Wie wir Verletzungen „ausgleichen“ können
Shownotes
Entdecke in diesem Podcast, wie du einen Ausgleich anbieten oder einfordern kannst, wenn Verletzungen passiert sind – und warum darin ein großer Wert für die gemeinsame Entwicklung und die Beziehung liegt.
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Produktion: Umsetzerei Wien
Das Kleingedruckte ganz normal groß – Disclaimer, unsere Fallbeispiele betreffend:
In unserem Podcast geben wir im Sinne der Praxisnähe und Verständlichkeit immer wieder Fallbeispiele. Unser oberstes Anliegen ist es auch dabei stets, die therapeutische Schweigepflicht sowie die Privatsphäre aller Klient:innen zu jedem Zeitpunkt zu wahren.
Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir a) jeweils zur Erzählung des Erlebten autorisiert wurden und b) alle Details, die einen Rückschluss auf konkrete Personen, Namen, Orte etc. ermöglichen könnten, abändern.
Sollten Sie also den Eindruck haben, in einer unserer Schilderungen eine bestimmte Person zu erkennen, so liegt das wohl daran, dass wir Menschen, so verschieden wir sein mögen, oft überraschend ähnliche Probleme und Ressourcen haben.
Transkript anzeigen
00:00:08: Roland: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Liebesdoppel.
00:00:11: Sabine: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.
00:00:13: Roland: Hier sind die Bösels und mein Name ist Roland Bösel.
00:00:17: Sabine: Und mein Name ist Sabine Bösel.
00:00:19: Roland: In der heutigen Folge sprechen wir darüber, wie wir Verletzungen ausgleichen können.
00:00:29: Sabine: Ausgleichen, ausgleichen. Ich weiß noch, ich bin in der Therapiestunde damals gesessen. Wir waren selber in Paartherapie, bei einem Paar. Und es war eine Situation, wo ich mich sehr verletzt gefühlt habe vom Roland, von dir Roland. Und zwar, das war die Geschichte mit dieser Stereoanlage. Und ja, ja, ja, ja. Und es ist wirklich schon länger her. Aber ich erzähle es nicht deswegen, weil ich diese Stereoanlagengeschichte erzähle, sondern dieses Thema mit Ausgleichen. Und zwar, es war so, dass du, du hast eine Stereoanlage bestellt und es war für uns damals mega viel Geld, was du da ausgegeben hast und bestellt hast und hast mir nichts davon gesagt. Wow. Und ich war so sauer und so verletzt. Ich habe das Gefühl gehabt, der fährt über mich drüber. Ich habe hier nichts zu sagen, obwohl ich hätte wahrscheinlich dir eh die Wahl überlassen. Aber ich habe mir nur gedacht, oh, das ist ein Batzen Geld und da gehöre ich dazu. Wir sind so ein Team.
00:01:27: Roland: Ich erinnere mich gut. Ich habe damals noch so eine kleine Lebensversicherung von meinen Eltern, die ist ausgezahlt worden. Und ich habe mir gedacht, ja, ist eh mein Geld. Ich kaufe mir eine Stereoanlage. Endlich eine gescheite Stereoanlage.
00:01:42: Sabine: Und ich habe sie dir gegönnt und ich, es war, das war nicht das Thema, sondern dass ich nicht einbezogen war. Das Thema war, ich wurde nicht einbezogen in das Ganze. Immerhin ist die dann in unserem Wohnzimmer gestanden. Und ich hätte einfach gerne ein Wörtchen mitgeredet, dass du es mit mir teilst. Also ich bin da hingekommen, ziemlich zornig. Und dann hat die Therapeutin gesagt, ja, was ist los? Und ich habe dann ein bisschen herumgestottert. Und dann habe ich gesagt, naja, was da wirklich der Schmerz ist. Und da habe ich dann auch geweint. Der Schmerz ist, dass ich nicht einbezogen wurde. Also ich fühle mich da außen vor gelassen.
00:02:15: Roland: Und ich muss gestehen, ich war damals sehr unempathisch. Ich habe mir gedacht, das gibt es ja nicht. Ich habe da eine kleine Lebensversicherung. Endlich, ich warte seit meiner frühesten Kindheit, stimmt nicht, Jugend, darauf, dass ich mir endlich diese Stereoanlage kaufen kann, wo ich auch einen super Plattenspieler dabei habe.
00:02:34: Sabine: Vorher hattest du auch einen Plattenspieler, gell?
00:02:36: Roland: Ich habe das gut gehabt. Du gegönnt mir das überhaupt nicht.
00:02:37: Sabine: Ja, ja. Und du hast ja auch immer sehr viel, du warst ja für die Musik auch zuständig. Und das habe ich ja auch sehr bewundert an dir. Also es ging ja gar nicht um die Auswahl, sondern es ging nur darum, dass so viel Geld ausgegeben wird, ohne dass ich was davon weiß.
00:02:49: Roland: Die Therapeuten, ich kann mich damals erinnern, haben mir geholfen, auch zu sehen, deine 90 Prozent, also nicht nur was zwischen uns ist, sondern ich, wie oft du im Leben auch nicht einbezogen wurdest, sondern über dich hinweg entschieden wurde. Und das hat dann meine Empathie, ich habe gemerkt, ich kann das dann nachvollziehen.
00:03:10: Sabine: Das war natürlich schon einmal die halbe Miete, muss man auch sagen.
00:03:13: Roland: Und ich kann mich erinnern, dann von den Zweien, sie hat dann gesagt, kennst du das Thema mit dem Ausgleich?
00:03:21: Sabine: Ja, da habe ich großes Fragezeichen gehabt.
00:03:22: Roland: Wir haben es ja angeschaut wie ein Autobus, nicht?
00:03:26: Sabine: Weil ich kenne in meiner Familie, so wie ich aufgewachsen bin, war, wenn du einen Fehler gemacht hast, dann bist du schuld. Und diese Schuld trägst du dann immer mit dir herum. Das heißt, in meiner Welt war es so, du hast dich jetzt schuldig gemacht und wenn du nur sagst, es tut mir leid oder ich entschuldige bitte, entschuldige, entschuldige, das bringt nichts, weil du bist ja schuld. Und umgekehrt genauso gilt das ja für mich. Ich habe ja für mich auch diese Welt gehabt, diese Sichtweise, naja, wenn ich was falsch gemacht habe, wenn ich jemandem wehgetan habe, dann bin ich schuld, und zwar für immer und ewig. Und dann sagt das Ausgleichen, dann schaue ich groß, sagt sie, naja, weißt du, es tut dir weh und was brauchst du denn für diese Wunde, dass die auch heilen kann?
00:04:06: Roland: Was ist eine Wiedergutmachung? Ich glaube, du hast dir dann einen Tanzkurs gewünscht, wo ich zu der Zeit keinen Bock drauf hatte.
00:04:15: Sabine: Das Tanzen ist natürlich so etwas, genau das Gegenteil. Wir sind gemeinsam und das tut uns ja auch gut, wenn wir tanzen, sind wir sehr, sehr verbunden miteinander und du hast aber dann gesagt, nein, das ist so blöd, das ist so weit weg und da müssen wir hinfahren und hast nicht, da hast du nicht viel Bock drauf gehabt.
00:04:32: Roland: Ja, aber ich habe dann mit der Hilfe auch, dass ich deine 90% Miteinbeziehung habe, vielleicht auch eine Idee, wenn du jetzt gerade zuhörst, dir die Folge anhören, wenn wir zu 90% irren, dann habe ich plötzlich so gespürt deine Not und dann ist es mir eigentlich total leicht gefallen zu sagen, okay, wir gehen in diesen Tanzkurs.
00:04:58: Sabine: Und ich glaube, ich möchte mich erinnern, dass du es ja dann auch angeboten hast. Ich glaube, du warst ja da sehr kreativ dann, nachdem du verstanden hast, was das Prinzip ist, dass man was Gutes, nicht, dass man eine Strafe bekommt. In meiner Welt wäre es gewesen, du musst jetzt büßen dafür, aber nicht, dass du eine Strafe bekommst, sondern ausgereicht, dass mir was Gutes getan wird. Hallo, hallo. Das hat mich dann sehr gefreut und das heißt, der Tanzkurs war sowieso dann schön, aber die Überwindung war einfach, sich anzumelden und zu sagen, diese Zeit schaufeln wir uns frei, beide. Schaufelst du dir frei? Also es war sozusagen, ich habe etwas Gutes, ein Goodie bekommen. Ich meine, die Geschichte mit der Stereoanlage, das war dann auch gleich vergessen. Ich habe mich gefreut, dass ich jetzt was Gutes kriege, ein Schmankerl.
00:05:42: Roland: Ja, was wir euch damit vermitteln wollen, ist, also wenn du zum Beispiel über die Straße gehst und du steigst jemand auf die Füße, dann ist es gut zu sagen, tut mir leid, ich entschuldige. Davon halten wir weniger, weil ich kann es ja nicht entschuldigen. Das kann ja nur jeweils die andere, der andere. Aber ein tut mir leid, ein wirkliches aus dem Herzen kommendes tut mir leid, ist da schon sehr hilfreich. In der Paarbeziehung ist schon einmal das Entschuldigen, Entschuldigen, Entschuldigen nicht wirklich hilfreich. Sehr wohl schon einmal, es tut mir leid und manchmal braucht es eben ein bisschen mehr als ein tut mir leid. In manchen Themen, bei manchen Situationen reicht es, glaube ich, für viele, Sabine, das würdest du glaube ich auch so sehen.
00:06:33: Sabine: Also mir reicht es oft wirklich, dieses tut mir leid.
00:06:36: Roland: Und es kommt eben darauf an, um was es geht. Und jetzt ist ganz was Wichtiges für euch, ein Ausgleich darf niemals eine Rache sein. Also das heißt, ich liebe ja den Spruch von Albert Einstein, der sinngemäß so heißt, Probleme können nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der sie geschaffen wurden. Das ist wirklich ein ganz tolles Statement. Das heißt, ich brauche eine andere Ebene.
00:07:03: Sabine: Das heißt, ich hätte mir jetzt nicht eine, nicht, dass ich mir dann auch eine Sterneanlage kaufe oder so irgendwas. Oder genauso viel Geld für etwas aufgebe oder sowas. Das war überhaupt nicht das Thema.
00:07:13: Roland: Also wenn es dann in die Bestrafungsebene geht. Und das spürt man aber in einer Paarbeziehung sehr schnell. Und wir, und falls du zum ersten Mal zuhörst, wir begleiten ja seit 35 Jahren Paare. Wir spüren das schon oft, wenn dann das Paar von uns sitzt und dann so ein Ausgleich verlangt wird oder gebeten wird. Und der aber einer Strafe gleich kommt, wo man spürt, ich kann mich erinnern, wo mein Mann gesagt hat, ich will, dass du deine Kinder aus der ersten Ehe nie mehr siehst. Das geht nicht. Da muss jemand auf etwas verzichten. Das hat nichts mit Ausgleich zu tun. Also, naja, so wie der Verzicht kann schon mal auch sein. Ja, stimmt, aber das nicht. Aber nicht, wenn es um die Grundthemen der Beziehung geht. Das ist dann oft ein Zeichen, wenn dann so hinauflizitiert wird, dass der Ausgleich so groß ist, dann ist wahrscheinlich die Verletzung so groß, dass es einen anderen Weg braucht. Vielleicht einen Weg, den wir auch in einem der Podcasts vorhin schon gesprochen haben, nämlich das Thema Vergebung. Mit dem Titel, ich habe mich eh schon entschuldigt, wo es darum geht, mehr in die Tiefe zu schauen. Das heißt, man kann nicht auch, ich liebe das ja so, Sabine, diesen Begriff, den Soul-Lag. Es gibt ja nicht nur einen Jet-Lag, sondern auch so ein Loch in der Seele oder ein Gap, wo ich dann Zeit brauche, um das zu verdauen. Um etwas zu verdauen. Dann hilft mir vielleicht, das tut mir leid, vielleicht auch der Ausgleich oder brauche ich einfach auch ein bisschen Zeit. Aber wenn du da zuhörst, überprüfe dich in der Beziehung, in der du lebst. Und das kannst du genauso, wenn du gerade in keiner Beziehung lebst, erstens auf die letzte wichtige Beziehung zurückschauen. Oder auch vielleicht mit deinem Bruder, Schwester, guter Freundin, guter Freund, wo es so eine Irritation gab, wo es vielleicht mit einem Ausgleich nicht nur, in dem Fall bei der Geschichte von der Sabine, die Sabine was kriegt, nämlich den Tanzkurs, sondern dass ich in Bewegung komme, die Sabine kommt in Bewegung und wir profitieren dann beide.
00:09:37: Sabine: Jetzt erinnere ich mich an ein Seminar, wo eine Mutter mit Tochter da war, so ein Generationen-Workshop.
00:09:44: Roland: Wenn du das weißt, das sage ich vielleicht, Generations-Workshop ist etwas, was wir entwickelt haben, wo man als erwachsene Tochter oder Sohn, das heißt 20 Jahre ist das Mindestalter, mit einer Mutter oder Vater teilnimmt. Nach oben hinauf gibt es natürlich keine Beschränkung, ich sage immer, die Menschen müssen bei uns bei der Tür reinkommen und in den Seminarraum kommen können. Also auch bei den Eltern gibt es natürlich keine Altersbeschränkung.
00:10:12: Sabine: Genau, und da leiten wir das auch an, dass dann auch Gespräche gibt, die auch genau strukturiert sind. Und da hat eben eine Tochter gesagt, die war dann schon so um die 30, wie sie bei uns beim Seminar war, und sie hat gesagt, es gibt immer noch so einen Schmerz, so eine Wunde, wo sie 15 war, die Mutter war mit ihr alleine, also die Mutter war getrennt oder die Eltern waren getrennt, und die Mutter hat mit ihr alleine gelebt und hat gesagt, weißt du was, im Sommer gönnen wir uns was, wir fahren nach Mallorca gemeinsam. Die Tochter hat sich total gefreut, cool, super. Und der neue Partner von der Mutter hat dann dagegen opponiert und sie ist dann mit dem weggefahren. Also das war dann irgendwie gestrichen, nachdem diese Verliebtheit so stark war, sie war dann mit einem Mann zusammen, die Tochter hat ihr das schon gegönnt, nur sie ist leer ausgegangen. Und das hat sie erzählt, die Mutter wusste das gar nicht mehr, das ist schon lange her, die Tochter war halt 15 und hat sich halt auch gedacht, das ist cool dort und super, tolle Location und so weiter. Mich hat es dann fasziniert, weil am Schluss, gegen Ende des Seminars geht es dann darum, dass die Tochter, die erwachsene Tochter wohlgemerkt, sich was wünschen darf oder was bitten darf, bitten, eine Bitte stellt.
00:11:28: Roland: Wünschen ist was Globales, bitten ist was Spezifisches.
00:11:31: Sabine: Genau, es war nicht ein globaler Wunsch, sondern es war wirklich eine Bitte, das nachzuholen oder, wie ich würde jetzt sagen, einen Ausgleich dafür zu finden, obwohl das ja schon ewig lang her war. Und dann haben sie doch wirklich beschlossen, sie fahren da, ich glaube es war dann nicht Mallorca, sondern Andalusien, aber jedenfalls, es war eine Location, die der Tochter auch Freude gemacht hat und das Nachholen.
00:11:53: Roland: Das war dann nicht eine Woche, sondern vier Tage, jetzt erinnere ich mich wieder, aber es war gut und es war dann für beide gut, weil die Mutter hatte damit auch die Möglichkeit zu sagen, ja damals habe ich auch unsere Beziehung von Mutter und Tochter auch nicht geschützt, habe mich da nicht auf die Hinterbeine gestellt, jetzt kann ich was tun.
00:12:15: Sabine: Da war so wie ein Cut dazwischen und die Tochter hat diesen Cut, diesen Schnitt immer noch gespürt. Du hast das richtig gemerkt, weil wie sie es erzählt hat, hat sie auch weinen müssen, sehr geweint darüber, dass dieser Schnitt war und plötzlich war das nicht mehr so wie vorher und da hatten sie dann exklusive Zeit eben, die zwei erwachsenen Frauen haben es sich gut gehen lassen und die Mutter ist ja aus allen Wolken gefallen, weil sie das eben, wie gesagt, nicht mehr am Schirm hatte und sich auch nicht gedacht hat, dass das jetzt so wichtig ist für ein 15-jähriges Jahr. Ist halt cool, aber der Tochter hat das wirklich sehr viel bedeutet, dieses Versprechen, hat sich so gefreut darauf.
00:12:52: Roland: Erinnerst du dich noch jetzt etwas abgewandelt, die Geschichte für euch auch die zu hören, wir ändern die Geschichten immer ein bisschen und entweder wir haben sowieso die Erlaubnis, darüber zu erzählen oder wir ändern die Geschichten so, dass man sich nicht mehr wiedererkennen kann. Ich erinnere mich gerade an ein Paar, wo der Mann auf den Hochzeitstag vergessen hat und es war ein Paar, wo sie ihm schon beim dritten oder vierten Date gesagt hat, ich sage dir gleich, für mich sind Rituale ganz wichtig, Geburtstag feiern, Weihnachten feiern.
00:13:28: Sabine: Jetzt weiß ich schon, die hat auch aus dem FF alle Daten gewusst, wenn man sie was gefragt hat, er hat den Geburtstag sowieso, aber auch eben Jahrestage und so und er wusste das nicht bei den Jahrestagen zum Beispiel.
00:13:41: Roland: Er hat auch die Geburtstage seiner Eltern gewusst, er wusste es nicht. Also mit einem Wort oder kurz beschrieben, dieser Mann macht sich aus solchen Datums nicht. Wie Zufall, ihr erinnert euch, wir haben auch schon in dem Podcast geredet über Gegensätze.
00:13:58: Sabine: Du meinst, es ist ein Zufall? Nein, es ist kein Zufall. Er trifft eine Frau, der das genau wichtig ist, diese Rituale und diese Daten, die weiß das. Ich glaube, sie hat es im Kopf, man könnte es sich auch aufschreiben, aber sie weiß es genau und er vergisst das, er verwurschtelt das.
00:14:13: Roland: Und wir haben dann wirklich mit dem Paar gearbeitet, weil die Verletzung war doch schon größer, aber sie hat gesagt, sie schämt sich auch so ein bisschen, weil sie da so picken bleibt an dem Thema. Und dann hat er ihr vorgeschlagen, weil er weiß, dass sie Blumen liebt, dass sie vier Wochen, eher zweimal pro Woche Blumen bringt. Und ich weiß noch, ich weiß nicht, ob du dich erinnern kannst, aber sie hat dann gesagt, du kommst mir jetzt nicht so leicht davon, du wirst ja nicht glauben, wenn du jetzt vier Wochen mir der Blumen schenkst, dass das erledigt ist. Nein, nein, nein, so geht es nicht. Das heißt, sie war noch so ein bisschen in diesen Rache-Gefühlen und in diesem Schmerz, sie konnte diesen Ausgleich nicht annehmen. Da haben wir dann sicher fünf, sechs Sitzungen mit denen gearbeitet, dass sie, weil was sie gebraucht hat, ist auch sein tut mir leid. Und vor allem, sie hat gesagt, ich muss in den Augen sehen können, dass er das wirklich bedauert und nicht einfach nur sagt, tut mir leid und damit der Schnee gegangen ist.
00:15:17: Sabine: Vor allem, wenn dann noch so Ausreden nachgeschoben werden, also eben nicht Entschuldigung, Entschuldigung, ich habe ja nur oder das war ja nur weil oder sowas. Die meisten Leute mögen das nicht, wenn man das dann sagt. Das war ja nur weil und das war ein Hoppala, ich habe nicht anders können, bla bla bla. Das will man dann nicht hören, weil den Schmerz hast du ja und du willst, dass der Andere Verantwortung auch übernimmt und sagt, ja, das habe ich gemacht, das ist schon mal wichtig. Und wie der Gutmachung, wie ist es dann weitergegangen?
00:15:45: Roland: Ja, sie hat nämlich die Blumen nicht genommen, sondern sie hat gesagt, sie hätte gerne, dass sie ein Fest machen, die waren ja schon länger beisammen.
00:15:54: Sabine: Ein Ritual.
00:15:55: Roland: Ein Ritual, dass sie ein Fest gemacht haben. Und was war, diese Frau war als kleines Mädchen ihre Geburtstage, sie ist in einer Familie aufgewachsen, wo mehrere Geschwister sind, wo sie immer wieder durch den Rost gefallen ist. Oh, Anführungszeichen, Zufall, Anführungszeichen.
00:16:13: Sabine: Das heißt, das ist genau in die Kerbe reingekommen, dass dieser Jahrestag eh nicht so wichtig ist und man vergisst den. Und Geburtstag vergessen, naja, kennen wir eh. Es gibt sehr viele Leute, die da Schmerzen haben, wenn der Geburtstag nicht gebührend gefeiert wird. Was ich noch sagen wollte, ist, dieses Wort Wiedergutmachung gibt es natürlich auch. Und Wiedergutmachung ist für mich eher sowas, wo ich wirklich etwas, was ich kaputt gemacht habe, wiedergutmache. Also ich habe die Vase zerbrochen und schaue dann, dass ich so eine ähnliche Vase bekomme. Ja, der schöne Krug ist zerbrochen und dann schaue ich, wo ich so etwas ähnliches herbekomme und den wiederbringe. Und nur zu sagen, tut mir leid, habe ich zerbrochen, ist ein bisschen wenig zu schauen. Oder zu fragen eben, wo hast du den Krug her, soll ich mal schauen, ob ich da noch etwas nachbestellen kann oder wie hättest du es gern?
00:17:12: Roland: Jetzt, wo wir darüber reden, wird mir bewusst, dass das schon ein enormer Reifeprozess ist oder man braucht schon einen gereiften Menschen, weil das ist viel leichter zu sagen, du hast mich verletzt, ich bin beleidigt oder der andere sagt, mach nicht so ein Theater, bitte, wegen einer Stereoanlage oder wegen einer Hochzeit, einmalig, habe ich schon so oft. Wenn man sozusagen den Empathiemuskel nicht aktiviert. Und deswegen, wenn ihr da zuhört, es ist, es hört sich so einfach an, aber es bedarf schon auch, wie wir das gern nennen, dass wir unsere Frontalstirnlappen wirklich volle Kanne einschalten und überlegen. Einerseits, wenn ich derjenige bin oder diejenige, der da verletzt wurde, um was geht es mir wirklich und was kann ich da unter Umständen, wenn mir das auch wirklich wichtig ist, für einen Ausgleich einfordern. Es gibt ja auch durchaus Paare, wo dann der sagt, überleg dir du einen Ausgleich, das hast du mal gesagt von mir. Und dann, und das ist das Tolle, wenn beide da Verantwortung übernehmen und ihr erinnert euch vielleicht, wir haben das schon öfters in dem Podcast gesagt, in dem Wort Verantwortung steckt ja auch drinnen eine Antwort zu finden. Und selbst wenn der sagt, ich habe doch das niemals bewusst gemacht, dass ich deinen Hochzeitstag vergessen habe. Er nimmt Verantwortung, um bei dem Beispiel zu bleiben. Ich habe vergessen, ich habe dir wehgetan. Ich habe gesagt, es tut mir leid. Und ja, wir machen dieses Fest. Und er hat uns ja dann erzählt, dass obwohl er ja den Ausgleich nicht nur angeboten, sondern dann auch umgesetzt hat, was wunderbar ist, was ihre Beziehung wieder neuen Input und seinen Schwung gebracht hat.
00:19:11: Sabine: Und sie haben Leute eingeladen, die auch Freunde ihrer Beziehung sind. Und damit haben sie sich auch Energie für die Beziehung geholt und die Freunde haben mit ihnen gemeinsam gefeiert. Das ist schon eine schöne Sache. Und ich erinnere mich noch an unseren Streit damals, da haben wir keinen Paar Therapeuten dabei gehabt, wo so ein größeres Familienzusammenkunft war, auch mit meinem Onkel und meinem Cousin. Und da hat der Cousin mir irgendwas erzählt von seiner Frau und irgendwie so haha, hihi. Und dann bin ich über dich hergegangen. Also habe ich was über dich gesagt und auch so spöttisch und nicht besonders nett. Ich habe mich da auch so ein bisschen reinziehen lassen. Also was heißt reinziehen lassen? Ich bin jetzt kein Opfer, aber ich habe da so schön mitgemischt.
00:20:04: Roland: Du hast dich sicher gefühlt. Es ist ja schon so, dass es mit mir nicht immer nur sicher ist. Du hast dich sicher gefühlt und hast dann etwas, was unter dem Teppich sonst gekehrt wurde von dir, herausgeholt. Und ich erinnere mich noch...
00:20:18: Sabine: Die Anstrengungen, du manchmal bist und warum und wieso. Und dann habe ich mich da sozusagen beklagt und du hast das dann mitgekriegt.
00:20:25: Roland: Und hast deiner Familie dann gesagt, ja, das so ist der Roland. Und dann mit...
00:20:29: Sabine: Patsch.
00:20:30: Roland: Ich weiß noch, du hast dann am nächsten Tag gesagt, dass dir das so leidtut, und es ist dir so wichtig, da jetzt einen Ausgleich anzubieten. Und ich weiß...
00:20:40: Sabine: Zuerst einmal bin ich in Schuld gefühlt.
00:20:42: Roland: Das dürfte ja grundsätzlich gern sein.
00:20:45: Sabine: Super. Und dann hast du gesagt, hör auf damit, jetzt dich so schuldig zu fühlen. Hör auf damit, weil das ist dann auch so eine Jammergeschichte.
00:20:53: Roland: Ja, Jammer nicht, aber du bist dann auch nicht erreichbar.
00:20:56: Sabine: Ja, mehr Culpa, mehr Culpa. Es war halt so, ich habe was gesagt, was mir nicht passt und habe es wie im Dritten erzählt, anstatt dir selber. Ist jetzt nicht so die feine englische Art. Und dann eben am nächsten Tag haben wir geredet drüber und dann bin ich vergangen. Ja, ich habe dir dann angeboten, naja, beim nächsten Familienfest, also ja, okay, ich übernehme Verantwortung. Beim nächsten Familienfest werde ich eine Rede halten und werde dann dich auch mit einbeziehen und Wertschätzung dir geben.
00:21:23: Roland: Ja, und ich habe dir damals gesagt, ich brauche das nicht.
00:21:26: Sabine: Wieso braucht er das nicht? Das ist doch wichtig.
00:21:28: Roland: Ja, ich habe damals überprüft, bin ich jetzt trotzig, aber wirklich gemerkt, ja, Ausgleich vielleicht, ja, aber...
00:21:37: Sabine: Eine Wiedergutmachung auf der gleichen Ebene, so wie der Einstein sagt, das wäre jetzt die gleiche Ebene gewesen, aber oft ist gar nicht die gleiche Ebene gefragt.
00:21:46: Roland: Wobei ich hätte mir das schon noch vorstellen können. Ich sage, ich habe sowieso bei deiner Familie manchmal eine schlechte Stelle gehabt, also eine schlechte Position, weil ich ja nicht das geliefert habe, was deine Mutter erwartet hat, was ich beruflich mache etc. Darum war ja die Idee naheliegend, da was Gutes über dich zu sagen. Es ging eher darum, dass du ja damals das Vertrauen, es wurde enttäuscht, weil du hast etwas, was uns beide betrifft, an dritte Personen erzählt und noch dazu in einem Kontext, wo ich gar nicht viel sagen konnte.
00:22:20: Sabine: Und jetzt an euch, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, in dem Fall war das jetzt die Wiedergutmachung oder diese Idee, die ja eine gute Idee war. Ich habe es übrigens dann schon einmal gemacht, aber auf eine andere Art, ein bisschen subtiler. Was wichtig ist, dass man nachfragt, ist das jetzt ein Ausgleich für dich? Wäre das ein guter Ausgleich? Dass man schon nachfragt, weil die Person, der das passiert ist, die kann dann sagen, das und das ist ein Ausgleich. Und manchmal ist es, braucht es gar nicht so viel.
00:22:49: Roland: Ja, und ein Ausgleich ist immer so ein bisschen der andere, der den Ausgleich dann anbietet oder bekommt. Du brauchst ein bisschen raus aus der Komfortzone. Wenn das jemand ist, ich sage jetzt ein Beispiel, der ständig in der Öffentlichkeit singt und dann sagt er, ich hätte gerne das Ausgleich, dass du was singst, dann ist es vielleicht eh mehr dasselbe. Es ist recht gut, dass der Ausgleich ein bisschen mit dem verknüpft ist, dass das auch was Neues ist, wo man aus der Komfortzone rausgeht. Und das macht man ja dann ihr oder ihm zuliebe.
00:23:26: Sabine: Genau, es ist ja so, wie es wie ein Liebesbeweis oder ein Goodie für den, dem wehgetan wurde. Naja, und da habe ich mir gedacht, ja, vielleicht habe ich eine andere Idee. Komfortzone ist es jetzt nicht. Aber dann habe ich mir gedacht, ich mache ein bisschen Stretching und habe dir dann angeboten, was du dir oft gewünscht hast oder gewünscht hast, dass ich initiativ bin und sage, wir haben jetzt vier Dates. Die nächsten vier, drei Tage haben wir ein Date und ich überlege mir was, weil ich bin ja eine, die dann oft fragt, was willst du machen und hast eine Idee. Und dann ich überlege mir was Nettes und wir gehen in ein schönes Lokal oder Kino, Theater. Ich überlege mir, ich mache mich schlau, was man machen könnte.
00:24:17: Roland: Du hast dich auch fesch gemacht.
00:24:18: Sabine: Und dann habe ich mich auch fesch gemacht. Zuerst schlau, dann fesch.
00:24:24: Roland: Weil du bist ja eh immer fesch.
00:24:26: Sabine: Ja, danke. Also ich habe mich schlau gemacht, was man machen könnte und was ausgewählt und eine Entscheidung getroffen, weil das ist nämlich auch sowas, was dir manchmal auf die Nerven geht, wenn ich sage, was willst du machen und entscheide du, weil das ist dann auch bequem. Also ich entscheide, dass wir gehen dorthin, mit dem Risiko auch zum Beispiel, dass der Film schlecht ist, was immer. Und dann habe ich, ich ziehe was Schönes an, was auch vielleicht nicht nur bequem ist. Nächstes aus der Komfortzone raus und wir haben einen Abend, der nur uns gehört als Paar.
00:24:59: Roland: Du warst ja erotisch und ich weiß noch, an dem Abend habe ich mir dann gedacht, na, das hat sich schon ausgezahlt mit deiner Familie. Aber es war so mit Augenzwinkern und es geht darum, dass das auf gleicher Augenhöhe passiert und nicht, dass dann irgendwer auf den anderen herabschaut oder ich mich unterwerfe oder eben, ja, wenn es mit Rache verbunden ist oder mit Strafe. Das bringt gar nichts.
00:25:27: Sabine: Das ist die beste Voraussetzung für die nächste Voraussetzung. Weil das kostet Zeit, das kostet womöglich Geld.
00:25:34: Roland: Das Geld war weniger das Ding.
00:25:36: Sabine: Aber mich auch zu entscheiden, was machen wir, dass die Verantwortung zu übernehmen ist, könnte ja auch dann nicht gut sein. Und dass ich mir dann was anderes anziehe, als ich es sonst anhabe, oben und unten, drunter und drüber. Und wisst ihr was? Ihr, die uns gerade zuhört, ich habe selber total profitiert davon. Es war für mich dann auch, ich dachte, oh super, vollkommen raus aus dem Alltag. Es war wie so ein Kontrastprogramm, fast wie ein kurzer Urlaub. Du gehst raus aus dem, ziehst dir was anderes an. Das macht nämlich schon was auch mit uns, wenn wir uns anders anziehen. Ich schaue mich in den Spiegel und denke mir, wow, fesch. Und dann ist ein Abend raus aus dem Alltag, auf eine andere Ebene switchen. Auf Augenhöhe waren wir auch. Und ja, es war einfach schön. Und plötzlich ist was Positives passiert aus dieser Geschichte heraus, wo eigentlich ich nicht nur Fettnäpfchen getreten bin, sondern auch unachtsam war dir gegenüber.
00:26:40: Roland: Was wir da immer wieder feststellen, ist, dass Paare, die das auch machen mit Ausgleich, dass Verletzungen relativ rasch umgewandelt werden können in Ressourcen. Und wir nennen das ja den Paarraum. Der Paarraum ist also auch der Raum zwischen uns beiden, was da dazwischen ist. Und da gibt es ja manchmal auch so Verschmutzungen. Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt, aber der Paarraum kann auch verschmutzt werden. Der wird dann sauber gemacht. Der wird dann sauber und kriegt sogar noch einen zusätzlichen Impuls. Und nur noch einmal, so in der Replik zu dem, was wir euch heute da erzählen, ist wichtig. Es gibt ganz große Verletzungen. Da kann ich nicht sagen, na gut, na ja, du bist gerade draufgekommen, ich habe da eine Affäre. Na, was hättest du denn gerne? Einen Ausgleich. Also die Seele, was wir heute auch besprochen haben, braucht auch oft Zeit. Da ist es allerdings wichtig, dass derjenige, der Ausgleich vielleicht kriegt, ob das nicht auch ein Teil des Beleidigtseins ist. Also ich kann dir da noch keinen Ausgleich geben. Oder auch ein Festhalten an dieser Verletzung, weil man vielleicht Angst vor Nähe hat.
00:27:56: Sabine: Das heißt, es muss auch abgesprochen sein, ob es wirklich ein Ausgleich ist, in dem positiven Sinne. Und für den, der den Ausgleich bekommt, der dieses Geschenk bekommt, dieses Goodie, ist es ganz was Feines. Ich bekomme was. Ich beschäftige mich ja viel lieber damit, was möchte ich geschenkt kriegen, als dass ich mich beschäftige, was tut mir jetzt gerade weh. Und für den anderen ist es natürlich großartig. Ich habe da was gemacht, ich habe was verbockt. Hey, ich kann das ausgleichen. Ich kann was Gutes machen. Und dann sind beide wieder frei und es ist was Gutes für die Beziehung passiert. Und das ist einfach wunderschön. Also ich hoffe, ihr merkt schon, wie ich begeistert bin davon. Ich hoffe, ihr könnt damit was anfangen mit dieser Idee.
00:28:36: Roland: Und das könnt ihr ja auch zum Beispiel anschauen mit deiner großen Schwester, großer Bruder, vielleicht Freundin, Freund. Ja, auf verschiedenen Ebenen, wo es vielleicht da oder dort einen Ausgleich braucht. Allerdings, wie gesagt, auf Augenhöhe. Und wir wünschen euch bei der Erforschung und auch Umsetzung Gutes Gelingen. Ihr wisst ja, wir sprechen nicht vom Erfolg, sondern Gelingen, weil das ja eine höhere Dimension hat als Erfolg.
00:29:04: Sabine: Nehmt euch das so mit als Idee. Etwas Positives, etwas, was in die Fülle geht, was in die Fülle und ins Leben, in die Lebendigkeit führt, in die Lebensfreude. Und probiert es einfach aus. Und wir wünschen Gutes Gelingen und macht es gemeinsam.
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