Wenn wir dank alter Muster Ehrenrunden in der Geisterbahn drehen

Shownotes

Gerade in Partnerschaften sind wir jedoch beinahe dafür zuständig, die roten Knöpfe des Partners, der Partnerin zu drücken und seine oder ihre alten Muster zu aktivieren. So kommt es, dass wir wieder mal Ehrenrunden drehen, obwohl wir „ja schon viel weiter waren“ und dass wir in Beziehungen so einige Zeit mit seelischen Geisterbahnfahrten verbringen.

Wie sich die Ehrenrunden mit der Zeit verkürzen und sogar für die eigene Entwicklung und gemeinsames Wachstum als Paar nutzen lassen, erfährst du in dieser Folge.


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Produktion: Umsetzerei Wien


Das Kleingedruckte ganz normal groß – Disclaimer

Die in diesem Podcast zur Verfügung gestellten Informationen richten sich an die Allgemeinheit und stellen keine auf die spezifische Lebenssituation eines/einer einzelnen Hörer:in zugeschnittene Diagnose, Beratung und/oder Verhaltensempfehlung dar. Sie ersetzen daher keine individuelle Diagnostik und keine individuelle psychotherapeutische Behandlung.

In unserem Podcast geben wir im Sinne der Praxisnähe und Verständlichkeit immer wieder Fallbeispiele. Unser oberstes Anliegen ist es auch dabei stets, die therapeutische Schweigepflicht sowie die Privatsphäre aller Klient:innen zu jedem Zeitpunkt zu wahren. Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir a) jeweils zur Erzählung des Erlebten autorisiert wurden und b) alle Details, die einen Rückschluss auf konkrete Personen, Namen, Orte etc. ermöglichen könnten, abändern.

Sollten Sie also den Eindruck haben, in einer unserer Schilderungen eine bestimmte Person zu erkennen, so liegt das wohl daran, dass wir Menschen, so verschieden wir sein mögen, oft überraschend ähnliche Probleme und Ressourcen haben.

Transkript anzeigen

00:00:08: Sabine: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Liebesdoppel.

00:00:10: Roland: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.

00:00:13: Sabine: Hier sind wieder mal die Bösels, mein Name ist Sabine Bösel.

00:00:16: Roland: Mein Name ist Roland Bösel.

00:00:19: Sabine: Und wir sprechen heute über das Thema, wenn wir dank alter Muster Ehrenrunden in der Geisterbahn drehen.

00:00:30: Roland: Ich bin irgendwie wieder mal sehr aufgeregt, weil das ein Lieblingsthema von mir ist, nämlich über die Ehrenrunden zu sprechen, die irgendwie zum Leben dazugehören, weil jedes Mal, wenn wir eine Ehrenrunde drehen, das heißt einen Konflikt haben, letztendlich, man schämt sich ja tief drinnen und denkt sich, jetzt haben wir wieder so gestritten und manches im Leben wiederholt sich immer wieder.

00:00:56: Sabine: Ja, also was wir meinen mit Ehrenrunden, liebe Hörerinnen, lieber Hörer, mit Ehrenrunden meinen wir nicht etwas Positives. Es könnte ja, also Ehrenrunde hat eigentlich einen positiven Aspekt, aber wir meinen schon das, wo man sich denkt, jetzt bin ich da wieder ein Muster, bin ich da wieder durchgegangen, das war die gleiche Schleife wie hundertmal schon. Und wir reden natürlich, nachdem wir sehr viel über Paare sprechen und mit Paaren zu tun haben und selber ein Paar sind, reden wir über Ehrenrunden als Paar. Man kann aber für sich allein auch ganz schön viel Ehrenrunden drehen.

00:01:29: Roland: Das kann man, da gibt es Menschen, die kenne ich, die drehen das ununterbrochen. Es gibt es aber auch im Beruf, unter Geschwistern gibt es das, es gibt es auch mit den Eltern, mit den Söhnen, Töchtern, also da gibt es viele Möglichkeiten. Also Ehrenrunden heißt, man dreht sich wieder in den Konflikt hinein, den man vielleicht schon kennt. Wie gesagt, manches im Leben wiederholt sich immer wieder und die Frage ist endlos oder entdecken wir, was dahintersteckt und wie sich diese Ehrenrunden verkürzen und auch nutzen lassen.

00:02:02: Sabine: Und ich frage oft, wenn Paare zu mir kommen, stelle ich gerne die Frage, gibt es ein Thema, wo ihr immer wieder die gleiche Schleife dreht und wenn ich das sage, wo ihr die gleiche Schleife dreht oder gibt es ein Hit-Thema zum Streiten, dann wissen, würde ich sagen, fast alle sofort, was ich meine.

00:02:20: Roland: Du kommst zu spät, du redest nichts, du redest zu viel. Wie schaut die Küche aus?

00:02:27: Sabine: Du hast ein schlechtes Timing.

00:02:32: Roland: Aber Sabine, wir sind letzte Woche eine Ehrenrunde gegangen, was uns eigentlich auch motiviert hat, diese Podcast-Folge aufzunehmen. Ich würde es einmal so zusammenfassen, wenn du, wo du jetzt diese Folge hörst, uns gesehen hättest. Wir sind nämlich gerade ins Burgtheater gegangen, waren am Weg ins Burgtheater, da stand noch der Roncalli-Zirkus. Wenn du uns dort gesehen hast, dann bin ich überzeugt, dann kommst du sicher nicht zu uns in eine Partie.

00:03:02: Sabine: Nein, sicher nicht.

00:03:02: Roland: Vor allem über dich, Sabine.

00:03:06: Sabine: Also ich glaube, ich habe eine Fratze von deinem Gesicht gehabt. Ich war so zornig.

00:03:12: Roland: Es war Gott sei Dank schon dunkel, Sabine, ich konnte es nicht ganz sehen.

00:03:15: Sabine: Du konntest es nicht genau sehen. Aber ich glaube, dass ich dann wirklich ganz schlimme Gesichter mache und wirklich ein aggressives Gesicht zum Fürchten habe, wo ich doch eigentlich so ein lieblicher Mensch bin.

00:03:27: Roland: Ja, aber jetzt muss ich es zu deiner Ehrenrettung sagen. Es ist ja auch was davor passiert und man kann das auch subsummieren. Sabine und ich haben in den letzten Wochen wirklich viel erlebt, viel Schönes, auch viel Herausforderndes. Wir sind auch Großeltern von vier Enkelkindern und engagieren uns dort auch dann gern und dann beruflich Veränderungen etc. Und dann gibt oft eins das andere und dann war eine Situation, wo wir mit unserer Schwiegertochter zusammenstanden und ich habe dann die Sabine relativ harsch angegangen, warum sie denn das jetzt sagt. Thema ist jetzt gar nicht so wichtig, um was es gegangen ist, aber ich habe vor unserer Schwiegertochter, vom Ton her war es so klar, Sabine, so geht das nicht.

00:04:16: Sabine: Weil du es schon sagst, da war viel los. Ich glaube, wenn wir eine sehr ruhige Zeit gehabt hätten, so wie es zum Beispiel im Sommer war, wo wir sehr viel Freizeit noch hatten, ich glaube, dann hätte ich nachher dir das ziemlich zeitnah gesagt und dann hätten wir das kurz diskutiert, warum dich das so gestört hat. Und dann hätten wir es, glaube ich, in aller Ruhe auch ausdiskutiert. Die Zeit hatten wir aber nicht.

00:04:38: Roland: Und die Sabine hat es runtergeschluckt.

00:04:39: Sabine: Ich habe es geschluckt und was aber interessant ist, wenn ich es schlucke, das ist wie bei so einer Kuh, die das dann wiederkäut, es kommt dann noch einmal rauf, wird noch einmal wiedergekäut, die Situation, und es wird dann mehr. Durch das Wiederkäuen, durch das Nachüberlegen, Nachdenken, wird es dann mehr. Und ich glaube, da war eine Zeit dazwischen, ja sicher, bis wir dann zum Rathaus, also ins Burgtheater gegangen sind, da war einige Zeit dazwischen, wo ich das schon mehrmals wiedergekäut habe. Es wird dann mehr und meine Wut wird dann größer.

00:05:10: Roland: Und diese Information, der Wut von der Sabine, die landet natürlich in ihrem Gesicht. Und ich sage dann, was ist mit dir? Und sie sagt, nichts. Und dieses nichts hat aber so eine tiefe Bedeutung, dass jedem klar ist, jeder und jedem klar ist, da ist was nicht okay. Und dann sage ich, Sabine, was ist mit dir? Vielleicht kannst du dich noch erinnern, vielleicht hast du schon gehört, die Folge über Schildkröte und Hagelsturm, die Sabine sagt dann nichts, weil sie eher eine Schildkröte ist, und sagt nichts.

00:05:45: Sabine: Ja, aber wie ich das dann sage, das nichts, das ist schon klar. Und dann werde ich aber zynisch, oder?

00:05:50: Roland: Bin ich da auch zynisch geworden? Du hast gesagt, typisch, du hast es dir nicht gemerkt, was du wieder gemacht hast.

00:05:56: Sabine: Ah ja, ich bin dann zynisch.

00:05:58: Roland: Und ich als ehrenwerter Hagelsturm, ich habe das schon längst wieder vergessen gehabt, ich habe einen Hagelsturm, der so impulsiv handelt wie ich, der sagt, und im selben Augenblick ist es eigentlich schon wieder vergessen, weil ich es ja auch losgeworden bin, weil ich es nach außen gelegt habe. Ja, aber die Sabine hat nichts gesagt, und dann habe ich gesagt, weil ich wusste, wer sie am Weg zum Burgtheater hat, habe ich eine typische psychotherapeutische Intervention gestartet, und gesagt, bitte Sabine, schalt jetzt deinen Stirnlappen ein, red mit mir.

00:06:32: Sabine: Gut, Stirnlappen für euch daheim, die ihr gerade zuhört, die das nicht wissen, das heißt, das ist das Frontalhirn, und das sind zwei Stirnlappen, wie heißt der lateinische Ausdruck, Schwind? Prefrontaler Cortex. Prefrontaler Cortex. Und das ist eigentlich das, was unser menschliches Gehirn am meisten ausmacht, dass wir von außen auf uns selber schauen können. Also ich kann von außen auch beobachten. Viele, alle nicht. Und wenn ich gut drauf bin, also wir können das alle, wenn wir gut drauf sind, können wir von außen auf uns schauen und sagen auch, Moment einmal, ich kann mein eigenes Verhalten auch steuern und mir überlegen, ist das sinnvoll, was ich da jetzt mache, was möchte ich denn erreichen? Also mit meinem Stirnlappen kann ich auch viel steuern und überlegen oder zum Beispiel auch zwei Realitäten online halten. Ich kann meine Realität, meine Wahrnehmung, meine Realität, so habe ich es empfunden, und dass der Roland das jetzt vergessen hat, ich weiß das schon lange, dass er ein Hagelsturm ist, der geschwind einmal was sagt und aber auch dann vergisst. Das heißt, er hat mir das auch gar nicht krumm genommen, in dem Moment hat er sich über mich geärgert, hat das auch gesagt und damit war es erledigt. Also wenn ich die Stirnlappen einschalte, weiß ich auch, natürlich hat er es vergessen, weil er hat es ja geschwind gesagt und das ist erledigt gewesen.

00:07:44: Roland: Aber wir hatten beide unsere Stirnlappen nicht eingeschaltet.

00:07:46: Sabine: Ich habe ihn nicht eingeschaltet. Und wenn er dann sagt, schalte jetzt den Stirnlappen ein, dann passiert das, was ein altes Muster ist von mir, ich werde ziemlich trotzig. Also ich gehe dann voll auf Widerstand und denke mir, was fällt ihm ein? In dem Moment hat er auch nicht seine Stirnlappen eingeschaltet, hat diese Bemerkung gemacht, mich hat vor allem der Tonfall geärgert, das habe ich, glaube ich, gar nicht dann gesagt. Ich konnte das gar nicht sagen, ich weiß nicht. Also mich hat die Bemerkung und der Tonfall geärgert und ich merke, ich bin jetzt noch außer Atem, wenn ich darüber rede. Und was wollte ich jetzt sagen? Ja, der Tonfall hat mich geärgert, die Bemerkung, und ich konnte in dem Moment, wo du gesagt hast, schalt den Stirnlappen ein, denke ich mir, nein, ich will jetzt meinen Ärger loswerden, ich will nicht den Stirnlappen einschalten, Schluss, Ende.

00:08:29: Roland: Ja, weil, und wie gesagt, der Anlass ist gar nicht so wichtig, aber in der Sache selbst hat dann die Sabine auch gesagt, ja, das hat schon auch einen Hintergrund, was ich gesagt habe, nur ich habe das relativ, wie man zu einem kleinen Kind sagt, so redet man nicht mit jemand anderem, habe ich der Sabine vermittelt, ja, du bist ja wie ein kleines Kind. Und das hat die Sabine natürlich sehr getroffen, warum auch, viele von euch wissen es, weil meine Schwiegermutter war, das darf ich sagen, die Sabine sagt immer ein Vorwurfsbolzen, das heißt, ich habe kein Republikum, in dem Fall vor allem von unserer Schwiegertochter, die Sabine zurechtgewiesen. Wie gesagt, Inhalt hat Sabine später auch gesagt, ja, das passt schon, nur das Wie war nicht okay.

00:09:15: Sabine: Genau.

00:09:16: Roland: Das hat nämlich genau den wundersten Punkt von der Sabine erwischt. Und ich habe dann in dem Moment überhaupt keinen Stirnlappen eingeschaltet, weil ich habe nur da was korrigieren wollen, aber die Stirnlappen für die Sabine, meine Empathie für die Sabine war in dem Moment nicht da. Und dann am Weg zum Rathaus ist das sozusagen, dieses in sich Gegehrte explodiert. Und ich habe immer wieder gemerkt, ich verliere meine Stirnlappen, aber dann habe ich sie doch wieder gefunden. Ich habe gedacht, jetzt nimm es nicht persönlich, Roland, komm, sie ist jetzt zornig. Aber dann weiß Sabine auch, welche Worte sie verwenden muss. Oder ich weiß nicht, ob du es dann weißt, aber du tust es, wo wieder meine roten Knöpfe gedrückt werden. Aber wir waren ziemlich wie Hund und Katz.

00:10:03: Sabine: Ja, und es war wirklich so eine, wie man sagt, wenn man es schön formuliert, ein bisschen blumig, dann war es eine Ehrenrunde, weil wir, ich weiß nicht, wie viele tausende Male wir diese Art von Streit hatten, wo ich dann, wenn sozusagen appelliert wird, jetzt komm, red, erwachsen, sei nicht trotzig, sei nicht wie ein kleines Kind, schalt den Stirnlappen ein, wie auch immer, wo dann die Gegenreaktion kommt, erst recht bin ich dann trotzig und stur und geht gar nicht. Ich glaube, wir haben das, einige Stunden später haben wir es dann erst auflösen können.

00:10:35: Roland: Und das Entscheidende ist, und das kennst du vielleicht von solchen Streits mit deiner Partnerin, Partner oder mit deiner Freundin, Freund, Bruder, Schwester, es fühlt sich dann nämlich in dem Moment so an, wie wenn das so immer war und so immer sein wird. Es hat so ein unendliches Kontinuum. Und das macht uns dann so auch ein Stück panisch, auch ein Stück ärgerlich, verzweifelt. Alle Gefühle kommen hoch und man kann kaum differenzieren, dass man sagt dann, na, eigentlich haben wir es die letzten Monate total schön gehabt und jetzt drehen wir halt eine Ehrenrunde. Das haben wir auch nicht parat gehabt.

00:11:12: Sabine: Und das ist jetzt die gute Nachricht an Euch, die uns gerade zuhören, warum wir auch diesen Podcast machen. Wir machen den Podcast nicht, um Euch zu sagen, dass wir einen Streit hatten, einen unangenehmen.

00:11:24: Roland: Ja, das dürfen Sie schon wissen.

00:11:25: Sabine: Nicht, weil wir das Euch, nur um Euch das zu erzählen.

00:11:28: Roland: Oh, ich finde es schon auch interessant.

00:11:30: Sabine: Naja, was wir damit sagen wollen, dass auch uns das passiert, obwohl wir schon so viel gemacht haben für unsere Beziehung.

00:11:39: Roland: Wir haben wirklich viel für die Beziehung gemacht.

00:11:40: Sabine: Und die gute Nachricht ist, die Runden werden immer kürzer. Und da sind wir jetzt bei der Turmdeckelschnecke. Die Runde wird kürzer, das heißt, die Turmdeckelschnecke wird nach oben hin schmaler und man ist auf einem höheren Level. Die Runde wird kürzer und es ist auf einem höheren Level, auf dem man sich dreht. Das heißt, dass es keine Ehrenrunden gibt, das ist die schlechte Nachricht. Es wird immer wieder Ehrenrunden geben.

00:12:05: Roland: Wir haben noch keinen Tag gesehen, wo es aufgehört hat.

00:12:08: Sabine: Vielleicht gibt es das irgendwo. Ich habe sie noch nicht kennengelernt.

00:12:12: Roland: Ja, wenn du jeden Tag zehn Stunden meditierst, vielleicht Sabine, vielleicht geht das. Aber dann müssen auch beide meditieren.

00:12:17: Sabine: Ja, vielleicht. Auf jeden Fall ist das nichts Schlimmes, weil eben die Runde wird kürzer. Die Erkenntnis ist dann schneller da und man kann auch wieder schneller aussteigen. Und dann auch irgendwann, also bei mir ist dann der Punkt, wenn ich dann über mich selber lachen kann. Also wenn ich sozusagen ein bisschen...

00:12:33: Roland: Ja, es hat ein bisschen gebraucht, ein bisschen lachen zu können.

00:12:35: Sabine: Ja, es hat ein bisschen gebraucht. Das war dann später am Abend. Aber ich schaue dann von oben und denke mir, Sabine, du bist jetzt wirklich schön trotzig. Eigentlich, jetzt ist es auch schon, jetzt lass es gut sein. Du hast ihm jetzt eh gezeigt, dass du trotzig sein kannst. Lass es jetzt gut sein.

00:12:49: Roland: Aber weißt du was, jetzt erinnere ich mich, es war ja dann...

00:12:52: Sabine: Ich habe dir die gute Nachricht schon genug angekommen.

00:12:54: Roland: Ja, wir haben ja noch die Möglichkeit, aber mir fällt jetzt gerade ein, es war dann am Abend gut. Im Theater haben wir uns auch die Hand gegeben. Das ist ja dann oft ganz gut, wenn man körperlich Kontakt aufnimmt, dann beruhigt sich ein bisschen das Stamm hier, der Hirnstamm, wie man richtig sagt.

00:13:12: Sabine: Das Nervensystem beruhigt sich dann auch. Ja, der Hirnstamm. Im Theater ging es ja dann um etwas anderes, dann habe ich dieses Stück verfolgt.

00:13:18: Roland: Da ging es ums Leben.

00:13:20: Sabine: Ja, dann ist man irgendwie auf einem anderen Level, beruhigt sich das ganze System.

00:13:24: Roland: Wir haben die Schachnovelle im Burgtheater gesehen.

00:13:26: Sabine: Adrenalin geht auch runter und dann ist die Chance größer, dass man sich wieder...

00:13:30: Roland: Das war ja musikalisch inszeniert und es war so berührend, dass ich dann gespürt habe, Hallo, um was geht es denn eigentlich im Leben? Und wir haben da einen Vergleich dazu, vielleicht gehst du ja manchmal in Vergnügungsparks, wo es auch so Gruselkabinetts gibt oder so Geisterbahnen. Und wir steigen immer wieder in eine Geisterbahn ein, ohne dass wir es merken. Und wir sagen immer, eigentlich sollte die Partnerin an der Kasse warten, bis die Partnerin der Partnerin wieder zurückkommt, bis er oder sie diese Geisterbahnrunde gedreht hat. Allerdings, allerdings, und das ist jetzt das vielleicht herausfordernde an dem Ganzen, wenn der andere in die Geisterbahn einsteckt und zum Beispiel sagt, ich bin zornig wegen dem oder ich habe so Angst wegen dem oder du wirst mich verlassen etc. ist das meistens ein Punkt, der den anderen triggert. Ein roter Knopf. Und wenn dieser roter Knopf gedrückt ist, denkt man sich dann ja, na gut, dann steige ich jetzt mit ein und dann fahrt man gemeinsam in der Geisterbahn und kommt raus und ist vollkommen fertig, laut der Angst zuständig, vielleicht eine Panikattacke. Man ist vollkommen überfordert. Und es wäre, wäre es natürlich die Lösung, wenn man sagt, ich warte an der Kasse.

00:14:53: Sabine: Genau, das wollen wir dir auch mitgeben.

00:14:56: Roland: Warte an der Kasse. Am Weg zum Burgtheater hätte ich sofort sagen können, Sabine, es tut mir total leid, ich weiß, ich war deinem Ton nicht nur unfreundlich, sondern ich war deinem Ton auch so ähnlich wie deine Mutter und habe dir vermittelt, so bist du nicht okay. Und das hätte ich nur sagen müssen und du wärst wahrscheinlich nicht gleich im Frieden gewesen, aber du hättest gemerkt, jetzt komme ich beim Roland an. Und das habe ich nicht gemacht, weil ich auch einen Knopf gedrückt würde, weil der Roland wieder was falsch gemacht hat.

00:15:32: Sabine: Du hast über den Inhalt dann auch, glaube ich, gesprochen. Ich weiß jetzt gar nicht mehr genau. Aber sicher, das hätte natürlich geholfen, zu sagen, ich habe mich im Ton vergriffen und ich habe dich mit meinem Tonfall klein gemacht. Das war ja das Ergebnis. Ich habe mich klein gemacht gefühlt und dann kommt ein enormer Trotz hervor. Geisterbahn. Wir haben gerne diese Metapher mit der Geisterbahn. Vielleicht kannst du was anfangen damit, die du uns da gerade zuhörst. Stell dir mal vor, der Partner, also ich bin da, wie wir da am Weg zum Rathausplatz waren, ich bin Geisterbahn gefahren. Weil ich habe ja mehrere Stunden das wiedergekäut und habe gefunden, eine Gemeinheit, wie kann er mich so klein machen. Und habe das auch in meinem Gesicht war sichtbar, dass ich Geisterbahn gefahren bin.

00:16:15: Roland: Ich glaube, das war leicht zu erkennen.

00:16:18: Sabine: Und der Roland hätte, wenn er, ja du hättest dann sagen können, ich steige nicht in die Geisterbahn. Das war eine Bemerkung. Ich steige da nicht mit in die Geisterbahn. Hallo Sabine, da bin ich. Schau, ich stehe an der Kasse. Du musst nicht Geisterbahn fahren. Ja, ich bin da, ich bin dein Partner. Hallo, ich höre dir zu. Guck, guck, da bin ich. Und wenn ich, wie wir es schon am Anfang gesagt haben, wenn jetzt, wenn ein bisschen mehr Zeit ist, wenn man durchschnaufen kann, dann sind wir durchaus, das ist die gute Nachricht, dann sind wir durchaus in der Lage zu sagen, ich bleibe an der Kasse stehen, okay. Ich habe da jetzt einen wunden Punkt erwischt von dir. Du hast einen von mir erwischt. Ich habe zum Beispiel jetzt einen von dir erwischt. Da bist du einmal kurz Geisterbahn gefahren. Ich bleibe jetzt ganz ruhig und höre dir zu. Und sage dann auch, und sage es nicht nur, sondern meines auch, tut mir leid. Tut mir leid, ich habe dich da erwischt, an einem unangenehmen Punkt, an einem wunden Punkt. Ja, ich höre dir zu, ich bin da.

00:17:24: Roland: Und ich weiß es ja schon, dass das bei der Sabine Wunder wirkt, also nicht so einfach dahingesagt, tut mir leid oder Entschuldigung.

00:17:32: Sabine: Ich habe mich ja eh schon entschuldigt. Das bewirkt eher das Gegenteil.

00:17:35: Roland: Das haben wir auch in einem eigenen Podcast schon entschuldigt gesprochen. Es geht darum, dass ich es wirklich spüre, jetzt habe ich da was gemacht, was einen wunden Punkt von der Sabine getriggert hat, wie es so schön heißt, und ich sage, es tut mir leid. Ich könnte ja auch sagen, ja das ist, weil und ich habe doch da, als wir vor der Schwiegertochter geredet haben, da inhaltlich konnte mir die Sabine ja recht geben, aber ich habe ja die Wahrheiten nicht so hingehalten, wie das der Max Frisch das Zitat, hast du sicher schon von uns gehört, wir lieben dieses Zitat, wo er sagt, sinngemäß, man soll dem anderen die Wahrheit so hinhalten, wie ein Mantel, in den man hineinschlupfen kann, und nicht mit einem nassen Fetzen um die Ohren hauen. Und ich habe so, ich würde sagen, es war nicht um die Ohren hauen, aber es ging schon in diese Richtung. Und das eben ist ein ganz, eine große Verletzung von der Sabine. Ihr erinnert euch, wir haben auch schon einmal von 9010 gesprochen. In dem Moment poppen dann natürlich die 90% von Sabines Geschichte auf, die so oft so angegangen wurde von der Mutter, und sie sagt jetzt, so will ich nicht behandelt werden. Und sie sagt es aber nicht, indem sie es laut sagt, sondern sie schweigt. Und deswegen sage ich, hättet ihr uns gesehen am Rathausplatz, wäre nicht nur uns beiden das Gruseln gekommen von dieser Geisterbahnfahrt, sondern auch ihr, weil das kennt ihr ja vielleicht, man beobachtet dann ein Paar beim Streiten, denkt sich um Gottes Willen, was ist mit denen da los? Und dann muss man vielleicht auch noch den einen verteidigen oder den anderen angreifen. Aber in Wirklichkeit, dieses Besteigen dieser Geisterbahn und dann das noch zu zweit, ist ein Teil einer ganz normalen Beziehung. Die Frage ist nur, wie gehe ich damit um? Und das werden wir jetzt auch noch im Podcast sagen, weil es sind gute Nachrichten, auch weil nämlich, wir können dann innehalten und sagen, was ist gelaufen und dann können wir uns auch wertschätzen, dass es diesmal wieder ein Stück kürzer war, die Ehrenrunde, weil so eine Ehrenrunde, wie wir euch sie jetzt erzählt haben, hat bei uns oft zwei bis manchmal drei Monaten gedauert, bis wir die aufgearbeitet haben und wir haben dann immer wieder am nächsten Tag, ja, aber das ist noch immer nicht geklärt und du hast dich noch nicht entschuldigt und immer wieder aufwärmen. Heute...

00:20:05: Sabine: Es hat sich dann reduziert auf Tage, also Monate, ja, Wochen, dann waren es nur mehr Tage und jetzt sind es Stunden, würde ich sagen. Aber das war jetzt eh schon relativ lang. Es waren jetzt ein paar Stunden, wo da diese unangenehme Stimmung war.

00:20:21: Roland: Und wir erzählen es euch unter anderem auch deswegen so genau, weil in diesem Moment fühlt man sich ja ganz schlecht und sagt, die Beziehung ist kaputt, wir sind eigentlich nicht okay. Und warum wir uns da auch outen ist, die, die jeden Tag Paare begleiten, die, die seit fast 45 Jahren, immer wieder Paartherapie machen, die immer wieder an dem lernen Stirnlappen einschalten, dran sind und unter Anführungszeichen passiert es dann und das heißt, das erste ist, auch sich ein Stück vergeben, milde zu sein und...

00:21:02: Sabine: Ja, auch milde zu sein. Und zu sagen, schau mal, wenn du es in größeren Abständen anschaust, schau mal, wie oft wir schon Situationen in kurzer Zeit geklärt haben, ohne dass es jetzt eskaliert ist, ohne dass jetzt dieses böse Gesicht dabei war oder dieses Schimpfen oder Ärger oder Streiten. So oft haben wir Sachen jetzt schon beigelegt, in kurzer Zeit, jetzt ist es halt einmal passiert. Also, dass man wirklich mit sich milde ist und weil, dass man gar nicht streitet und das, also ja, das ist wirklich selten, dass Paare sagen, wir streiten eigentlich nicht. Aber ich möchte noch was sagen, nämlich, dass unsere Tochter hat dann einen Ausspruch getätigt und hat gesagt, die Zündschnur ist kurz. Heute ist Freitagnachmittag, es war eine lange Woche und die Zündschnur ist kurz. Sie hat das über eines ihrer Kinder gesagt, mehr sage ich nicht dazu, aus Diskretion. Die Zündschnur ist kurz und ich möchte dieses Bild jetzt auch verwenden, weil ich habe dann darauf gesagt, ja, bei mir ist heute auch die Zündschnur kurz gewesen, aber es hat sie eh sicher nicht bemerkt und dann haben alle so gelacht und gesagt, nein, nein, wir haben es gar nicht bemerkt. Da war ich dann schon wieder draußen aus meinem Tunnel und habe dann lachen können drüber, weil dass die Zündschnur so kurz ist, ja, sie hat das über ein Kind gesagt und bei den Kindern ist es leichter auch das zu sehen und eins und eins zusammen zu zählen. Aber bei mir war es eigentlich auch klar, weil es waren einfach so viele Dinge gleichzeitig, auch wenn es schöne Dinge sind, ist es ja oft auch stressig, wenn so viele Dinge gleichzeitig sind.

00:22:37: Roland: Also so gesehen, waren wir am Rathausplatz, wie wir da vorbeigegangen sind und gestritten haben, da waren wir wahrscheinlich beide fünf oder sieben.

00:22:45: Sabine: Ja, aber ich meine, ich bin als siebenjähriges Kind, wenn ich von der Schule gekommen bin und es war ein langer Tag, war meine Zündschnur auch kurz. Wenn da ein falsches Wort war, habe ich dann auch geweint als Kind und habe mir das sehr zu Herzen genommen.

00:23:01: Roland: Und einem Kind gesteht man es zu.

00:23:03: Sabine: Und ich habe es eigentlich als Erwachsene, waren dann auch einige Dinge, die irgendwie sehr intensiv waren und wo ich so erwachsen sein musste und vernünftig sein musste, in dem Moment war es kurz, wie du das gesagt hast.

00:23:16: Roland: Ja, bei mir auch, weil ich könnte auch sagen, mir fällt jetzt was auf, dass die Sabine da was sagt, was eigentlich so nicht passt, könnte ich nachher sagen, Sabine, ich wollte mit dir was besprechen, können wir uns wohin setzen? Ich habe da wahrgenommen, du hast von unserer Schwiegertochter über eine andere Person was gesagt, ich finde es war unpassend und dann hätte wahrscheinlich die Sabine vielleicht auch eine Reaktion darauf gezeigt, aber eine ganz andere als die, die dann am Rathausplatz passiert ist. Aber es ist eben passiert und jetzt sind wir bei den... Ja, was daran noch gut ist, es zeigt uns nämlich, dass diese Themen noch nicht geheilt sind oder mein innerer, kleiner Bub oder die Sabines inneres Mädchen, kleines Mädchen da noch etwas braucht. Und mir ist klar geworden, wieder einmal klar geworden, dass wenn ich so ja, sehr unvorsichtig, ungeschickt noch dazu verandern, die Sabine da korrigiere, dass dann noch immer die kleine Sabine sagt, das stimmt aber so nicht und das ist total ungerecht und eigentlich weint die ja. Die weint ja in dem Zimmer alleine und dass ich dann sage, ja, komm Sabine, und vielleicht erinnerst du dich Sabine, ein paar Tage später sind wir am Abend noch gesessen, haben gelesen, dann habe ich deine Hand genommen und gesagt, du kannst nichts dafür, was da in der Kindheit passiert ist, das haben die Altvorderen zu verantworten. Und dann warst du ganz gerührt. Und mir hat diese Ehrenrunde wieder gezeigt, Roland engagiert dich, aber nicht um die Sabine, ich zu heilen, sondern dass in unserem Zwischenraum, im Zwischenraum von Sabine und mir, von mir zu Sabine und umgekehrt, eine Atmosphäre entsteht, wo Heilung, großes Wort, aber wo Heilung und Wachstum möglich wird. Also das genauso und die Sabine hat dann auch zu mir gesagt, wie hast du gesagt, du schätzt an mir, dass ich das aufgebracht habe, weil du hast gar nicht gemerkt, dass du da eine andere Person mit reingezogen hast. Und das hat mir wiederum ein Stück Heilung verschafft, weil ich hab mir dann gedacht, ja, sie kann das auch wertschätzen, dass ich in der Sache ja war es gut, nur die Form hat überhaupt nicht gepasst.

00:25:36: Sabine: Da gibt es auch noch was zu lernen für mich, dass ich auch manchmal so eine Plaudertasche bin. Manchmal ist das ja sehr nett, aber manchmal bin ich da auch ein bisschen, wie soll ich sagen, zu mitteilsam manchmal. Und vor allem, wenn ich über mich rede, ist ja okay, aber nicht irgendwelche Geschichten über andere Leute zu erzählen. Und da hast du mich drauf aufmerksam gemacht und da gibt es wirklich was zu lernen für mich.

00:25:57: Roland: Also wir wollen euch beim Zuhören jetzt vermitteln, erstens, Ehrenrunden gehören dazu. Das heißt, wenn es euch passiert, statt zu verkriechen, sich beschimpfen, den anderen beschimpfen, zu sagen, okay, war wieder mal eine Ehrenrunde oder wir sind wieder mal Geisterbahn gefahren, Ärmel hoch, wir bringen das wieder in Ordnung. Zweitens ist es ein Aufmerksam machen, dass da Themen sind, die noch einen nächsten Schritt brauchen. Wir können dann in so einem Fall einen Dialog machen. Wir haben in einer Folge über Imago gesprochen. Das ist eine Technik des aktiven Zuhörens, wo eine Person hört und die andere spricht. Also zum Beispiel dann darüber einen Dialog zu machen, nämlich dann, wenn wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, in Sicherheit und Verbindung zu schauen, wie können wir uns da gegenseitig auch unterstützen, dass da ja, dieser Stresslevel, der ja an sich schon einmal gegeben ist durch die, durch den Traffic, der da passiert im Leben, wo die Zündung nur kurz ist, wie können wir dann uns so gut managen, ohne dass wir den anderen verletzen müssen, weil das ist ja auch eine vergeudete Energie.

00:27:10: Sabine: Ja, und sich auf die Schulter klopfen, wenn es gut gelungen ist, wenn ich einmal in einer Situation, wenn du mir was sagst, du, das hättest jetzt nicht sagen sollen, dass du es in einem angemessenen Tonfall zu mir sagst und ich es auch nehme und sage, Verantwortung, ja, stimmt, da habe ich jetzt was gesagt, was unpassend war, danke, dass du mich darauf aufmerksam machst und ich schaue dann nächstes Mal, ich passe nächstes Mal besser darauf auf, zum Beispiel. Also Verantwortung übernehmen und auch sagen, ja, ich kann auch eine Kritik auch einmal annehmen. Und eben, wenn so ein Stress, ein gewisses Stresslevel ist, da gibt es noch bei mir was zu lernen, dass ich in diesem Stresslevel vielleicht auch einmal durchatmen, sage Pause, ich habe das jetzt gehört, aber ich muss jetzt nicht sofort auf Reaktion und auf Trotz schalten.

00:27:57: Roland: Ehrenroden haben noch eine Wirkung, wenn wir uns irgendwie so in Gemütlichkeit, Ehrenroden haben noch einen Vorteil, sie können uns ein bisschen aufwecken, wenn wir einschlafen und unsere Beziehung irgendwie so dahinfließen lassen, weil eigentlich haben wir beide gesagt, so wollen wir nicht sein, wir wollen eine andere Form der Beziehung und wir haben dann auch festgestellt, du hast es dann glaube ich zwei Tage später gesagt, ja Roland, es war wirklich eine massive Ehrenrunde und gleichzeitig, wir waren wirklich vorher für viele Menschen da, für Klienten, wir haben Workshops gehabt, für Enkelkinder, Familienmitglieder und wir haben ein Stückchen das, was wir manchmal machen, auf uns vergessen und jetzt nicht trotzig zu sagen, jetzt komme ich zuerst und wie es ja manche dann machen und jetzt passe ich endlich auf mich einmal auf und schaue auf mich, sondern, dass wir eben miteinander das auflösen oder zumindest einmal hinschauen, was ist passiert und dafür war das sicher auch wert und wenn man dann so ein bisschen aufgerüttelt wird, man sagt in der Fachsprache auch, dann wird beginnt die Differenzierung, wir sind nicht sozusagen gegenseitig eine Filiale vom anderen, sondern wir sind ein Ich, ein Du und am Du wird das Ich zum Wir und wir gemeinsam haben wir das gemacht, also so gesehen können wir es auch gemeinsam auch lösen und das ist der Vorteil von den Ehrenrunden und wir wissen von vielen Paaren, die dann so, echt, ihr kennt es auch, ich habe gedacht, wir sind alleine damit, ja, das ist auch ein Teil, warum wir darüber reden, weil viele es nicht erzählen, dass sie Ehrenrunden gehen oder laufen und das nimmt auch schon einmal ein bisschen die Scham oder den Druck, dass da sich was verändern muss.

00:29:50: Sabine: Und zum Beispiel habe ich dann auch wieder mal gelernt dabei, wenn so viel los ist, wenn so viel Action ist und wir so viele Dinge machen und mit so vielen Menschen in Kontakt sind und was tun, ist es auch mal ganz gut, einmal was zu tun, dass mein Nervensystem sich beruhigt. Zum Beispiel, was mir gut tut, ist zu Hause bleiben, einmal was kochen, irgendwas ein bisschen aufräumen zu Hause oder irgendwas zu machen, ein Buch lesen oder einmal gemütlich Zeitung lesen, aber etwas zu machen, wo ich nicht mit anderen Menschen in Kontakt bin und nicht ständig mit Interaktionen bin, sondern dass ich ein bisschen meine Pause sozusagen habe von Sozialkontakten. Und da habe ich mir gedacht, ja, jetzt brauchst du eine Pause, Sabine, die habe ich mir dann auch gegönnt und das Wochenende war dann unspektakulär, angenehm, erholsam.

00:30:36: Roland: Und jetzt verraten wir dir noch ein, ich weiß nicht, ob es ein Geheimnis ist, aber eine Erfahrung, die wir gemacht haben. Wenn du in eine Grube hineinfällst und bist da drinnen ganz dreckig geworden, dann schaust du einmal nach oben, wie hoch ist das und suchst dir Aufstiegshilfen. Okay, dann machst du dir vielleicht dort eine Aufstiegshilfe, dort gibt es schon eine Aufstiegshilfe und vielleicht nach einer Viertelstunde bist du aus dieser Grube hinausgeklettert. Wenn du eine Ehrenrunde drehst, fallst du ja meistens in dasselbe Grube, in dasselbe Loch wie meistens. Das ist schon sehr bekannt. Das heißt, du kennst die Aufstiegshilfen, du weißt, was euch gut tut, du weißt, es tut uns gut, dass wir vielleicht jetzt einmal eine Stunde, jeder macht was für sich und dann reden wir. Oder du weißt schon, was er oder sie braucht, du weißt, was du brauchst. Der Vorteil an Ehrenrunden ist, wenn man die schon noch öfters erlebt hat, dass man auch die Aufstiegshilfen kennt. Wichtig ist nur, dass man sie dann auch sich herholt und sagt, wie war denn das beim letzten Mal? Okay, das hat uns geholfen. Weil sonst geht es, wie wir schon über die Schuldthematik, haben wir auch schon einen Podcast gemacht, dann geht es nur mehr darum, sich gegenseitig die heiße Kartoffel hin und her zu schieben und da wissen wir eh, was am Ende überbleibt. Meistens geht es dann nur mehr um Trennung und nicht mehr um die Entwicklung. Na gut, braucht es nicht schauen, demnächst am Rathausplatz, weil mit der nächsten Ehrenrunde drehen wir wahrscheinlich wieder woanders. Aber wir sind auch mit euch und wir wollen euch animieren, die Ehrenrunde zu nützen, um, so wie die Sabine sagt, im Sinne der Turmdeckelschnecke weiterzukommen und zu sehen, dass wir uns weiterentwickeln können.

00:32:32: Sabine: Es war ein bisschen kürzer, ich habe ein bisschen schneller erkannt, was mein Anteil ist daran. Ich konnte auch sagen, es tut mir leid und habe nicht so lange gebraucht und so weiter und so weiter, was auch deine, wo du auch deine Fortschritte siehst.

00:32:45: Roland: Ja, Wertschätzung, Wertschätzung, Wertschätzung. Wenn du es bis dahin gehört hast, zeigt das ja auch, dass du mit diesem Dranbleiben des Zuhörens auch dranbleiben willst, deine Ehrenrunden zu verkürzen.

00:32:59: Sabine: Also ihr Lieben, ich sage es wieder mal, macht es gut, bleibt dran und macht es gemeinsam. Alles Liebe.

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