wenn jemand schon damit anfängt zu sagen, das ist eine toxische Beziehung, dann müsste man sagen, wir haben eine toxische Partnerwahl. Und es gibt ja auch so berühmte, anerkannte Bücher, die sagen, verabschieden wir uns von der Romanze, jeder Paarbeziehung. Ja, weil dieses Verliebtsein ist ja nur so ein Hineinschnuppern in eine Beziehung, die wirkliche Beziehung. Oder wie es der H.P. Kerkeling nennt, Beziehung ist eine Arbeit, Arbeit, Arbeit, beginnt ja dann, wenn die Verliebtheit abklingt. Aber warum wir uns hier an dieser Stelle wiederholen, ist einerseits, weil man es nicht oft genug sagen kann und darüber sprechen kann, und weil, wenn wir das Kritikzentrum ausschalten in der Verliebtheit, was wir ja nicht bewusst machen, sehen wir eben nicht diese Schattenseiten.
00:03:48: Sabine: Ich vergleiche das gerne mit einem Strichcode, mit Schwarz-Weiß-Streifen, so wie im Supermarkt, diese Strichcodes eben. Oder mit dem Zebra. Ein Zebra ist ja auch schwarz-weiß gestreift. Und jedes Zebra schaut anders aus.
00:04:05: Roland: Jedes Zebra schaut vielleicht ähnlich aus, aber es hat ein Muster, ähnlich wie beim Menschen der Daumenabdruck, das Muster ist einmalig.
00:04:15: Sabine: Und das Zebra-Baby, wenn es geboren wird, merkt sich und prägt sich gut ein sozusagen den Strichcode oder die Streifen von der Mama, von der Mutter.
00:04:26: Roland: Weil das Zebra ist ein Fluchttier, das heißt, wenn Gefahr ist, flüchten die Zebras und da ist es für das Baby überlebensnotwendig, den Strichcode sich zu merken, weil eine andere Stute würde das Baby niemals säugen, das heißt, das Zebra-Baby würde dann sterben. Und deswegen geht die Mutter auch nach der Geburt immer wieder im Kreis um das Zebra-Baby herum, damit das Zebra-Baby sich das einprägt, dieses Strichmuster.
00:04:57: Sabine: Ja, und so ähnlich ist es bei uns Menschen, wenn wir unsere Kindheitsbetreuer, wer immer da jetzt ist, die Mutter, der Vater, vielleicht Großeltern, vielleicht Kinderfrau, ältere Geschwister, also alle, die uns da betreuen als Kind, die wichtig sind, wichtige Bezugspersonen, all die prägen wir uns ein als Kind und das nennen wir dann das Imago oder der Strichcode.
00:05:19: Roland: Oder die Seelenverwandtschaft.
00:05:21: Sabine: Oder Seelenverwandtschaft. Dann verlieben wir uns in jemanden, der in etwa dem entspricht. Nicht ganz gleich, beim Zebra muss es ja gleich sein, aber da gibt es viele Menschen auf dieser Welt, die imstande sind, einerseits diese hellen Streifen, diese hellen Streifen machen mir ja kein Problem, das ist ja wunderbar, wenn ich etwas, was ich schon gekannt habe als Kind, das finde ich dann wieder als Erwachsener und verliebe mich, wunderbar. Das Problem sind ja die dunklen Streifen und ich verliebe mich garantiert in jemanden, der mich mit meinen Kindheitsschmerzen, mit meinen Defiziten, dort wo ich im Stich gelassen wurde, wo ich verletzt wurde, wo ich ignoriert wurde, wo ich also wunde Punkte habe und ich verliebe mich in jemanden, der genau diese wunden Punkte dann drücken kann, diese Knöpfe drücken kann und diese Wunde dann schreit au au au, ich brauche etwas, ich brauche Heilung und genau in so jemanden verlieben wir und damit sind wir jetzt wieder bei dem Thema toxisch und mir gefällt das Wort ja nicht, weil ich finde toxisch heißt ja auch, dass es ein Gift ist und ein Gift verschwindet ja nicht. Ich meine, dieser dunkle Streifen verschwindet auch nicht, aber das sind ja Themen, die dann auch im Laufe der Zeit auch geheilt werden. Ich meine, es ist auch ein großes Wort Heilung, aber ich kann natürlich, wenn du jetzt meinen wunden Punkt drückst, haben wir natürlich dich ausgesucht, damit du das machst, aber nicht bewusst, sondern unbewusst und dann kann ich das bearbeiten, dann ist das Thema da, dann sage ich au, das tut weh und dann haben wir Streits und Diskussionen und Machtkämpfe und im Laufe der Zeit, aber lernen wir damit besser umzugehen.
00:07:04: Roland: Das heißt, wenn das Kritikzentrum ausgeschalten ist, gibt es doch so einen unbewussten Anteil, der diesen Schatten schon antizipieren kann und nachdem das ja dasselbe Thema ist und wir haben eine Folge darüber gemacht, auch über die Seelenverwandtschaft, wie die Uli Retter gerne sagt, den selben Stallgeruch haben, suchen wir unbewusst uns einen Menschen aus, der auch diese dunklen Streifen hat und zum Beispiel die Sabine hat mich ausgesucht, das Kritikzentrum war Gott sei Dank ausgeschalten, weil dann hätte sie schon wissen müssen, dass ich auch so grantig sein kann und so Vorwürfe machen kann, wie das meine Schwiegermutter, du sagst, ich darf das sagen,
00:07:47: Sabine: sehr oft gemacht hat, sehr oft ihre eigenen Schuldgefühle mir serviert hat, indem sie mir irgendwie Vorwürfe gemacht hat, da möchte ich jetzt nicht so sehr ins Detail gehen,
00:07:57: Roland: ja, aber das kann ich auch gut,
00:07:58: Sabine: das kannst du auch gut und das Thema musste bearbeitet werden, das Thema hat danach geschrien, hey, wer kann das machen, wer kann mir bitte, hallo, wer kann mir diese Vorwürfe bitte machen, ich brauche so jemanden, ich brauche dringend so jemanden, dann hast du aufgezeigt, hier bin ich, ich mache das gerne, gerne vielleicht nicht,
00:08:16: Roland: natürlich mit Augenzwinkern, wie du dir denken kannst, ich habe nicht wirklich hergeschrien, aber so passiert es in dieser unbewussten Partnerwahl, wir verlieben uns einem Menschen, der einem wieder diesen Albtraum reproduzieren kann, den wir schon kennen, wir sind zwar auch ein Traummann oder Traumfrau, aber wir sind auch Albtraumfrauen, Albtraummann und dann vor allem für Außenstehende, die dann sagen, die haben wieder gestern so gestritten und sie haben so geschrien und der Teller ist ihnen geflogen und so weiter, dann sagt man, die haben wirklich eine ganz furchtbare Beziehung und dann gibt es viele, teilweise Expertinnen, Experten, aber manchmal auch Selbsternannte, die dann sagen, das ist toxisch, interessanterweise, Sabine, werden solche Wörter wie toxisch vor allem dann verwendet, wenn man irgendwie mit dem Latein am Ende ist und dann sagt, ich muss mich von dir trennen, weil du bist ja toxisch, dass man aber selbst damals unbewusst gewählt hat, eigentlich müsste man sagen, oh, ich habe dich damals gewählt, ich habe nicht genau geschaut, also fange ich einmal an und vergebe mir selbst, dass sich mir jemand ausgesucht hat, der mich wieder in diese Albtraumgeschichte hineinführt.
00:09:34: Sabine: Ja, und dafür ist es wichtig zu wissen, okay, mein Unbewusstes hat diese Menschen gewählt und zwar nicht damit, dass sich das alles wiederholt, sondern damit wir uns gemeinsam weiterentwickeln und das ist eigentlich die Frage, weil unsere Beziehung ist toxisch, das hat so etwas Festgeschriebenes, können wir uns weiterentwickeln, das ist die Frage, ist es möglich, dass wir uns gemeinsam weiterentwickeln, dass wir lernen, dass unsere Kreise kürzer werden und damit bin ich jetzt bei der Turmdeckelschnecke, ich bin neugierig, ob ich das jetzt, ich werde versuchen, das zu erklären, vielleicht magst du auch einmal googlen, was eine Turmdeckelschnecke ist, also was ich damit meine ist, können wir lernen voneinander, können wir die dunklen Streifen sind da, okay, ich bin mir jetzt bewusst, dass die dunklen Streifen da sind, was machen wir miteinander, lernen wir, wir machen Dialoge, wir sprechen miteinander, das hat mir wehgetan, warum hat es mir wehgetan, natürlich hat das mit meiner Geschichte zu tun und ich bitte dich, dass du das, dieses Verhalten jetzt veränderst, bitte, dass es von heute auf morgen weg ist, das kann man vergessen, aber die Kreise werden kürzer und wir sind wirklich das lebende Beispiel dafür,
00:10:45: Roland: wir nennen es ganz gern, man macht die Ehrenrunden, werden kürzer, genau,
00:10:49: Sabine: oder auch die Schleifen, ich sage manchmal auch Schleife, es ist immer wieder das gleiche Thema und man hat manchmal das Gefühl, es dreht sich im Kreis, jetzt haben wir wieder das gleiche Thema, jetzt haben wir es wieder, es geht mir auf die Nerven, was wir bemerken, sowohl bei uns, finde ich, dass wir es wirklich, dass es wirklich viel kürzer geworden sind, früher haben wir über Themen manchmal ein, zwei Wochen gestritten oder ich habe dann so Eiseskälte im Wohnzimmer, ich habe dann so eine Kühlschranktemperatur im Wohnzimmer gehabt, so Eisprinzessin, nicht mehr gesprochen und das ist schon lang vorbei, jetzt sind die Kreise kürzer, manchmal sind es fünf Minuten, zehn Minuten, ich glaube, viel länger ist es nicht, vielleicht ist es mal eine halbe Stunde, aber wir haben nicht mehr diese langen, ja, die Themen wiederholen sich, das heißt, der Kreis wird kürzer, von mir ist bewusst, was ich dazu beigetragen habe, es hat mich gestört, was du gemacht hast, wir reden drüber und man kann auch sagen, es tut mir leid, also das geht oft in fünf Minuten bei uns beiden, dass wir wieder aussteigen aus diesem Kreis und was noch ist bei der Turmdeckelschnecke, jetzt stell dir das mal vor, eine Schnecke, es wird kleiner die Kreise und es geht einen Level höher, das heißt, wir reden dann schon auf einem höheren Level, auf einem höheren Level der Bewusstheit, dass ich relativ schnell sagen kann, das und das hat mich gerade gestört, dass ich dir das auch sagen kann und artikulieren kann, früher habe ich nur gemerkt, irgendwas stimmt nicht, aber ich konnte es gar nicht sagen oder ich konnte es nicht artikulieren oder ich konnte es nicht genau orten, was es ist, jetzt kann ich es natürlich schneller auch sagen, was mich stört und kann auch schneller erkennen, was habe ich dazu beigetragen, dass eine Situation so war, wie sie war, ja, jetzt sage ich das Wort nicht noch einmal, mit dem wir begonnen haben, sondern diese dunklen Streifen werden dann von uns bearbeitet und werden immer kleiner.
00:12:42: Roland: Und jede Beziehung verdient sich eine Wertschätzung, ich erinnere mich an so viele Generationsworkshops, für alle, die das noch nicht gehört haben, Sabine und ich haben eine Form der Therapie, der Psychotherapie entwickelt, wo es um Generationspaare geht, wo Vater oder Mutter mit einem Erwachsenen oder Sohn oder Tochter teilnimmt und da gibt es Töchter und Söhne, die manchmal sagen, ja, ich verstehe es eh, dass ihr euch getrennt habt, aber dass ihr bis heute, wenn man auf eure Beziehung angesprochen werdet, dann so komisch abwertend redet, dass ihr nicht einen Funken der Wertschätzung, Anerkennung habt, hey, ich bin euer Sohn oder hey, ich bin eure Tochter, ich bin ein Teil dieser Beziehung und ihr fledelt euch nur an, das ist so wie wenn ihr mich auch ein Stück ablehnt und dann sagt nein, nein, du bist eh okay und dann sagt die Tochter, aber ich bin doch zu 50 % auch vom anderen Elternteil die Tochter, der Sohn und um das geht es, das auch zu verinnerlichen, die Wertschätzung, deswegen heißt das nicht, dass man zusammenbleiben muss.
00:13:52: Sabine: Ja, weil manchmal ist es auch so, dass das eben nicht das Turmdeckel-Schnecken mäßig hinaufgeht, dass das Level höher wird und die Kreise kleiner werden, sondern dass sich die Sachen eins zu eins wiederholen oder sogar noch eskalieren, dass es bei jedem Streit Ärger wird oder jemand wird fremd, hat Affären und es wird es ändert sich nichts, sondern es geht einfach weiter oder wird sogar noch schlimmer dann ist auch Zeit zu sagen, ja gehen wir auseinander, unsere Konstellation ist einfach zu schwierig, wir drücken sowas von die Knöpfe und es wird eigentlich schlimmer und dann auch zu sagen, ich lasse jetzt los und eben wie du sagst wenn die Tochter, darf dann auch beide Eltern gern haben und loszulassen und zu sagen, ja die Situation war zu schwierig, unsere Konstellation unsere Zebrastreifen schwarz-weiße Streifen es war zu schwierig, wir sind da nicht
00:14:42: Roland: rausgekommen. Zu übereinstimmen, sie sind so zu ähnlich, das macht ja Beziehungen oft auch so besonders und in der Verliebtheit so nah wenn dann die Verliebtheit abebbt dann merkt man, wie herausfordernd das ist.
00:14:56: Sabine: Aber dann auch den Frieden mit sich selbst zu schließen und zu sagen, ja, ich habe mir jemanden ausgesucht der die Knöpfe gedrückt hat und wir sind überhaupt nicht rausgekommen aus den Runden
00:15:08: Roland: aus den Machkämpfen und dann eben auch zu sagen ich muss ja nicht an die Beziehung abwerten, sondern sagen, ja dann geht es darum sich zu verabschieden und vielleicht um das Bild der Beziehung neu zu sortieren und was auch immer sich daraus entwickeln kann Ich habe vor ein paar Tagen einen Artikel in der Zeit gelesen ich glaube von der Tanja Stelzer, ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher, ob ich es richtig gesagt habe, und da geht es auch so um Schicksalsschläge oder um Resilienz wie man, wie Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen oder mit Stress oder mit großen Angstsituationen und da habe ich mich wieder an unseren Podcast erinnert, Sabine, wo wir sagen, willst du die rosa-rote Brille aufhaben oder die graue Brille und da war was schönes drin, dass ich gelesen habe, ich weiß gerade den Kontext nicht mehr, aber es ging so, dass man sich ab und zu wieder so ein bisschen eine rosa Brille aufsetzt, das heißt nicht eine Brille, die dann in diesem Artikel ging es auch um eine Frau, die querschnittgelähmt ist zu sagen, es ist eh alles gut und ich bin eh, also dieses sich drüber schwindeln, nein aber ein bisschen eine rosa Brille aufzusetzen, um auch das zu sehen, was diese Beziehung hat, weil sonst wenn ich nur mehr, jetzt komme ich nochmal zu diesem Wort, das T-Wort sag nur das T-Wort, wenn ich das ständig mir auch vorsage das ist eine T-Beziehung dann irgendwann einmal sagt das Gehirn, ja so ist es und es braucht aber auch die andere Sichtweise insbesondere, was ich gerade gesagt habe wenn es Töchter und Söhne gibt zu sagen, ok, da gibt es vieles und vieles ist gut und vieles passt nicht und deswegen werden wir jetzt einen Weg suchen, wie wir uns als Freundin oder Freund in Liebe trennen können, das ist natürlich wenn einer oder eine das nicht will, dann geht es vielleicht weiter, aber wir wollen für alle, die hier zuhören ein Plädoyer halten, dass jede Beziehung grundsätzlich einmal sich eine Wertschätzung verdient und schon gar nicht von anderen, aber auch nicht von dem Partner, Partnerin diese Abwertungen diese Abwertungen, die erleichtern uns für einen Moment, wenn wir gerade einen Streit gehabt haben oder einen Streit haben, unsere Emotionen auszudrücken und uns auch zu wehren aber auf eine längere Sicht eine Entwicklung einer Paarbeziehung kann auch, ich sage es jetzt vielleicht ein bisschen drastisch, aber nur dann funktionieren, wenn wir für diese Beziehung unsere Wertschätzung und Anerkennung finden und dann können wir dieses Wort verabschieden und können sagen, ja es gibt in dieser Beziehung auch sehr herausfordernde Teile und wir haben auch viele die hellen Streifen und die haben wir besonders gesehen in der Verliebtheit wir haben sie ein bisschen verloren mit Hilfe einer ein bisschen rosa getönten Brille mache ich mich wieder auf der Suche und das ist halt nur fair weil sonst müsste man ja sagen, du bist ja vollkommen durchgeknallt, dass du dir diesen Menschen ausgesucht hast und so funktioniert es nicht, indem man sich nur fertig macht.
00:18:27: Sabine: Und in unserem Jargon zwischen Kolleginnen und Kollegen, sagen wir dann manchmal so ganz salopp naja, ein schönes Imago-Match haben wir uns ein schönes Imago-Match ausgesucht das heißt ja nur, dass es eben ein gutes Match ist. Man hat sich ein gutes Imago-Match ausgesucht man hat sich jemanden ausgesucht, der wunderbar dieses Dunkle oder diese Wunden aktiviert und meine Schmerzen die ich als Kind schon hatte noch einmal ans Tageslicht bringt an die Oberfläche bringt, damit es bearbeitbar ist und damit es auch heilbar ist
00:19:04: Roland: In Englisch heißt es so schön You cannot heal what you do not feel aber nicht auf Dauer nicht, dass der Partner ewig diesen Schmerz wieder erzeugt, sondern dass man es gemeinsam entwickelt, sodass wir auch uns anderen Themen im Leben zuwenden können
00:19:21: Sabine: Und dass man das Verhalten dann darauf abstimmt, aha, da hat der andere seine wunden Punkte, also werde ich da mein Verhalten danach ausrichten und lerne dabei ein bisschen ein größeres Spektrum an Verhalten ich muss das ja nicht genauso machen und beim nächsten Mal gelingt es mir vielleicht ein bisschen besser und es muss ja nicht sein, dass man dort genau wo die wunden Punkte sind, dort hineindrückt die ganze Zeit Das lernt man gemeinsam, Schritt für Schritt Stufe für Stufe eine Windung nach der anderen, stell dir vor so eine Wendeltreppe die so hinauf geht immer wieder ein Level höher
00:19:57: Roland: und bei der Wendeltreppe geht es ein bisschen schneller hinauf als die Turmdeckelschnecke Die Turmdeckelschnecke fühlt sich ja manchmal so an, aber bin ich jetzt wirklich ein bisschen höher gekommen
00:20:09: Sabine: Man muss halt auf langfristig schauen, innerhalb von ein paar Wochen wird es wahrscheinlich nicht sein
00:20:14: Roland: Also wenn du da jetzt zuhörst und denkst ja, ich hab mich selber schon adaptiert, ich hab da auch so Zuschreibungen, sei es für meine eigene Beziehung oder für Beziehungen in meinem Umkreis, die ich beobachte Wenn du in Beziehung bist, was ist denn eine Möglichkeit was du tun kannst Eines ist zum Beispiel zu sagen, ich geh wieder an den Anfang der Beziehung und schau einmal, was hat mich denn motiviert diese Frau oder diesen Mann auszusuchen Also was hat mich da so angezogen Und da gibt es ja manche, die sagen, ja ich hab hier schon gespürt, er wird nie mehr Der rät dann irgendwann nichts mehr Ich bin selber schuld, weil ich hab das nicht beachtet Nein, bleib jetzt einmal wertschätzend Was war das, wo du so fasziniert warst Wo du gesagt hast, ja um diesen Mann oder diese Frau kämpfe ich auch, wenn er oder sie vielleicht noch gar nicht sich für dich entschieden hat Was du dann schauen kannst und überlegen kannst ist, was hast du selber dazu beigetragen, dass es in diese T-Richtung gegangen ist Du weißt schon, wir sprechen das T-Wort nicht mehr aus, aber was hast du dazu beigetragen, dass es schwierig wurde, wo bist du in deinen Mustern gefangen Wo bist du vorwurfsvoll Wo bist du unzuverlässig Wo bist du unsicher für deine Partner
00:21:41: Sabine: Und was gilt es zu lernen für dich Was ist das Learning Oder wieder zu lernen Ich finde das immer so schön, diese Formulierung Was hast du gelernt oder wieder gelernt Weil einmal lerne ich es nicht sondern ich muss es immer wieder lernen, wieder lernen wieder lernen und es rutscht immer ein Stückchen tiefer Also ich habe es vielleicht mal vom Kopf her gelernt Ich lerne es sehr gerne vom Kopf her Aber es muss dann runterrutschen Es muss dann bis zum Bauch runterrutschen Bis der Bauch ist auch weiß
00:22:10: Roland: Also zusammenfassend Was war so anziehend in der Verliebtheit Was hat mich da so hingezogen zu ihr oder ihm Zweitens, was habe ich dazu beigetragen dass es schwer wurde dass es herausfordernd wurde Und das Dritte, das wissen wir meistens recht gut Was hat meine Partnerin, Partner dazu beigetragen dass es jetzt herausfordernd ist Und da ist auch wirklich eine Kunst das dann nicht abzugleichen oder zu sagen, ja aber bei dir ist es viel mehr, ich habe schon was beigetragen, aber nicht zu viel Keine Messlatten verwenden, sondern zu sagen, da habe ich es dir schwer gemacht und hast es du mir schwer gemacht Und dann ist schon der nächste Punkt Wollen wir da raus oder wollen wir nicht raus Weil wir können auch entscheiden und sagen, na die dunklen Streifen überwiegen und ich lasse es Mein Akku ist leer, ich suche meine andere Frau
00:23:07: Sabine: Ein gepflegter Machtkampf der sich wiederholt, wo jeder schon weiß Wo jeder schon seinen Part weiß ist ja auch nicht schlecht, oder?
00:23:14: Roland: Da kennt man sich aus
00:23:16: Sabine: Da kann man ein bisschen Aggressionen abbauen Und dann weiß man schon, was der andere sagen wird Aber ein bisschen langweilig wird es dann schon
00:23:25: Roland: Und ich kann ja sagen Wir müssen das jetzt nicht auf ewig machen, aber wir sind jetzt 10 Jahre zusammen Wir nehmen ein halbes Jahr, besser ein Jahr wo wir uns das anschauen Vielleicht mit professioneller Hilfe Vielleicht auch Ja, vielleicht hast du in eurer Beziehung schon Erfahrung gemacht wie das ist mit dem Wiederholen wie man Dialoge macht Vielleicht hast du eine gute Freundin und Freunde, die sagen, ja, wir sind da bei euch Wir sind und unterstützen euren Prozess, aber dass ihr sagt Okay, ein halbes Jahr besser ein Jahr für eine Paar, das 10 Jahre zusammen ist Wir treffen jetzt da keine Entscheidung sondern wir schauen uns das an wo diese Giftstoffe, wenn man so will lagern und wie wir die auch Schritt für Schritt vielleicht ausleeren können
00:24:18: Sabine: Vielleicht kann man diesen Schrank, wo das Giftige drinnen ist dann irgendwann einmal entsorgen Vielleicht braucht man das gar nicht, dieses Gift
00:24:24: Roland: Ja, das sind aber dann schon die größten Künstler weil die sind dann so mutig und sagen Okay, für bestimmte Tage brauche ich das nicht mehr. Das heißt, das ist für mich schon eine Liebeserklärung nämlich eine Liebeserklärung an die Beziehung und damit auch an den Partner, Partnerin und an mich, wenn ich sage Ich vergebe Also da sind wir beim Vergeben Ich vergebe und wir nehmen einen nächsten Schritt Das Gegenteil ist, wir rechnen auf Und es gibt ja auch wirklich Paare, Sabine, die sind zu weit schon gerutscht dass ein Zurück nur mehr ganz, ganz schwer ist Vielleicht mit Hilfe eines Imago-Workshops eine Möglichkeit, aber es gibt da ja auch keine Garantien
00:25:14: Sabine: Manchmal gibt es aber auch Personen, die holen das Beste aus mir heraus und natürlich ist es schöner mit so jemandem zusammen zu sein Ich meine jetzt gar nicht unbedingt Partnerschaft sondern überhaupt im Allgemeinen Menschen, die, wenn ich die sehe dann zeige ich meine beste Seite meine Schokoladeseite
00:25:34: Roland: Du weißt, wer das am besten gut kann
00:25:37: Sabine: sind die Kinder
00:25:38: Roland: und Enkelkinder im Besonderen
00:25:40: Sabine: Die holen dann das Beste aus mir heraus
00:25:42: Roland: Aber es ist nicht fair, dass das dann nur Nein, es sind nicht nur die Kinder Nein, aber es ist nicht fair, dass dann den Kindern oder den Enkelkindern quasi fast abzuverlangen das Beste aus mir heraus zu holen sondern wir haben es in der Verliebtheit und es ist mit Hilfe dieser rosa gedünnten Brille Ich muss nicht sagen, alles ist gut außerdem haben wir dazu einen eigenen Podcast gemacht, dass sowieso nicht immer alles gut sein kann, immer alles gut aber mit Hilfe der rosa Brille zu sagen, ja ich schaue das Ganze auch von der einen oder anderen Seite an nicht nur das, was gerade so verletzend war
00:26:19: Sabine: Auf lange Sicht wäre es schon gut zu merken, aha ich hole mehr das Gute aus mir heraus und in der Beziehung zeige ich mich von meiner besten Seite die Zeiten, wo ich mich von meiner besten Seite oder von meiner besseren Seite zeige, werden immer länger und die Zeiten, wo ich aggressiv bin destruktiv bin die werden immer kürzer also ich finde, die Entwicklung sollte schon sein wenn das Gegenteil der Fall ist dann muss man wirklich irgendwann die Reißleine ziehen also da bin ich schon dafür zu sagen na gut, jetzt bin ich selber schon so wie ich mich selber nicht mehr mag und habe solche Aggressionen und solche Kämpfe und es wird nicht besser naja, da muss man schon die Reißleine ziehen
00:27:02: Roland: Mir fällt gerade ein, da wo die Ellen hat das einmal so schön in einem Zitat auf den Punkt gebracht das so sinngemäß heißt, wie die ist, der Versuch zu zweit die Probleme zu lösen, die man alleine nie gehabt hätte, das heißt mit dem Wechsel der Partner komme ich wahrscheinlich wieder an die selbe Adresse, weil ich ja ähnliche Muster mir wieder aussuche
00:27:26: Sabine: Naja, warum hast du sie alleine nicht, weil du alleine mit dir meistens nicht streiten kannst obwohl man kann mit sich selber schon auch streng ins Gericht gehen, man kann schon unzufrieden sein aber streiten tut man dann mit einem Gegenüber und da suchst du halt jemanden aus der dann diese Knöpfe drückt
00:27:43: Roland: So gesehen, sage ich jetzt zu dir Sabine, ich bin ja ein Hagelsturm, für alle die das nicht kennen, gerne an meinem Podcast nachhören was ein Hagelsturm ist, wir haben einen Podcast zum Thema Hagelsturm Schildkröte gemacht, also ich bin eher der Extrovertierte, insbesondere wenn es um Konflikte geht, also ich gehe da eher auf Angriff oder wenn es gar nicht geht, dann flüchte ich Also ich kann jetzt zu dir sagen, Sabine ich werde immer wieder so in Stressmomente reinkommen, aber so wie ich mich in den letzten 20, 30 Jahren entwickelt habe, bin ich für mich selbst und damit auch für dich optimistisch, dass diese Ehrenrunden kleiner werden und ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass in dem Moment wenn ich da überziehe es ist ja, ich überziehe dann den ich überspanne den Bogen dann möchte ich, dass du hörst dass mir das sehr leid tut und auch wenn ich sage, ich könnte jetzt sagen ganz verliebt, ja das wird nie wieder passieren, es wird wahrscheinlich wieder passieren und ich lerne und ich bin bereit zu lernen und das mache ich, weil ich dich liebe und weil ich unsere Beziehung so
00:28:57: Sabine: schätze. Deine Runden werden kürzer und dein tut mir leid kommt sehr schnell und bei mir ist es so, ich als ehrenwerte Schildkröte die sich zurückzieht, die früher wochenlang geschwiegen hat, aber wie Kampfschweigen, mit Eises Kälte, ich mach das nicht mehr ich finde es extrem langweilig zu schweigen ich gehe vielleicht mal kurz weg und komme dann bald zurück und sage dann auch, was mir nicht gepasst hat und melde mich zu Wort brauche ein bisschen Anlauf dafür das schießt jetzt nicht so schnell raus ich muss ein bisschen Anlauf nehmen, aber ich artikuliere mich wenn es natürlich hart auf hart geht und ich dich so gefährlich finde, dann ist der Schildkrötenpanzer schon bereit dafür, aber ich komme dann relativ schnell wieder raus.
00:29:46: Roland: Du bist eine elaborierte Schildkröte.
00:29:47: Sabine: Ich bin schon ziemlich elaboriert und du als Haarsturm auch. Das heißt, wir haben da schon ziemlich gelernt, wir zwei.
00:29:54: Roland: Ich danke dir dafür, dass du da immer wieder in kleineren Kreisen die Schildkröte noch drehst, aber dass du immer wieder zurückkommst.
00:30:04: Sabine: Aber meistens hast du ja ein Salatblatt bei der Hand und dann wachelst du mit dem Salatblatt.
00:30:09: Roland: Manchmal wird es gut, wenn ich mir meinen Podcast oder unseren Podcast anhöre, dass man dem Gesicht eine Information geben sollte, wenn man sich freut.
00:30:19: Sabine: Aber du hast das Gesicht manchmal nicht, aber das Salatblatt wachelt vor meiner Nase und dann denke ich mir, ein gutes Salatblatt hätte ich schon gerne.
00:30:28: Roland: Wir hoffen, du hast was mitgenommen. Es geht ja immer wieder um Bewusstsein zu erweitern, um damit dein Selbstbewusstsein zu stärken und nicht etwas zu kämpfen, sondern um in Verbindung zu kommen, deine und eure Potenziale zu entfalten.
00:30:47: Sabine: Wenn das T-Wort dir auf der Zunge brennt, ich sage es jetzt nicht, dann setz doch schnell einmal die rosa Brille auf für einen Moment. Zumindest ein bisschen. Für einen Moment setz sie auf und schau mal, was es alles Gutes gibt in deiner Beziehung und was du auch schon alles bewältigt hast. Und dann schau dir das lieber von dieser Seite an, anstatt dieses Wort zu bemühen und das so als apodiktisches Urteil dann rauszuschießen.
00:31:11: Roland: Wenn das gar nicht geht, wie könnt ihr euch verabschieden? Wir verabschieden uns jetzt auch für heute, für den heutigen Podcast. Danke, dass du mit dabei warst. Hoffentlich nimmst du was mit. Vielleicht ist da oder dort, wo du dich jetzt auch inspiriert fühlst, dort mehr hinzuschauen. Jedenfalls Wertschätzung, dass du das Thema Beziehung so in den Vordergrund stellst, dass du dir sogar die Zeit nimmst, einen Podcast darüber zu hören. Das zeigt uns, dass du in deiner Beziehung und deinen Beziehungen die Wertschätzung und die Anerkennung vor dem T-Wort in den Vordergrund stellen willst. Und dafür herzliche Gratulation.
00:31:53: Sabine: Und ihr Lieben, ich wünsche euch, dass ihr immer wieder die rosa Brille hervorholt. Einerseits sich selbst mit der rosa Brille anzuschauen, aber auch den Partner, die Partnerin, die Partnerschaft immer wieder mit rosa Brille anzuschauen. Und sich selbst auch anzuschauen. Und ich wünsche euch gutes Gelingen dabei. Bleibt dran und macht es gemeinsam.
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