Wie der falsche Zeitpunkt die besten Ideen killt

Shownotes

Ob sich Konflikte aufbauschen oder die Dinge sich entspannt wie von selbst erledigen, hat auch und gerade mit passendem Timing zu tun. Mit dem, was gerade dran und was gerade tabu ist.

Erfahre in diesem Podcast, warum es sich auszahlt, Zeit ins Timing zu investieren – und entdecke eine überraschend einfache und wirkungsvolle Übung, die deinen Blick auf Zeitfragen verändern kann.


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Produktion: Umsetzerei Wien


Das Kleingedruckte ganz normal groß – Disclaimer, unsere Fallbeispiele betreffend:

In unserem Podcast geben wir im Sinne der Praxisnähe und Verständlichkeit immer wieder Fallbeispiele. Unser oberstes Anliegen ist es auch dabei stets, die therapeutische Schweigepflicht sowie die Privatsphäre aller Klient:innen zu jedem Zeitpunkt zu wahren.

Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir a) jeweils zur Erzählung des Erlebten autorisiert wurden und b) alle Details, die einen Rückschluss auf konkrete Personen, Namen, Orte etc. ermöglichen könnten, abändern.

Sollten Sie also den Eindruck haben, in einer unserer Schilderungen eine bestimmte Person zu erkennen, so liegt das wohl daran, dass wir Menschen, so verschieden wir sein mögen, oft überraschend ähnliche Probleme und Ressourcen haben.

Transkript anzeigen

00:00:07: Roland: Herzlich willkommen bei unserem Podcast Liebesdoppel.

00:00:11: Sabine: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.

00:00:13: Roland: Hier sind die Bösels. Mein Name ist Roland Bösel.

00:00:17: Sabine: Mein Name ist Sabine Bösel.

00:00:19: Roland: Und in dieser Folge sprechen wir über wie falsche Zeitpunkte die besten Ideen killen.

00:00:29: Sabine: Ja es geht um das richtige Timing und der falsche Zeitpunkt kann wirklich viele Ideen killen, die besten Ideen killen, auch Anliegen, die durchaus berechtigt sind, Bitten die man stellt, Ideen die man hat können noch so toll sein, aber wenn es zum falschen Zeitpunkt kommt, dann wird es gekillt und wenn ein Paar über lange Zeit kein gutes Timing hat, dann ist Streit vorprogrammiert und wenn dann mehrmals täglich gestritten wird, dann irgendwann ist die Beziehung gekillt. Also es kann wirklich ziemlich ins Auge gehen, wenn man nicht das richtige Timing findet als Paar. Und wir sind ja so unterschiedlich. Wir haben verschiedenes Tempo. Wir sind zum Beispiel der eine ist ein Morgenmensch, vielleicht der andere ist ein Abendmensch. Der eine braucht irgendwie ein Warming Up um ein Thema anzusprechen, der andere möchte das gleich sofort loswerden, sieht den anderen und schießt schon los. Also wir sind auch unterschiedlich und da ist es umso wichtiger sich auf ein Timing zu einigen oder diese Sachen, die sich wiederholen und die unangenehm sind für beide, dass man die ein bisschen in den Griff bekommt und sich da was was Gutes ausmacht.

00:01:37: Roland: Ich bin ja ein Mensch, der recht gut dranbleibt und auch arbeitet und dann nach so einem getanen Tag, Sabine und ich gehen zum Beispiel ins Theater und am Weg dorthin habe ich dann die glorreiche Idee ihr zu sagen, was wir gestern Abend gestört hat. Das heißt die Sabine hat erstens, wir sind vielleicht zwar nicht knapp dran, aber so, dass es gut ist, wenn wir Züge gehen. Das heißt man hat nicht wirklich die Aufmerksamkeit und dann geht man so quasi beim Theater hinein und dann ist man in mehrfacher Hinsicht in einem Theater. Ich erinnere mich noch gut, du warst in einem anderen Theater als ich, weil ich habe mich dann auf das Stück konzentriert. Ich bin es auch irgendwie los geworden meinem Fuß, aber du hast nichts sagen können dazu und warst, ich kann mich noch erinnern, nach diesem Theaterabend beim Nachhausgehen, du warst so zornig, weil er hat gesagt, das hat dich so gefreut und warum sagst du mir das in diesem Moment, ich kann nicht einmal was darauf sagen.

00:02:39: Sabine: Bei mir ist dieser Film abgelaufen, während auf der Bühne das Stück gespielt wurde, dass ich mich sehr gefreut habe, dass ich gehe sehr gerne ins Theater, währenddessen ist in mir der Film abgelaufen, wieso sagt er mir das und was sagt er mir und ich hatte also einen Frust, also doppelten Frust über das falsche Timing und auch über das, was der Roland mir gesagt hat und besser wäre gewesen, wir hätten da eine halbe Stunde Zeit gehabt dafür, das zu besprechen, dass ich meinen Teil auch sage, der Roland seinen und eben, was natürlich noch am allerbesten gewesen wäre, dass du mich fragst, ich habe da etwas, es gibt was von gestern noch einen Rest, ist jetzt ein guter Zeitpunkt und dann, wenn ich sowas höre, ist natürlich auch...

00:03:23: Roland: Ich glaube, du sagst dann, du möchtest das hören.

00:03:25: Sabine: Ja, ich will das dann schon hören, ich muss ein bisschen schlucken, aber ich muss mich ein bisschen auch vorbereiten, okay, bin ich jetzt bereit und dann höre ich dich auch.

00:03:33: Roland: Ich glaube, da gehört mehr Sensibilität in dem Fall von mir, weil ich konnte mir ausrechnen, also wenn ich dir sage, da ist was, willst du es hören, natürlich willst du es hören.

00:03:42: Sabine: Ja, ich hätte es auch nicht hören wollen vor dem Theater.

00:03:44: Roland: Ja, also daher brauche ich diese Frage gar nicht stellen.

00:03:47: Sabine: Ja, stimmt.

00:03:48: Roland: Also da denke ich mir, nein, da war ich einfach ziemlich unsensibel und wenn du dazu hörst, denkst du, ich meine, was wollen die Bösels da schon wieder und Beziehung muss doch ganz locker dahin im Flow sein. Ja, aber Beziehung ist, wie es hat letztens wie immer gesagt, kein Ponyhof, Beziehung ist, so wie das schon vor vielen, vielen Jahren der Erich Fromm gesagt hat, der sinngemäß gesagt hat, Liebe ist keine Beschreibung eines Zustands, sondern eine Form der Aktivität. Ist keine Beschreibung eines Zustands, sondern eine Form der Aktivität und Aktivität bedeutet auch, wie wir das nennen, unsere Stirnlappen einschalten und unserem Partner, Partner nicht als eine Filiale zu sehen. Also wenn du Podcasts von uns schon gehört hast, weißt du, dass wir eine Fleischselcherei gehabt haben, wir haben zehn Filialen gehabt, da war das Hauptgeschäft. Also wenn ich meine Partner und Partners Filiale bezeichne und sage, der muss das jetzt hören oder der muss jetzt dafür Zeit haben, ist das ja auch keine Beziehung auf Augenhöhe.

00:04:52: Sabine: Und zum Beispiel, wenn du mich fragst, ist jetzt ein richtiger Zeitpunkt, was jetzt in letzter Zeit ja öfter ist, wenn ich dann was koche und etwas aufwändigeres koche oder für mehrere Leute, manchmal ist es so, dass ich das durchaus schön finde, wenn du dich dann zu mir setzt, wenn ich zum Beispiel jetzt irgendwie Gemüse schnipsel, dann kann ich sehr wohl dir zuhören und kann auch zum Beispiel Entscheidungen, manchmal sagst du ja, ich habe am Kalendertausend das gesehen, sollen wir das jetzt so machen oder wann machen wir das? Also dass wir gemeinsam etwas besprechen, was mit Organisation zu tun hat, mit unserem Leben. Und zum Beispiel, wenn ich jetzt nur die Karotten gerade schneide, kann ich sehr wohl darüber nachdenken, ob wir das machen oder nicht. Es gibt aber andere Sachen, komplizierte, wo ich dann ein bisschen nachdenken muss, wie mache ich das jetzt und wie würze ich das? Und hoffentlich brennt das nicht an und dann denke ich mir, nein, ich habe jetzt überhaupt keinen Schädel. Und da ist es gut, auch eine Sensibilität.

00:05:46: Roland: Aber wenn du die Büssels kennst, ich spreche jetzt zu dir, Sabine, dann weißt du, dass die empfehlen, wenn es überhaupt wichtige Thema geht, dann tut man das im Augenkontakt, auch nicht vielleicht beim Autofahren, sondern dass man sich gegenüber setzt, zwei Stühle nimmt und sich in die Augen schaut und sagt, ich habe da was, ich bespreche mich.

00:06:05: Sabine: Bei Beziehungsthemen auf jeden Fall.

00:06:08: Roland: Ja, auch was mich beschäftigt, wenn es mir nicht gut geht oder wenn mich was gerade besonders beschäftigt.

00:06:14: Sabine: Ja, da will ich nicht beim Kochen gefragt werden. Aber wenn es darum geht, ob wir zu dieser Einladung hingehen oder wann gehen wir dahin, wenn es um solche Details geht, das kann ich sehr wohl auch. Da kann ich den Teil meines Hirnes frei machen, wo es um einfach Organisation geht, Organisationsthemen. Ah ja, genau, das ist es.

00:06:34: Roland: Also vielleicht, wenn du jetzt dazu hörst und gerade in einer Beziehung lebst, schau mal, wie das bei euch abläuft. Wie ist da das Timing? Bist du da eher so, na, jetzt habe ich das Thema. Wir haben im Freundeskreis eine Frau, die sagt, na, ich hebe das jetzt nicht auf, jetzt stört es mich und jetzt will ich es auch hinwerfen. Ich sage nur, dann darfst du dich nicht wundern, wenn er überhaupt nicht bereit ist und nicht offen dafür ist, wenn er ganz woanders ist. Also das heißt, man macht sich das Leben selber schwer, indem man das Timing sozusagen nicht wirklich beachtet.

00:07:09: Sabine: Jetzt erzähle ich noch etwas, wo ihr, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, sicher wissen, wer du bist, worauf ich hinaus will. Ich komme nach Hause, habe einen anstrengenden Nachmittag gehabt, mich sehr anstrengen müssen. Manches war auch zu schwer und ich habe das Gefühl, das ist jetzt gar nicht gut gelungen und da habe ich mich auch geärgert über jemanden oder so. Also es war viel, ich bin irgendwie voll. Ich komme nach Hause, es kommen meine zwei Kinder zu mir und die eine sagt, Mama, stell dir vor, jetzt habe ich das nicht fertig gemacht und ich habe das Heft nicht da und wo soll ich das jetzt, wie soll ich das machen? Und weint. Dann kommt der Bub und sagt, wer stellt dir vor, der Fridolin hat mich so geärgert in der Schule, schau, der hat mir da was kaputt gemacht. Das musst du unbedingt jetzt die Mama von Fridolin anrufen. Ja und dann kommt mein Mann und sagt, du, übrigens das Reisebüro hat jetzt angerufen und die wollen, also die haben, stell dir vor, was die verlangen. Nein, das können wir uns nicht leisten. Nein, wir können dazu nicht hin. Ich glaube, ich brauche gar nicht weiterreden. Jede und jeder von euch kann sich vorstellen, nein, bitte nicht jetzt. Es ist wichtig, jedes einzelne Thema ist wichtig. Ich kann nicht und manche, ich habe es wirklich schon öfter gehört, manche rennen dann aufs Klo und sperren sich für 20 Minuten am Klo ein, weil sie sagen, ich muss einmal durchschnaufen. Ich brauche Zeit für mich und will gar nicht rauskommen. Ist klar, bei diesem Überfall ist es klar.

00:08:44: Roland: Wobei man muss dazu sagen, Sabine, Kinder sind Kinder und die haben auch das noch nicht gelernt und es ist gut, dass sie es noch nicht lernen mussten, dass da jetzt nicht, wie man Bedürfnisse am besten artikuliert, aber wir könnten schon wissen. Und wenn ich dir den Vorwurf mache, bevor wir ins Theater gehen, das ist schlechtes Timing.

00:09:03: Sabine: Und ich würde sagen, von den Kindern, die Kleinsten können am wenigsten warten, das ist für mich klar. Und je älter sie sind, desto mehr können sie auch warten. Und es ist aber wichtig, mich auch zu widmen, jeder Person.

00:09:13: Roland: Aber Sabine, es gibt Menschen, die uns da jetzt zuhören, die sagen, das Wort warten ist für mich ein Fremdwort, außerdem, ich will nicht warten. Ich will, dass das jetzt passiert und ich ärgere mich aber jetzt.

00:09:23: Sabine: Du sagst einmal zu mir, also Geduld ist jetzt nicht deine Stärke, gell?

00:09:28: Roland: Ja, das nennt man auch eine Projektion, weil meine auch nicht.

00:09:32: Sabine: Ja, aber wenn ich so daherkomme und das gleich will und ich sehe, du bist gerade bei das, ist ganz ein schlechtes Timing. Das heißt, es ist besser, ich gehe wieder bei der Tür raus und warte ein paar Minuten oder sage, ich habe dann was und sag mir, wenn du frei bist, wenn du es hören kannst.

00:09:49: Roland: Vielleicht kennst du das, wo du ein schlechtes Timing findest. Vielleicht kennst du es auch, weil deine Partnerin, dein Partner oder dein Bruder, Schwester, andere wichtige Personen, Freunde. Ja, ich rufe dich nur an und wollte nur sagen, das und das ist passiert. Ich habe jetzt nicht mehr Zeit zu reden, aber ich habe mir gedacht, damit du es einmal weißt, zack und hängt auf. Habe ich gehabt. Also wenn ich Beziehung pflegen möchte und wir sprechen immer wieder davon, dass der Paarraum, der Paar-Zwischenraum auch immer wieder gesäubert wird, dass wir in unserer Beziehung uns auch die Zeit nehmen und ein Commitment haben, uns für wichtige Dinge gemeinsam hinzusetzen, dann erleben wir das bei vielen Paaren, dass die viel mehr und erinnert euch an das Thema Sicherheit und Leidenschaft, die Folge Sicherheit und Leidenschaft. Wenn ich da Sicherheit schaffe, kann ich auch das Abenteuer erleben. Aber wenn ich diesen ungünstigen Zeitpunkt erwische oder zum Beispiel Sabine erwischt bei mir einen ungünstigen Zeitpunkt, dann kann das, wenn das über Jahre so geht, so ist unsere Erfahrung, auch zu einem Beziehungsende kommen.

00:10:59: Sabine: Ja, wenn du jetzt sagst Sicherheit, fällt mir das Thema, also die Überschrift ein, Übergänge.

00:11:04: Roland: Ja.

00:11:05: Sabine: Wirklich sehr oft sind es diese Übergänge, wo wir Sicherheit auch brauchen. Also ein Übergang, wenn ich jetzt zu dem vorigen Beispiel komme, das habe ich natürlich jetzt ein bisschen übertrieben, aber du brauchst einen Übergang von A nach B. Und wir sind natürlich unterschiedlich wie Menschen. Der eine braucht nur, dass er aufs Klo geht, sich die Hände wäscht, der zweite will unter die Dusche gehen nach einem Dienst und der dritte möchte ein Glas Wasser trinken oder sonst was. Und der Arbeitsweg ist natürlich für viele Menschen auch ein Übergang und manchmal, manche haben sehr angenehme Arbeitswege. Und dann ist du, wenn du zu Hause angekommen bist, ist die Arbeit schon weiter weg und du hast dich schon ein bisschen ausgelüftet. Manchmal ist der Arbeitsweg aber noch nicht gut geeignet.

00:11:47: Roland: Mir fallen jetzt gerade ein paar ein, die haben erzählt, wenn sie nach Hause kommt, sie haben beide berufliche Verpflichtungen, wenn sie nach Hause kommt, geht sie noch um die Ecke, ein Kaffee trinkt, einen Kaffee, setzt sich hin und macht so einen Between, einen Dazwischen. Da ist sie nicht mehr im Job, aber sie ist noch nicht zu Hause und sortiert sich sozusagen neu und stellt sich so ein bisschen, sie hat das so schön beschrieben, was wird heute Abend sein, was sind die Aufgaben, was sind die To-Dos.

00:12:16: Sabine: Und sie schreibt sich auch noch auf die Sachen, die noch offen sind, damit sie es nicht im Kopf hat. Sie schreibt sich dann auf, das und das möchte ich dann noch morgen, also wenn so ein Rest ist von dem Tag, schreibt sie sich das auf, auf dem Zettel ist es sicher und dann kann sie sich für das Nächste freimachen.

00:12:33: Roland: Aber ich höre fast, Sabine, ich höre so im Hintergrund die Stimmen, die sagen, aber das ist doch eine Beziehung, das ist ja alles nur konstruiert. Ja, ihr Lieben, wir verstehen so viel im Leben nicht. Wo wir uns auskennen, ist Beziehung. Und falsches Timing macht so viel kaputt und da geht es wirklich darum, die Stirnlappen in unserem Gehirn einzuschalten und zu sagen, wann ist der gute Zeitpunkt. Wenn ich zum Beispiel sage, du Sabine, ich fühle mich in der Beziehung gerade so einsam, dann wird das eben kurz vorm Theater nicht viel bewirken, im Gegenteil, dann bin ich wahrscheinlich noch einsamer. Sondern dann ist es meine Aufgabe zu sagen, Sabine, ich habe ein, zwei Punkte zu besprechen, wie schaut es heute Abend aus, wie ist es morgen.

00:13:20: Sabine: Da braucht es auch ein Ritual dafür. Mir fällt das Wort Ritual trotzdem auch ein, obwohl das vielleicht ein bisschen hochtrabelnd ist, aber es könnte auch ein Ritual sein, dass man sagt, eben, heute Abend und dann setzt man sich vielleicht auch ein bestimmtes Platz an, wo man auch gerne sitzt, wo man gut hört und sieht und dort kann man dann auch sich Punkte besprechen.

00:13:40: Roland: Ja, wir haben ja so ein Ritual, das nennen wir den Dialog, das kommt auch aus der Imagum-Methode, wo einer oder eine spricht und der andere hört und dann ist nämlich schon eines einmal weg, man muss sich nicht dauernd schon die Antwort überlegen, wenn ich ausschließlich höre. Das ist etwas, was wir empfehlen, auch im Alltag und es muss noch gar kein Beziehungskonflikt sein. Also ich sage der Mama zu Sabine, bitte Sabine, hast du eine Viertelstunde Zeit und dann sage ich, kannst du mich bitte 15 Minuten spiegeln, das heißt, bitte wiederhol das, was ich gesagt habe und dann erzähle ich ihr, was mir heute im Alltag widerfahren ist.

00:14:21: Sabine: Genau, was dich beschäftigt auch und das schafft ja auch Verbindung, das schafft Sicherheit, das schafft Verbindung und es ist ja auch mein Wunsch zu wissen, ich wünsche mir sehr zu wissen, was dich gerade beschäftigt, nur eben nicht, wenn ich währenddessen etwas Kompliziertes koche, was ich noch nie gekocht habe, dann kann ich dir nicht zuhören.

00:14:38: Roland: Ja, aber ich erinnere mich gerade, vor ein paar Wochen hast du auch gesagt, Roland, ich habe da etwas, was mir da so über die Leber gelaufen ist, ich möchte gern dir etwas erzählen und wir haben dann ausgemacht, circa halbe Stunde und ich habe gemerkt, das geht sich heute nicht mehr alles aus, ich sollte auch noch so viel für das Büro machen. Und ich habe dann mir fast zugeschaut, wie ich es dann immer mehr verunmöglicht habe, da muss das heute sein und können wir das nicht morgen machen und so, anstatt dass ich einfach sage, Beziehung ist mir wichtig, du bist mir wichtig und wir beide sind uns wichtig, mache ich da so ein Theater, aber das passiert mir immer wieder, passiert heißt eben auch, ich habe die Stirnlappen nicht eingeschaltet.

00:15:26: Sabine: Naja, ich finde aber auch dann fair, von meiner Seite, wenn sowas ist, wenn du sagst, du hast den Druck, du hast da noch so viele Punkte, dass ich auch als Erwachsene sagen kann, na gut, ich kann es jetzt aufs Regal stellen, sag mir einen Zeitpunkt, wo es geht, sag mir bitte einen Zeitpunkt, wo du mich hörst, ich will ja dann die volle Aufmerksamkeit, da ist mir lieber, ich warte und warte vielleicht auf den nächsten Tag, als dass ich jetzt geschwind, geschwind, sind wir wieder beim schlechten Timing, wenn ich das Gefühl habe, du bist unter Druck und hast den Kopf schon bei deinen To-Dos.

00:16:00: Roland: Aber weißt du, wo es noch ist, Sabine, ich bin ja da, ich habe sehr ein komisches Ohrwascheln, wenn du mir eine Wertschätzung gibst, also ich oute mich, dass ich das manchmal nicht hören kann, will, und wenn das die Sabine so nebenbei mir sagt, dann ist die gute Chance, dass das so unterfällt, deswegen sagt die Sabine oft, schaust du mich bitte an, ich will dir jetzt sagen, ich schätze sehr, dass du gestern oder ich schätze, dass du heute, also das heißt, auch die Wertschätzung, Anerkennung gehört gut platziert.

00:16:37: Sabine: Genau, das war nämlich letztens so, wo ich das Gefühl hatte, du weißt gar nicht, warum ich das so erwähne, du hast es gar nicht verstanden, dann bin ich aber ziemlich vehement geworden, ich sage es jetzt noch einmal, bitte hör das jetzt und hast du verstanden, was ich meine damit, weil ich das Gefühl hatte, es ist nicht angekommen und es war vielleicht auch ein bisschen nebenbei, wir waren gerade unterwegs und da habe ich das Gefühl gehabt, ich habe nicht die hundertprozentige Aufmerksamkeit. Ich wollte noch zum Thema Übergänge was sagen, dass wir ja alle zum Beispiel, wenn wir schlafen gehen, haben wir einen Übergang vom Wachen zum Schlafen und haben dann bestimmte Rituale, die wir haben und genauso wäre es gut, als Paar zu sagen, es gibt Rituale, dass nach Hause kommen ist zum Beispiel so ein Übergang, beide kommen nach Haus, einer kommt nach Haus, wie hätte ich das jetzt gerne oder auch in der Früh, wenn man weg geht, wenn man aus dem Haus geht. Zum Beispiel, wir hatten jahrelang in der Früh, haben wir ausgemacht, einer von uns beiden zieht sich an und macht sich fertig, bringt das Kind in die Schule, der andere macht Frühstück und macht die Pausenquote.

00:17:40: Roland: Das war ein langer Weg, bis wir uns das ausgemacht haben, deswegen laden wir euch jetzt ein, wenn du in einer Paarbeziehung lebst, schau mal zu, wir empfehlen an der Stelle gerne den Theaterblick, das heißt, du setzt dich ins Theater, in die erste Reihe, da spielst du das Stück deiner Beziehung, also du siehst auf der Bühne dich und deine Partnerin, deinen Partner und wo gibt es da Übergänge und Vorsicht, Vorsicht, Falle, Falle. Ich kann das Timing jetzt auch übertreiben, indem ich sage, ich muss das jetzt in allen Bereichen klären. Schreibt ihr euch einmal beide auf, wo gibt es denn in unserem Alltag, in unserem Leben Übergänge und welche Rituale haben wir dafür, welche Unterstützung holen wir uns auch dafür und dann ein gutes Timing finden für den Austausch darüber.

00:18:34: Sabine: Das lohnt sich auch wirklich, wenn das gut läuft, zum Beispiel in der Früh, da haben wir länger gebraucht, das kann schon länger sein, dass wir gebraucht haben, um das auch auszumachen, weil für uns war es für beide gut, dass es abwechselnd war, dass nicht einer immer die Pausenquote macht und immer das Frühstück macht und der andere immer außer Haus geht, da haben wir dann festgestellt, eigentlich ist es fein, wenn wir es abwechselnd machen.

00:18:55: Roland: Aber das war nur möglich, Sabine, dass wir uns gegenseitig das gesagt haben und das ist auch nicht von heute auf morgen passiert, das hat eine gewisse Abstimmungszeit gebraucht.

00:19:06: Sabine: Auch die Uhrzeit, wann stehe ich auf, ich bin jetzt kein Morgenmensch, ich habe dann wirklich geschaut und gedacht, nein, ich muss um den und den Zeitpunkt aufstehen, damit es gut geht und damit es ruhig abläuft und es ist dann letzten Endes gut abgelaufen und die Kinder haben dann auch in Ruhe ihre Sachen gemacht. Und wenn ein Viertelstunde Unterschied ist, dann ist eigentlich Stress vorprogrammiert.

00:19:26: Roland: Vielleicht erinnerst du dich noch, wir haben ja auch über das Boykotteufel gesprochen, das ist sehr prädestiniert, den falschen Zeitpunkt zusammenzubringen oder zu sagen, nein, wir brauchen jetzt nicht über Rituale reden, wir brauchen über keine Übergänge reden und damit machst du dir das Beziehungsleben selber schwer.

00:19:44: Sabine: Das schaffen wir schon, das ist sich eh immer ausgegangen. Na gut, es ist mit Hängen und Würgen, macht ja nichts, aber es geht schon. Aber eigentlich wäre es doch schön, wenn der Morgen entspannt ist und alle sind zufrieden und jeder hat seine Sachen beieinander und zum Beispiel am Abend das Gewand herzurichten, wenn das Sinn macht. Wenn du ein Kind hast, das das in der Früh lang braucht, um sich zu entscheiden, okay, dann machen wir es am Abend.

00:20:07: Roland: Aber wir sind jetzt bei mehreren Beispielen von Kindern, vielleicht, Sabine, gehört auch jemand zu, der oder die alleine lebt und auch da gibt es ja Übergänge und du hast das Beispiel gebracht mit dem Abendritual, also auch sich selber. Früher war das ja das Händewaschen, das war so ein Übergangsritual. Also es gibt verschiedene Formen von Ritualen, Übergangsritualen und vielleicht mach dir da wirklich eine Liste, die du, wenn du alleine lebst, was du dir da anschauen willst oder wenn du in Paarbeziehungen lebst, wie und wann Übergänge stattfinden und was möchtest du da auch verändern. Weil wir haben ein Leben geschenkt bekommen, das Leben geschenkt bekommen. Wie wir damit umgehen, ist ja zumindest in unseren Breitengraden doch jeden Tag unsere Entscheidung. Meistens unsere Entscheidung, wenn nicht gerade irgendwas ganz Furchtbares passiert, aber dass wir entscheiden, wie wir mit unserer Zeit umgehen. Das heißt, auch da oder dort einen Puffer zu schaffen im Sinne von Selbstfürsorge, so wie du sagst, Sabine, 15 Minuten früher aufstehen oder deine Selbstfürsorge war, ich erinnere mich noch, du hast gesagt, du willst nicht zu schlafen gehen. Ich muss dazu sagen, dass ihr das wisst, ich gehe so schlafen, dass ich, ich drehe mich zur Seite und kann wirklich in 10 Sekunden bin ich weg. Das heißt, ich sage vielleicht noch gute Nacht oder schlaf gut oder ich liebe dich und die Sabine hat dann gesagt, es fehlt da was. Und wir machen jetzt jeden Abend, nicht jeden, aber meistens die Dankbarkeitsübungen. Ich bin mir dankbar, ich bin dir dankbar und ich bin dem größeren Ganzen dankbar. Und das haben wir vor gut 10 Jahren uns sozusagen geschaffen.

00:21:55: Sabine: Schön ist das wirklich, weil wir etwas Positives benennen beide.

00:22:00: Roland: Ja und vor allem wir schauen auch, was ist dir und mir gelungen und was hat uns auch das größere Ganze geschenkt, wo wir vielleicht, also ganz sicher gar nichts dazu getan haben, aber wenn wir sagen, ja, wir hatten heute dieses schöne Wetter beim Radfahren, dann ist das ja vom größeren Ganzen geschickt worden.

00:22:19: Sabine: Und spätestens an der Stelle, wenn ich sage, wie ich dem größeren Ganzen oder der Vorsehung, dem Universum dankbar bin, spätestens dann bin ich eigentlich gerührt darüber, was mir geschenkt wird und dann habe ich so ein wohliges Gefühl. Ich kann zwar nicht gleich schlafen, ich lese dann noch irgendwas, ein paar Zeilen, ich lese meistens irgendeinen Artikel noch, aber dann schlafe ich meistens sehr gut ein.

00:22:44: Roland: Und jetzt fragen wir noch was an Sabine. Bei wem muss ich gleich zu einer Paartherapie gehen? Ich kann ja sagen, mich beschäftigt da was Größeres. Können wir unsere guten Freunde, unsere Freunde, unsere Beziehung, die uns nicht gleich Tipps geben, fragen, ob sie sich Zeit nehmen, mit uns das zu besprechen? Weil es gibt ja, wenn wir über das Timing reden, auch sicher Themen, wo man sagt, ja, ich fühle mich da gerade nicht gesund, ich habe das Gefühl, mit mir stimmt irgendwas nicht. Und dann sagt vielleicht schneller mal jemand, ich zum Beispiel, okay, es wird nicht so schlimm sein. Und dann habe ich mir endlich den Anlauf genommen, zu sagen, wie es mir geht, vielleicht da oder dort auch jemanden mit einbeziehen und sagen, wir haben da, ich möchte gerne was besprechen, ich habe da ein Thema, habt ihr vielleicht selber ein Thema?

00:23:30: Sabine: Wenn es abgesprochen ist, ist gut. Aber erinnere dich, vielleicht erinnerst du dich noch, ich hoffe, du erinnerst dich eh nicht mehr. Was ich früher gemacht habe, ich harmonie-süchtige Person, oder sagen wir so, ich konfliktscheue Person, ich hatte so Panik vor Konflikten und habe dann manche Sachen, die mich geärgert haben, nicht gesagt. Ich habe mir gedacht, womöglich streiten wir dann, ich sage es lieber nicht. Und das ist aber dann eigentlich nicht kleiner geworden, sondern größer. Und dann kamen Freunde zu uns zu Besuch und plutsch war das dann Thema da. Dann habe ich mich sicher gefühlt, da werden wir eh nicht streiten vor denen. Und dann habe ich mich darüber beschwert. Und ich habe mir das ja nicht direkt vorgenommen, aber es ist mir sozusagen passiert, dass ich mich dann über etwas beschwert habe, was schon länger, was ich rumgeschluckt habe. Das war ein tolles Timing, weil nachher haben wir natürlich doppelt so viel gestritten, weil du hast dich geärgert über das Thema vielleicht. Oder vielleicht war das Thema gar nicht so schlimm, wie ich gedacht habe. Aber du hast dich geärgert darüber, dass ich es dir nicht gesagt habe, sondern dass ich es vor den Freunden mich beschwert habe. Also dann war der Streit ganz sicher vorprogrammiert, anstatt dass ich sage, es gibt da was und es fällt mir schwer, das zu sagen. Mittlerweile bin ich schon so gescheit, dass ich sage, es gibt da etwas und auch ein ganz gutes Timing habe inzwischen. Ja, vielleicht eines würde ich noch gerne unseren Hörerinnen und Hörern erteilen mit euch. Wir hatten eine Zeit, da waren wir sehr viel weg auf diversen Seminaren und Fortbildungen. Das war ganz wichtig für unsere Ausbildung. Und was ich sagen will, egal ob das jetzt Fortbildung ist, beruflicher Termin, ein Tagesseminar, wo du weg bist.

00:25:18: Roland: Ein Meeting.

00:25:20: Sabine: Und da haben wir dann regelmäßig gestritten, weil einer von uns beiden ist nach Hause gekommen, egal ob du oder ich, das war jetzt so interessant und das ist passiert und das. Und hat also mit Feuereifer erzählt, was da alles passiert ist, was habe ich jetzt dort gelernt.

00:25:35: Roland: Und der andere war noch nicht bereit.

00:25:36: Sabine: Und der andere war aber daheim und hat vielleicht mit den Kindern irgendwelche Geschichten gehabt, mit Windeln wechseln und ich wollte aus dem Haus gehen und dann ist das und das passiert. Und dann haben wir nach langem hin und her, haben wir uns dann geeinigt, der, der zu Hause war und die Stellung gehalten hat und sich gekümmert hat, hat jetzt nicht die großen Abenteuer erlebt.

00:26:05: Roland: Wenn die Windel überquillt, ist auch ein Abenteuer.

00:26:09: Sabine: Wollte ich gerade sagen. Stimmt, ist auch ein Abenteuer. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass zu Hause der anstrengendere Part ist, zu Hause zu sein. Und haben dann gesagt, der, der zu Hause war und alles unter Kontrolle hatte und alles gemacht hat, darf als erstes erzählen, was passiert ist und bekommt die volle Aufmerksamkeit.

00:26:29: Roland: Was wir damit sagen wollen ist, wenn so größere, und das reicht schon einen Tag, der eine in dem Land quasi unterwegs ist, in einem Berufsland und der andere vielleicht in einem Kinderland oder gerade eine Untersuchung gemacht hat, macht euch bitte aus, wenn ihr zusammenkommt, wer zuerst erzählt und dafür auch einen Zeitrahmen zu finden. Jetzt höre ich sie schon wieder alle rufen, Sabine, ah, das ist ja keine Beziehung mehr, das ist ja nicht spontan. Ja, es braucht auch Spontanität und wir werden darüber noch in einigen Podcastfolgen sprechen. Wenn es um wichtige Themen geht und was ich erlebt habe an einem Tag ist ein wichtiges Thema, dann ist es gut, sich das auszumachen, wer erzählt zuerst und dann kommt der andere dran zu erzählen, dass man sich einander wirklich zuhört. Ich hoffe, ihr konntet heute auch gut uns folgen, weil das Thema scheint so ein kleines Thema zu sein und in Wirklichkeit sehen wir jeden Tag bei den Paaren, wenn wir sie begleiten, dass das zu einem großen Thema werden kann, wenn wir uns nicht gehört fühlen und wenn wir auch mit unseren Anliegen nicht beim Partner, Partnerin ankommen, weil wir einfach dafür auch keinen Raum geschaffen haben.

00:27:44: Sabine: Ja, und zu sagen, wirklich auch ehrlich zu sagen, du, ich kann jetzt gerade nicht oder ich will jetzt auch gerade nicht und ich gebe dir aber jetzt eine Möglichkeit wann und ich will dann, wenn, dann will ich die volle Aufmerksamkeit dir geben und das ist so wichtig als Mensch, das ehrlich zu sagen zu meinem Gegenüber, den anderen vollzunehmen und zu sagen, jetzt geht es nicht, du bist ein erwachsener Mensch, du kannst es sicher auch verschieben und dann, wenn ich dann dabei bin, wenn ich dir zuhöre, dann bin ich auch voll bei dir und höre dir zu und habe wirklich ein offenes Ohr.

00:28:17: Roland: In diesem Sinn, ihr Lieben, bleibt dran und macht es gemeinsam.

00:28:23: Sabine: Und habt Spaß bei einem guten Timing, weil dann kann auch so vieles gelingen. Alles Liebe.

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