Falls du dich freust, gib deinem Gesicht Bescheid!

Shownotes

Werfen wir in dieser Podcastfolge einen Blick auf Blicke und darauf, dass lästige Kritik in Beziehungen auch als kostenloses Monitoring gesehen werden kann.

Die beste Version von uns selbst können wir leichter leben, wenn wir über die anderen Versionen Bescheid wissen.


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Produktion: Umsetzerei Wien


Das Kleingedruckte ganz normal groß – Disclaimer, unsere Fallbeispiele betreffend:

In unserem Podcast geben wir im Sinne der Praxisnähe und Verständlichkeit immer wieder Fallbeispiele. Unser oberstes Anliegen ist es auch dabei stets, die therapeutische Schweigepflicht sowie die Privatsphäre aller Klient:innen zu jedem Zeitpunkt zu wahren.

Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir a) jeweils zur Erzählung des Erlebten autorisiert wurden und b) alle Details, die einen Rückschluss auf konkrete Personen, Namen, Orte etc. ermöglichen könnten, abändern.

Sollten Sie also den Eindruck haben, in einer unserer Schilderungen eine bestimmte Person zu erkennen, so liegt das wohl daran, dass wir Menschen, so verschieden wir sein mögen, oft überraschend ähnliche Probleme und Ressourcen haben.

Transkript anzeigen

00:00:08: Sabine: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Liebesdoppel.

00:00:11: Roland: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.

00:00:14: Sabine: Hier sind die Bösels, mein Name ist Sabine Bösel.

00:00:16: Roland: Mein Name ist Roland Bösel.

00:00:18: Sabine: Und wir sprechen heute über Monitoring oder falls du dich freust, gib deinem Gesicht Bescheid.

00:00:30: Roland: Ja willkommen, es ist eines meiner Lieblingsthemen, weil die Sabine öfters im Alltag zu mir sagt, Roland schenk mir ein Lächeln und das passiert mir nicht nur mit der Sabine, sondern das passiert mir mit vielen Menschen, die sagen, geht es dir schlecht oder was hast du denn oder im Extremfall eine Geschichte aus einer Zeit, die wird ein paar Jahre her sein, es war spät abends, ich komme von der Arbeit nach Hause und die Türe zum Wohnzimmer war offen und ich komme bei der Tür herein und die Sabine sagt, was ist los mit dir, du schottischer Minenarbeiter und ich habe es nicht gleich verstanden, aber dann hat sie gesagt, geh bitte noch einmal runter die Stiege und komm noch einmal rauf in dem Bewusstsein, dass du deine lebende Frau hier bist. Vor 30 Jahren hätte mich das so zornig gemacht, was will sie, will sie mich schon wieder verändern? Nein, sie hat mir den Spiegel hingehalten, es war nämlich tatsächlich so, der schottische Minenarbeiter, aber der beginnt schon bei meinem Vater, also wenn ich die Stiegen gehe, höre ich manchmal den Schritt von meinem Vater und mein Vater war wirklich oft ein schottischer Minenarbeiter.

00:01:54: Sabine: Schwere Schritte.

00:01:55: Roland: Schwere Schritte, also damit wir uns richtig verstehen, wenn du da jetzt zuhörst, ich kenne nicht wirkliche schottische Minenarbeiter. Ich auch nicht. Du hast es damals so assoziiert.

00:02:06: Sabine: Nein, ich war so zornig, weil ich habe gewartet auf dich und habe mich dann gefreut, ah super, Arbeit ist erledigt und ich habe mich gefreut, dass du nach Hause kommst und wie ich das Gesicht gesehen habe, habe ich einen Wutanfall bekommen, also schottischer Minenarbeiter, das ist einfach aus meinem Mund raus gekommen, eigentlich sehr kreativ und ich muss euch sagen, nur in eurer Information, ich kenne weder Minenarbeiter noch schottische Minenarbeiter. Aber ich stelle mir vor, dass die dann so nach Hause kommen, wenn sie unter Tage waren den ganzen Tag und im Dunkeln und dass sie dann so nach Hause kommen mit diesen schweren Schritten und mit diesem ganz belasteten, hängenden Gesicht.

00:02:42: Roland: Ja, also was wir...

00:02:44: Sabine: Aber das ist mittlerweile zwischen uns ein Running Gag geworden und ich muss sagen, ich muss dir das hoch anrechnen, dass wir nicht sofort gestritten haben oder dass du das auch...

00:02:53: Roland: Na klar, ich konnte es nicht nehmen.

00:02:55: Sabine: Naja, aber du bist wirklich rausgegangen und bist nochmal reingekommen und wir haben jetzt nicht darüber gestritten. Du hättest auch sagen können, es ist eine Gemeinheit, warum sagst du das zu mir?

00:03:05: Roland: Ja, warum komme ich manchmal wie ein schottischer Minenarbeiter? Weil ich gelernt habe, schon in meiner frühesten Kindheit die Verantwortung für Themen zu übernehmen, die eigentlich für ein Kind viel zu schwer sind. Sprich das Unternehmen, also für die zum ersten Mal hier rein hören, ich komme aus einem großen Familienbetrieb mit 150 Mitarbeitern. Das Unternehmen hat es bis 1992 gegeben. Ich habe es auch noch einige Jahre geführt und meine Schwester Regine hat immer gesagt, das wichtigste Kind bei uns zu Hause war das Unternehmen und deswegen war es auch wichtig, dass dem Unternehmen gut geht und wenn es dem Unternehmen schlecht geht, ging es uns auch schlecht. Und Sabine, wenn wir jetzt über Monitoring sprechen, das beste Monitoring sind ja zum Beispiel Filme oder eben auch Fotos. Und wenn man schaut, Kindheitsfotos von mir, das sind so bis zum sechsten, siebenten, achten Lebensjahr lach ich auf jedem Bild. Das könnte man sich, wenn man mich heute nicht vorstellt, dass ich so viel gelacht habe. Und wenn man dann schaut mit zwölf, dreizehn, vierzehn Jahren, das ist ein anderer Roland. Dazwischen war die schwere Lebenskrise meines Vaters, der ja sehr schwer depressiv war, auch wochenlang in Krankenanstalt war und auch sogar einen Suizidversuch gemacht hat.

00:04:32: Sabine: Ja, diese Schwere und diese Sorge sieht man in deinem Gesicht auf den Fotos.

00:04:36: Roland: Genau, das ist irgendwie so eine Zeichnung aus meiner Kindheit und irgendwie ist es so unfair, weil wenn ich die Stiegen raufkomme und da wartet meine wunderbare Frau, also warten, du hast auch deine Sachen gehabt, aber du hast dich gefreut. Ja, aber ich habe mich gefreut, dass du nach Hause kommst. Dann ist es nicht fair, mit dieser Schwere reinzukommen, die ja auch aus den Zeiten 1960, 70 und vielleicht sogar von meinen Vorgenerationen ich da mit in das oberste Stockwerk bringen. Das ist nicht fair und daher laden wir euch ein. Wir laden euch heute mit dieser Folge ein, euch etwas vorzustellen und das kannst du dir vorstellen, ob du jetzt in einer Beziehung lebst oder auch mit deiner guten Freundin oder Freundin, mach einmal einen Tag lang ein Video von dir. Mach einen Tag lang ein Video von dir, was man dort alles sieht.

00:05:29: Sabine: Ich meine die Selfies gibt es ja heutzutage, dass man ein Selfie von sich macht, aber du schaust halt in deinem Selfie, schaust du halt oder schauen wir alle dann, versuchen wir dann ein freundliches Fotogesicht zu machen, das ist klar. Also bei mir ist es, das Feedback bekomme ich, indem jemand einen Schnappschuss macht von mir und ich mir dann denke, oh Gott, wie habe ich da jetzt reingeschaut, oh total grantig. Ich glaube bei mir ist es nicht so sorgenvoll, sondern eher so grantig, weil ich manchmal herumrenne mit diesem Anspruch, was ich jetzt auch noch alles machen sollte, müsste oder mit dem schlechten Gewissen, dass ich das nicht gemacht habe. Und die Ansprüche sind einfach viel zu hoch. Ich habe mich schon sehr gebessert, aber manchmal habe ich dieses Gesicht noch, ah was muss ich jetzt noch alles machen, das ist zu viel und dann schaue ich grantig drein.

00:06:20: Roland: Aber weißt du Sabine, es gibt vielleicht auch Videos, die man da aufnehmen würde von Menschen, die die ganze Zeit lachen und ein Strahlen hinausschicken, wo du dir dann auch manchmal denkst, diese Frau, dieser Mann strahlt eigentlich jedes Mal, wenn ich ihn oder sie sehe, ist dieses Strahlen und auch da wird es manchmal gut, ein Monitoring zu machen, um sich, dass sich diese Frau oder das Mann anschaut, weil oft haben die nichts zu lachen, haben aber gelernt als Kind, ich muss meine Mama, ich muss strahlen, nicht natürlich bewusst, sondern unbewusst habe ich beschlossen, ich muss strahlen, damit es der Mama, Papa gut geht oder Mama oder Papa oder beiden.

00:07:02: Sabine: Ja vor allem, du meinst jetzt auch, wenn das Gesicht, dieses strahlende Gesicht nicht mit dem übereinstimmt, was gerade passiert. Da sehen wir manchmal bei den Dialogen, wenn Paare zu uns kommen und einen Dialog führen, Dialog heißt, beide sitzen sich gegenüber und sprechen miteinander und hören einander zu oder eine Person spricht, die andere Person wiederholt, was sie gehört hat und manchmal ist der Inhalt ziemlich traurig, wenn jemand von zum Beispiel erzählt, was als Kind passiert ist, irgendeine Situation erzählt und diese Person lächelt dann mit dem Mund, das ist nämlich sehr interessant oft, dass jemand dann mit dem Mund so lächelt und wenn du dir ein Blatt Papier davor hältst, stell dir mal vor, du hältst dir ein Blatt Papier vor den Mund, was du ja manchmal machst, Roland, und sagst, jetzt schauen wir mal die Augen an, nicht bei dir, aber bei Paaren, die bei uns sitzen und dann sieht man, die Augen sind eigentlich ziemlich traurig und dieser Mensch lächelt, versucht es wegzulächeln, weil das so der Job des Kindes war, das wegzulächeln. Das heißt, da ist das nicht übereinstimmend mit dem, was gerade gesprochen wird.

00:08:10: Roland: Aber ich überlege mir gerade, Sabine, wenn alle Paare sich so Kameras zu Hause montieren würden und heute mit der KI könnten wir das schon schön zusammenschneiden lassen und sich dann am Abend eine Zusammenfassung der eigenen Beziehung anschauen würden, würden wir wahrscheinlich viel weniger Paare haben, die zu uns kommen. Weil wenn ich das sehen würde, was du manchmal auch für den Roland vom Tonfall, von der Mimik, von meiner Gestik erlebst, müsste ich eigentlich sagen, oh, bin ich dankbar, dass du mich liebst, dass du mir auch Wertschätzung gibst, weil manchmal bin ich eine schlechtere Version von mir selbst.

00:08:54: Sabine: Ja, und wenn ich gut drauf bin, dann spiegle ich das. Na, dann sagst du, bitte schenk mir ein Lächeln. Aber dass ich dann auch manchmal wiederhole, was du gerade gesagt hast zu mir und manchmal sagst du etwas vom Inhalt her ganz, ganz okay. Und es ist aber der Tonfall dann dabei, das muss man nämlich auch sagen, da ist dann der Subtext, man kann es als Subtext auch bezeichnen. Es ist etwas, kannst du das bitte einordnen, kannst du das bitte machen? Und wenn aber der Tonfall dann so ist, kannst du das bitte machen? Ich kann es jetzt gar nicht so gut nachmachen im Moment, aber dann habe ich ja den Subtext gelesen, naja, das hättest du eh schon längst machen können. Oder, wo hast denn du das jetzt her? Das ist auch so ein Klassiker, wo hast denn das her? Der Subtext, ich misstraue dir, was hast denn da her gesagt?

00:09:46: Roland: Oder du sagst, Ronald, hast du fünf Minuten Zeit? Und es, wie du sagst, fühlt sich so an, wie wenn das jetzt Stunden dauert.

00:09:54: Sabine: Also ich sage dann, hast du fünf Minuten Zeit? Und der Tonfall, dieses leicht schlechte Gewissen sagt dir schon, dass es eigentlich mehr ist, aber ich traue mich gar nicht mehr zu sagen und sage halt fünf Minuten und hoffe dann, dass du das gar nicht merkst, dass es länger ist. Also da kommt, da ist klar, fünf Minuten sind nicht, ich mache das nicht bewusst. Nein, nein, ich mache das nicht bewusst, aber ich denke mir schon, das hätte ich schon längst machen sollen, aber hast du vielleicht fünf Minuten und dann ist klar, das wird länger dauern.

00:10:26: Roland: Natürlich machen wir das alles jetzt mit Augenzwinkern, weil in der Situation selbst fühlt es sich anders an. Nochmal die Einladung, stell dir vor, du nimmst dich an meinem Tag lang auf, was, mit welchem Gesicht rennst du rum, machst du ein freundliches Gesicht, obwohl dir zum Weinen ist, oder rennst du herum, wie wenn wer gestorben ist, obwohl das blühende Leben oder zumindest vieles in deinem Leben blüht? Also ich gehöre eher zur zweiten Kategorie.

00:10:59: Sabine: Ich renne auch manchmal mit so einem Gesicht herum, wo man mir ansieht, ich glaube, dass man es mir ansieht, dass ich ganz viele Listen im Kopf habe und überlege, wie ich das jetzt am besten mache oder was ich als nächstes mache und auch meine Umwelt gar nicht wahrnehme. Und jetzt möchte ich noch mein, das möchte ich jetzt sagen, bitte, mein Steckenpferd, die Dialoge. Ich habe schon gesagt, die Paare, die zu uns kommen, machen dann Dialoge, das heißt, man sitzt sich gegenüber, schaut sich an, möglichst nahe, wenn es geht auch die Hände geben, dass man dann auch die Verbindung über die Hände spürt und dann beginnt der Dialog mit einer Wertschätzung. So, über Wertschätzung haben wir auch schon mal geredet.

00:11:40: Roland: Wertschätzung ist etwas Positives, was man über einen anderen oder sich selbst sagt.

00:11:44: Sabine: Ja, und dann bekommst du diese Wertschätzung und die Aufgabe ist, sie zu spiegeln, also zu wiederholen. Ich höre, du schätzt an mir das und das und dann schaue ich, mittlerweile bin ich da schon sehr akribisch, dann schaue ich das Gesicht an von der Person, die die Wertschätzung bekommt und denke mir, ist das jetzt gelandet? Oder manche schauen dann gar nicht wirklich hin, manche spiegeln das automatisch mit so einer Roboterstimme, manche wollen dann was darauf sagen, das ist eigentlich verboten. Ja, ja, eh klar, na ja, endlich habe ich das geschafft oder irgend sowas. Also es wird dann klein gemacht, es wird einfach ganz schnell, schwupsdiwups, ist schon wieder weg.

00:12:27: Roland: Ja, oder man sagt, na ja, jetzt kriege ich eine Wertschätzung, aber sonst höre ich ja nur Kritik. Das heißt, man nimmt es nicht wirklich. Aber das zum Beispiel aufzunehmen, also das ist zum Beispiel eine Empfehlung für Paare, die zu uns kommen, die bei uns lernen, wie solche Dialoge gehen, da sage ich, nehmt euch einmal auf. Wir haben das gemacht, kannst du dich daran erinnern, wir haben immer wieder, auch für unsere damalige Ausbildung, die Dialoge aufgenommen und ich habe mir das dann angeschaut und habe mir gedacht, was ich für ein Glück habe, dass diese Frau bei mir bleibt. Weil so wie ich da reinschaue, schaue ich manchmal da rein, wie wenn die Beziehung das Schlimmste auf dieser Welt ist.

00:13:06: Sabine: Ja, und wenn ich da dabei sitze, sage ich, okay, hast du das jetzt, freust du dich über diese Wertschätzung? Für den, der das gehört hat, ja. Sag ich, freust du dich über die Wertschätzung? Ja, freue mich schon. Okay, dann gib doch deinem Gesicht Bescheid, dass du dich freust darüber. Und ich bin da schon lästig, ich bin da schon sehr lästig an der Stelle und sage, dann spiegle es bitte noch einmal und gib deinem Gesicht Bescheid, dass du dich freust darüber. Bei manchen sage ich dann auch, oder du sagst es auch oft, dann sag mal, wie weit lässt denn du das an dich heran? Lässt du das wirklich nah an dich heran? Oder einen halben Meter Abstand, ja, hat sie halt jetzt gesagt, gut. Ja, ich habe es schon an mich herangelassen und lästig wie ich bin, sage ich dann, kannst du es noch ein Stück mehr reinnehmen, sodass es dich nährt wie deine Lieblingsspeise? Und ich rede mit mir selber auch so, wenn ich zum Beispiel irgendwo bin, und jemand sagt mir was, ja, gestern habe ich jemanden getroffen, der hat gesagt, ich höre so gerne euren Podcast, genau. Und dann habe ich mich wirklich selber beobachtet, apropos Monitoring, ich habe mir gedacht, Sabine, du hältst jetzt inne, ich habe natürlich meine Listen im Kopf gehabt, was ich zu tun habe. Und ich denke mir, nein, Sabine, du hältst jetzt inne, das ist jetzt ein schöner Moment, wir machen das gerne, diesen Podcast, und jetzt hältst du inne und nimmst das, diese Wertschätzung. Dann bin ich wirklich stehen geblieben und habe gedacht, ja, die Minute nehme ich mir jetzt und habe das gehört, diese Wertschätzung und warum das demjenigen gut gefällt, und habe es dann auch dir erzählt am Abend. Ich habe es dann dir erzählt, wen ich da getroffen habe und was der gesagt hat.

00:14:46: Roland: Ich habe nicht sehr gut aufgepasst zuerst.

00:14:48: Sabine: Ja, genau, das heißt, ich hätte auch sagen können, Roland, hast du das gehört? Wenn es dich freut, dann gib deinem Gesicht Bescheid. Das Gesicht weiß ich jetzt nicht auf der Straße, da habe ich das Monitoring nicht eingeschaltet, aber zumindest habe ich die Ohrwaschel aufgemacht und versucht, das reinzunehmen, weil wir bemühen uns wirklich, dass der Podcast interessant ist für euch und dass der was bringt. Da habe ich mir gedacht, innehalten, kurz einatmen und freu dich drüber.

00:15:16: Roland: Da ist dir das Monitoring gelungen. Ich frage mich gerade, wieso, obwohl ich so viel Therapie gemacht habe, obwohl wir beide so viel auch schon bewältigt haben, obwohl wir so viele Dialoge gemacht haben, obwohl das Leben rundherum so blüht, dass ich dann manchmal meinem Gesicht keine Information darüber gebe. Im Gegenteil, dass die Leute sagen, was ist mit dir?

00:15:39: Sabine: Aber wenn jemand zu dir sagt, was ist mit dir, dann glaube ich, bist du da, oder? Dann erreichen sie dich.

00:15:45: Roland: Ja, es kommt darauf an. Ich schäme mich dann oft auch. Ich denke mir, was ist mit mir? Aber kannst du dann nicht umschalten? Manchmal ärgere ich mich, weil ich mir denke, lass mich in Ruhe. Aber manchmal denke ich mir, ja stimmt, und ich schäme mich. Und das nächste Mal denke ich mir, es ist ja schon so ein bisschen aufgrund meiner Geschichte, darf ich mich wirklich freuen, auch was in meinen Vorfahren schon alles passiert ist. Ich will ja auch nicht, dass es meinen Schwestern schlecht geht, weil wenn es mir gut geht und meinen Schwestern geht schlecht, dann darf ich mich wirklich freuen und dann freue ich mich eher mal. Vielleicht stirbt sogar dann einmal eine Schwester. Ich will ja, dass es denen auch gut geht.

00:16:29: Sabine: Darf ich dir eine Frage stellen?

00:16:30: Roland: Es kommt darauf an.

00:16:33: Sabine: Die Enkelkinder, da habe ich nicht das Gefühl, dass du da dein sorgenvolles Gesicht hast.

00:16:38: Roland: Das geht gar nicht.

00:16:39: Sabine: Da ist dein schottischer Minenarbeiter weg. Wie machen die das?

00:16:44: Roland: Die zaubern aus mir eine bessere Version von mir selbst. Und das ist nicht ganz fair. Das muss man jetzt wirklich sagen, dass das die Enkelkinder, denen geben wir das, aber unseren Partnerinnen und Partnern, unseren besten Freundinnen und Freunden geben wir das nicht. Dein Bruder, Schwester. Manche Brüder und Schwestern rennen hier herum mit einem Killerblick, weil die Schwester oder der Bruder mir die Schuhe gestohlen hat, anstatt zu sagen, wir verbünden uns und wir gestalten uns auf dem Monitoring. Das, was wir sind, nämlich Verbündete.

00:17:21: Sabine: Ja, und ich habe aber das Gefühl, dass du, wenn wir Zeit haben, wenn wir jetzt nicht im Stress sind mit unserem To-do, sondern wenn wir Zeit haben, uns einmal zu unterhalten oder beim Essen sitzen oder Pause machen, dann sehe ich ein anderes Gesicht. Dann sehe ich einen Roland, der offen ist, der zuhört, der mich liebevoll anschaut.

00:17:46: Roland: Ja, das ist auch ein Teil meiner Liebeserklärung an dich, dass du in mich hineinschauen darfst als jemand, der auch von mir was sehen darf, was nicht jede und jeder sehen darf. Umgekehrt geht es aber auch darum, nach außen, so wie du das Beispiel sagst, mit der Wertschätzung des Podcasts, auch diesen Stolz, diese Dankbarkeit, diese Freude zu zeigen, auch wenn es vielleicht anderen gerade nicht so gut geht und das dann halten zu können. Also nicht nur im Sinne von aushalten, sondern von halten zu können. Weil was hat denn jemand anderer davon, dass obwohl es mir gut geht, ich ein Gesicht mache, das ganz furchtbar ist? Was hat jemand anderer davon, wenn ich sozusagen signalisiere, mir geht es nicht gut, anstatt zu sagen, ja, diese Möglichkeit besteht auch. Da ist schon auch sehr viel Persönlichkeitsentwicklung drinnen für mich selber.

00:18:44: Sabine: Und natürlich das Gesicht, so wie du sagst, als Bub, als kleines Kind sieht man diesen lachenden Roland und später dann dieses eher nicht so lustige Gesicht. Das ist natürlich geprägt auch. Das Gesicht, das wir haben, ist auch geprägt von der Kindheit. Und das zu verändern, ist unsere Aufgabe, auch als Erwachsene.

00:19:05: Roland: Ich erinnere mich gerade an ein Foto von ein paar Jahren, wo meine Mutter noch gelebt hat. Und da waren wir, also meine drei Schwestern und ich und meine Mutter auf dem Foto. Und am freundlichsten reingeschaut hat meine Mutter. Und die hat das ja auch bis zum Leben gesagt, sie ist dankbar und sie ist froh. Aber wir haben alle so ein bisschen ernst und belastet, weiß nicht, aber ernst reingeschaut. Und irgendwie gibt es da schon so ein Familienthema. Ich weiß, dass das manche in unserer Familie nicht so gerne hören, weil es eben auch ein Teil ist, den man vielleicht nicht so gerne anschaut. Aber es ist ja unabhängig davon, wie andere Familienmitglieder da umgehen. Sabine, es gibt die Idee, gerade auch mit dem Podcast, mein Gesicht wieder dazu zu informieren, dass ich zum Beispiel, du bist eine wunderbare Frau und du bist mit mir fast 50 Jahre zusammen und hast mit mir so viel bewältigt und entwickelt, so wie es bis heute ist. Das ist einfach ein Geschenk. Und auch wenn es Herausforderungen gibt, und die gibt es. Und es gibt ja auch Leute, die wollen uns was zur Herausforderung geben. Okay, vielleicht gerade weil sie sich denken, die haben auch Platz dafür. Also mir fällt jetzt gerade eine Person ein, eine Person aus deiner Familie, wo ich mir denke, ja, vielleicht denkt sich die Person auch, na ja, die haben eh so viel Schönes erlebt, die können ruhig jetzt einmal eine Belastung durch mich aushalten. Ist natürlich jetzt sehr gewagt, aber ich meine es ja wirklich auch wertschätzend, weil ich wünsche jedem und jeder in unseren beiden Familien, dass er, sie es gut hat.

00:20:54: Sabine: Ja, und dass ich es mir aber selber auch wünsche, dass ich es gut habe. Und es ist schon ein bisschen, das Feedback von jemand anderem zeigt mir ja nur, was mache ich denn bitte mit mir selber, dass ich so gestresst herumrenne, eben mit diesem Gesicht, das voll konzentriert ist, was ist jetzt alles zu machen, oder eben auch ein bisschen grantig reinschaue, wo ich mir dann denke, hey, was mache ich denn da gerade mit mir und ein bisschen innehalten und sagen, aha, ich habe dieses Gesicht, was könnte ich machen, weil ich will ja gar nicht, ich will ja nicht so, dass mein Lebensgefühl so ist, dass ich so reinschauen muss, sondern ich hätte gerne ein anderes Lebensgefühl, ich hätte gerne entspannte Lebensfreude und dass ich die Aufgaben, die ich mache, in Ruhe mache.

00:21:35: Roland: Ja, und was brauchen wir dazu? Menschen, die, wenn sie, sagen wir mal, wenn sie halbwegs gut drauf sind, weil sonst kann man es ja oft nicht, aber die uns liebevoll die Wahrheit hinhalten. Weil wenn du jemandem sagst, wie kommst denn du daher, wie schaust denn du rein, dann wird wahrscheinlich eher dieser Blick verstärkt oder diese, ja, also so wie bei Max Frisch, der sinngemäß gesagt hat, man muss den anderen die Wahrheit so hinhalten, wie in einem Mantel, in den man reinschlupfen kann und nicht mit einem nassen Fetzen die Ohren bekommen.

00:22:15: Sabine: Und dann innezuhalten sozusagen.

00:22:17: Roland: Lass mich das sagen, ich habe dir oft den nassen Fetzen gegeben und nicht liebevoll gesagt.

00:22:24: Sabine: Und du sagst, in den letzten Jahren sagst du es meistens liebevoll.

00:22:26: Roland: Ja, und ich habe gelernt.

00:22:27: Sabine: Was ist los?

00:22:28: Roland: Ich habe gelernt.

00:22:29: Sabine: Wieso bist du jetzt so ungeduldig? Was hast du schon wieder? Was hast du vor?

00:22:33: Roland: Und es gibt auf dieser Welt, und wir sehen es ja auch tagtäglich im Fernsehen, Menschen, die wirklich lernen müssen. Also auch den Menschen die Wahrheit zu sagen, so quasi zum Beispiel, wir müssen jetzt Ärmel hoch und wir müssen alle gemeinsam sparen. Allerdings das so zu sagen, und wir werden das gemeinsam hinbekommen und nicht einfach nur so hinhauen.

00:22:57: Sabine: Ja, und wenn du mir das sagst, wie einen Mantel, in den ich reinschlüpfen kann, dann ist es natürlich leicht auch, weil sonst würde ich mich wehren und sagen, hör auf, rede mich nicht so an. Aber dann reinschlüpfen in den Mantel und sagen, hey, was mache ich da gerade? Ich stresse mich selbst. Und ich bin ja dabei, das zu verändern. Und ich bin schon seit Jahren dabei und habe mich auch schon verändert. Und habe festgestellt, dass meistens ich mich selber stresse. Und dann schaut mein Gesicht auch so aus. Und dann innehalten und sagen, Moment einmal, kann ich irgendwas streichen von der Liste? Und dann mache ich es entspannt, das Ganze. Und ich erinnere mich an deine Reminder. Vor Jahren hattest du das am Handy, wenn du so Aufgaben hattest. Dann hat der Roland, das war sehr nett, hat der Roland aus dem Handy draufgesprochen. Warte mal, wie war das schnell? Genau so. Lass dir Zeit, und wenn du Lust hast, erledige diese Aufgabe. Das hast du dir selber draufgesprochen. Es war köstlich.

00:23:53: Roland: Das heißt, immer wenn eine Erinnerung gekommen ist, ist das gekommen.

00:23:56: Sabine: Die Erinnerung war, lass dir Zeit, und wenn du Lust hast, erledige diese Aufgabe. Das hat, glaube ich, am Anfang ziemlich gut gewirkt. Ich glaube, im Laufe der Zeit hast du es dann auch nicht mehr wirklich gehört. Du hast dich dann gewöhnt dran. Aber prinzipiell müsste ich auch sowas zu mir sagen. Lass dir Zeit, Sabine. Wenn du Lust hast, erledige diese Aufgabe. Dann gehe ich auch mit einem anderen Gesicht durch die Gegend.

00:24:17: Roland: Und jetzt für die, die uns zuhören, ist mir gerade so die Idee gekommen, was ich manchmal mache. Früher habe ich mir das nicht eingestanden. Aber dass ich in der Früh oder wenn ich gerade auf der Toilette war, mich in den Spiegel schaue und sage, was ist das gerade für ein Gesicht. Und was das Interessante ist, ich sehe dann manchmal etwas, was du wahrscheinlich eh da und siehst. Ich sehe dann, wo meine Augenbrauen vielleicht gerade zu lang sind oder wo ich traurig reinschaue oder wo ich vielleicht verdrückt bin. Aber ich sehe oft so wenig in die Seele von mir selber. Und das wäre zum Beispiel eines, was wir euch so mitgeben für zu Hause. Probiere das einmal. Stell dich vor den Spiegel oder nimm dich auch auf. Wie oft machen wir Selfies und manche machen einen bestimmten Mund- oder Augenaufschlag und stellen etwas dar, was wir vielleicht gar nicht sehen. Schau mal wirklich in deine Seele. Was sieht man da für einen Menschen? Und nimm Kontakt auf, weil das, wenn du in Beziehung lebst, deine Partnerin, Partner, sieht dieses Gesicht ja permanent, immer wieder. Und welche Seele kommt aus deinen Augen, aus deinem Mund, mit all deinen Sinnen? Was ist das für ein Mensch? Wenn du das tust und so ein bisschen modellierst und mir fällt die Möglichkeit ein, so oder so. So ein ernstes Gesicht und ein strahlendes Gesicht. So oder so. Wie willst du durchs Leben gehen? So oder so. Und die meisten von uns, nicht alle, aber die meisten haben eine Wahlmöglichkeit. Es gibt Menschen, da gibt es nicht viel Wahlmöglichkeiten, vor allem in Ländern, wo Krieg ist, aber selbst auch dort. Gerade die Menschen haben dann manchmal, obwohl es so ist, schaue ich jetzt so. Das ist eine Möglichkeit.

00:26:22: Sabine: Ja, dann kommt manchmal auch dieser Lebensdrang und dieser Überlebenswille und dass man dann erstaunlich gut auch Strategien entwickelt, zu leben, auch unter diesen schwierigen Bedingungen. Jetzt sind wir wieder dort. Jetzt sind wir wieder dort.

00:26:35: Roland: Nämlich geht es ums Überleben. Oder geht es ums Leben. Genau, und viele rennen ja herum. Das schönste Monitoring ist der am 24. Dezember zum Mittag. Da sieht man, wenn man da aufnimmt, wie die Leute ganz... Am 23.? Am 24.

00:26:54: Sabine: sieht man schon die entspannten Gesichter.

00:26:56: Roland: Ich nicht, heute nicht mehr.

00:26:58: Sabine: Ich sehe die eher am 23. herumhetzen, weil sie noch irgendwas zu tun haben.

00:27:02: Roland: Am 24. genauso. Die Tage davor, alle, wie wenn das Leben nach dem 24. zu Ende ist, rennen wie die Irren herum. Was heißt die? Ich genauso. Und wir machen uns das Leben immer so schwer. Und wisst ihr, wem wir dafür verantwortlich machen, dass das so ist? Unsere Partnerin Partner. Ja, ich muss ja so herumrennen, weil du machst das nicht. Oder du hast ja daran nicht gedacht, deswegen mache ich es. Bitte nimm einen Tag auf in eurem Beziehungsleben und du wirst Danke sagen, dass deine Partnerin Partner bei dir bleibt. Das heißt, deine Idee ist, Sabine, jetzt so gegen Ende, wie hast du gesagt, du wirst die Partnerin...

00:27:47: Sabine: Meine Idee ist, wenn ich gestresst bin, zu sagen, lass dir Zeit. Und wenn du Lust hast, erledige diese Aufgabe. Oder in der Früh mich in den Spiegel zu schauen und zu sagen, ah, schön, dass du da bist. Das wäre schon mal eine Übung. Das wäre schon eine Übung. Und mir von mir nicht alles gefallen zu lassen. Weil ich stresse mich ja selber. Und ich erzähle mir ja irgendeine Geschichte. Und dann habe ich dieses Gesicht. Also vielleicht auch bei einer Auslage vorbeizugehen und in den Spiegel da zu schauen, wie schaue ich denn gerade rein. Ah, könnte ich vielleicht innehalten und es mir ein bisschen netter gestalten. Meistens geht das schon. Nicht immer, aber meistens.

00:28:27: Roland: Und wenn jetzt ein Argument kommt, das mache ich nicht für ihn oder sie, weil sie hat mich so verletzt oder er, dann nimmst du dir selber etwas. Wenn du jemanden strafen willst, weil du dich verletzt fühlst, dann strafst du dich ein weiteres Mal, indem du dir nicht erlaubst, die Lebendigkeit.

00:28:47: Sabine: Und die beste Version von mir selbst zu sein. Die beste Version meiner selbst zu sein.

00:28:51: Roland: Und wer leidet da auch besonders drunter? Eure Kinder und Enkelkinder. Weil die sagen dann unbewusst, warum schaut der Papa oder die Mama so und warum kommen diese Blicke. Und wisst ihr, ihr könnt es gar nicht verhindern. Eure Töchter und Söhne werden das Lernen von euch kopieren und spätestens, wenn sie dann selber in einer Liebesbeziehung sind, werden sie vielleicht dich kopieren und dann auch mit hängenden Augen herumrennen oder mit einem Überstrahlen, aber nicht zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen. Deswegen zahlt es sich schon aus. Schau doch gerade hin, wo du bist.

00:29:31: Sabine: Das heißt, die Kunst ist, sich von den schönen Dingen, Wertschätzungen, Erfolgserlebnissen, von dem auch nähern zu lassen, innezuhalten. Nehme ich es wirklich rein, nehme ich es zu mir, lasse ich es wirklich sich ausbreiten in mir. Und die To-dos wird es schon immer geben, aber die da liebevoll mir zu sagen, lass dir Zeit, wenn du Lust hast, erledige diese Aufgabe. Die Listen werden schon da sein, aber vielleicht will ich eines von meiner Liste auch streichen und sagen, ja, dann ist mein Tag entspannter und mir auf die Schulter klopfen, super, ich habe etwas losgelassen, ich habe es mir leichter gemacht, bravo.

00:30:09: Roland: Und wie du dich verliebt hast, hast du dich verliebt in jemanden, der deine Verbündete ist oder dein Verbündeter und hol dir das wieder her und sprich mit deinem Mann, deine Frau, mit dem Menschen, mit dem du lebst, mit deiner besten Freundin, Freund und sag, wie erlebst du mich manchmal, wie ist mein Blick, wie passierst du oder ja, ich merke, ich bin manchmal so ernst, ich bin so belastet. Wenn dir das auffällt, sag bitte zu mir, schenk mir ein Lächeln oder anstatt zu fragen, was belastet dich, sondern zeig mir deine Freude und diese Einladung, die geben wir euch mit und wenn das alles nicht hilft, kameramontieren zu Hause einige und dann schau dir den Film an und dann frag dich am Ende des Tages, dann nach dem Ende des Films, ob du diesen Menschen auch noch mal nehmen würdest, nämlich dich, wenn du so einen Menschen in deiner Nähe hast. Ich glaube, wenn man selbstkritisch ist, wird man entdecken, wirst du entdecken, dass es gut ist, wieder so, wie hat der gesagt, der tolle Philosoph, der Rumi, es geht nicht darum, nach der Liebe zu suchen, sondern dich selbst liebenswert zu machen, um dann die Liebe zu finden, nicht nach der du dich sehnst. Also in diesem Sinn, wie immer, wie sagst du so gern Sabine, macht es gemeinsam.

00:31:35: Sabine: Wenn es euch gelingt, dieses Monitoring zu machen und ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern, entweder von deinem Partner oder dein eigenes, am besten beide, wenn euch das gelingt, dann klopft euch auf die Schulter und sagt, ah super, haben wir jetzt gut gemacht. Ja, viel Freude damit und macht es gemeinsam.

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