Valentinstag – wie welche Geschenke ankommen
Shownotes
Der Valentinstag als spezieller Geschenk-Anlass wird beharrlich und mediengestützt zu einem Tag der Romantik erklärt – mit facettenreichen Folgen. Im Idealfall zur Freude der Beschenkten. Immer zur Freude von Floristik-Betrieben.
Erfahre in diesem Podcast, wann ein Geschenk „das richtige“ ist, wo klassische Fallstricke und unangenehme Missverständnisse beim Schenken lauern – und warum es sich auszahlt, beim Geben und Empfangen bewusst hinzusehen und offen zu kommunizieren.
**Abonniere **diesen Podcast, um zukünftige Folgen zu hören – und teile ihn gerne mit Menschen, die von sachkundigen Tipps in Sachen Liebe, Partnerschaft und Familie profitieren könnten.
Was dich vielleicht auch interessiert:
• 🔗Folge 4: Sicherheit oder Leidenschaft – was braucht die Liebe? • 🔗**Liebesdoppel **– Online-Kurs für gelingende Beziehungen: https://www.liebesdoppel.at/ • 🔗Die Website der Bösels: https://boesels.at/index.php • 🔗Die Bücher der Bösels: https://boesels.at/publikationen/ • 🔗Der Newsletter der Bösels: https://boesels.at/newsletter/
Produktion: Umsetzerei Wien
Transkript anzeigen
00:00:08: Roland: Herzlich willkommen bei unserem Podcast Liebesdoppel.
00:00:12: Sabine: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche.
00:00:14: Roland: Hier sind die Bösels, mein Name ist Roland Bösel
00:00:17: Sabine: Und mein Name ist Sabine Bösel. Unser heutiges Thema anlässlich des Valentinstags, wie welche Geschenke ankommen.
00:00:29: Roland: Und für die, die uns nicht so gut kennen oder noch gar nicht kennen, ganz kurz nur, Sabine und ich sind seit fast 50 Jahren ein Paar und haben eine psychotherapeutische Praxis und begleiten seit fast 35 Jahren Paare. Ja und wir sprechen heute über das Schenken.
00:00:48: Sabine: Und wir sprechen über das Schenken in Paarbeziehungen natürlich, aber das betrifft genauso Freundschaften oder den Kollegenkreis, Geschwister, Familie. Es betrifft viele Menschen, aber natürlich was wir am häufigsten hören sind Geschichten über Geschenke innerhalb einer Paarbeziehung, innerhalb eines Paares.
00:01:10: Roland: Und vielleicht note dir das so an, dass du dir denkst, mein Gott, wenn ich schon mal nur das Thema hätte mit dem Schenken, das ist ein Luxusthema. Wir sehen das als ein ganz wichtiges Thema, nämlich mit Schenken und vor allem mit Schenken so, dass es bei der anderen, bei dem anderen ankommt, kann viel in Beziehungen entwickelt werden und ganz gleich, ob man in einer Krise ist, ob es gerade gar nicht gut läuft und wenn es auch besonders gut läuft, Schenken ist wichtig zu wissen wie und es zu lernen, wie es bei mir gut ankommt und auch bei meiner Partnerin, Partner oder in der Familie.
00:01:48: Sabine: Und es ist eine der fünf Sprachen der Liebe, eine wichtige Sprache der Liebe und für manche ist es die wichtigste, für manche ist es auch nicht so wichtig, aber das kann man auch lernen und es gibt Menschen, die tun sich da total leicht und treffen wirklich ins Schwarze mit ihren Geschenken. Es gibt andere Menschen, die sagen, ich weiß gar nicht, was ich schenken soll, ich habe keine Ahnung, ich bin unsicher und da gilt es auch, das zu üben, auch zu lernen, da kreativ zu sein oder sich vielleicht auch ein paar Hilfsmittelchen zu beschaffen, damit man auch ein gutes Geschenk hat, das auch wirklich gut ankommt, das dem anderen Freude bereitet. Das ist natürlich das Ziel des Schenkens, eh klar.
00:02:26: Roland: Und Sabine, wir beide sind ja sehr erfahren, dass auf dem Weg des Schenkens so Fettnäpfchen herumstehen, liegen, die man entweder umgehen kann oder indem man richtig hineinsteigt. Und ich erinnere mich da, jetzt gerade, kannst du dich erinnern, du warst ganz jung.
00:02:44: Sabine: Ich weiß schon, was jetzt kommt, ein großes Fettnäpfchen.
00:02:49: Roland: Danke, danke, dass du das erwähnst. Du warst so jung und warst so, für dich war es schüchtern, dir war wichtig, understatement, eher zurückhaltend. Und ich habe dir ein Geburtstagsfest gemacht, wo ich nicht ein, zwei, drei, sondern ich glaube 15 Leute eingeladen habe. Und ich weiß es noch, ich war so aufgeregt, hab mir gedacht, die Sabine wird sich so freuen.
00:03:13: Sabine: Du hast dir so eine Mühe gegeben damit, das war wirklich aus Liebe, dass du das gemacht hast, um mich zu überraschen. Du wolltest mich überraschen, du wolltest mir wirklich was Liebes tun. Und ich habe das schon auch gemerkt, dass die Leute auch kommen, weil sie mich auch gern haben. Und trotzdem, es hat mich so gestresst.
00:03:30: Roland: Du hast was übersprungen, weil ich habe mich so angestrengt, dass du nichts davon mitbekommst.
00:03:35: Sabine: Ja, diese Überraschung, es war furchtbar für mich, es war grässlich einfach. Wenn ich mich irgendwie hätte wenigstens vorbereiten können drauf, es wäre auf jeden Fall stressig gewesen für mich. Aber ich mache die Tür auf, es läutet, ich mache die Tür auf, es kommen zwei Freunde. Fünf Minuten später läutet es wieder und dann habe ich schon geahnt, ui.
00:03:52: Roland: Ich konnte am Gesicht der Sabine genau sehen, wie ihre Verärgerung immer größer wurde. Und dazu muss man das nochmal betonen, Sabine war es ganz wichtig, eher kleinere Gruppen und ja, nicht überraschend und wenn, dass sie sich darauf einstellen kann, für wen habe ich denn dieses Fest organisiert? Ihr werdet es eh vielleicht beim Zuhören schon erraten. Das Fest habe ich für mich gemacht.
00:04:18: Sabine: Dir hätte es eine Riesenfreude gemacht, wenn jemand sowas inszeniert für dich und so ein großes Überraschungsfest macht, wo auch jeder mitgespielt hat.
00:04:27: Roland: Sabine, es wurde ein Überraschungsfest für mich gemacht, nur habe ich das nicht mitgekriegt, als meine Mutter mit mir aus dem Spital nach Hause gefahren ist.
00:04:36: Sabine: Bei deiner Geburt?
00:04:37: Roland: Bei meiner Geburt, kann mich natürlich nicht erinnern, aber ich habe mir erzählen lassen, da war da ein Riesenfest, also aber irgendwie ging es um den Nachfolger und weniger um mich. Daher habe ich mir gedacht, meiner lieben Sabine mache ich das und bin voll ins Fettnäpfchen gestiegen.
00:04:53: Sabine: Das heißt, wir sind bei dem Fettnäpfchen, ich schenke das, was ich gerne hätte.
00:04:57: Roland: Ja.
00:04:58: Sabine: Und das ist halt wirklich sehr verbreitet, sehr verbreitetes Phänomen und ich gehe dann ins Blumengeschäft und suche dann Blumen aus, die mir am besten gefallen und die schenke ich dann. Damit sind wir schon beim nächsten Fettnäpfchen. Ich glaube, die Geschichte kennst du gar nicht, das war ein Paar, die waren bei mir und haben mir eine Geschichte erzählt über Nelken. Ich bin autorisiert, auch diese Geschichte zu erzählen. Irgendwann haben wir dann auch alle lachen können drüber, aber sie hat ihm gesagt, also ich weiß nicht, Nelken mag ich überhaupt nicht, schau dir das an, das gefällt mir nicht. Und sie war der Meinung, sie hat das laut genug gesagt und hat sich da eh, weil sie findet, Nelken sind so Billigsdorfer oder ich weiß nicht genau was, aus irgendeinem Grund wollte sie das nicht. Sie hatte das Gefühl, das ist so Massenware, irgendwie so. Das war aber auch in der Zeit, wo halt gerade viele Nelken am Markt waren, irgendwie so. Er geht ins Blumengeschäft, denkt sich, so jetzt möchte ich meiner Frau mal wirklich eine große Freude machen und ich überrasche sie und kauft einen Riesenstrauß Nelken. Und sie denkt sich, sie hat sich zwar gefreut, dass er sie überraschen wollte, aber es gefällt ihr halt nicht. Und sie hat wirklich genau die verkehrten Blumen. Er hätte ihr Levkojen schenken sollen.
00:06:11: Roland: Wir gehen es jetzt durch. Ein Fettnäpfchen eben, ich schenke das, was ich eigentlich gern geschenkt haben will. Ein weiterer war jetzt von der Sabine.
00:06:18: Sabine: Einen Hinweis zu ignorieren. Er hat es nicht gehört oder er hat es nicht ernst genommen. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass das so einen Unterschied macht. Blumen sind Blumen, vielleicht für ihn.
00:06:28: Roland: Oder man könnte auch sagen, Wünsche nicht wahrnehmen. Also ich kann mich erinnern, ich habe bei meiner Familie gesagt, bitte keine Gutscheine, bitte Aktivitäten. Was habe ich bekommen? Einen Gutschein. Also schenken bedeutet, mich in die andere Person hineinversetzen. Was könnte er oder sie sich wünschen?
00:06:51: Sabine: Genau. Und es gibt aber Leute, die freuen sich über Gutscheine. Die sagen, gut, dass du nichts ausgesucht hast. Weil ich gehe gerne in dieses Geschäft, wenn das ein Geschäft ist, wo ich weiß, der Mensch kann mit dem was anfangen. Hat gerne dieses Geschäft. Seien es jetzt Möbel oder ein Gewandgeschäft oder Designware oder irgendwas. Und mein Gegenüber hat das gerne und sucht sich aber dann gern selber was aus. Dann ist es ja voll okay.
00:07:17: Roland: Weißt du, was für mich so furchtbar ist? Ich kriege immer Bücher. Du kennst ja meinen Stoß auf dem Nachtkasten. Das wird immer mehr. Weil ich denke mir dann, ich kann doch jetzt nicht das Buch weiter schenken und so weiter. Aber ich sage noch, bitte keine Bücher, weil die Bücher, die ich gerne lese, die kaufe ich mir. Und zu allen anderen komme ich gar nicht. Also selbst wenn es gut gemeint ist, heißt ja auch im Volksmund, gut gemeint ist auch knapp daneben. Es ist dann fast wie ein Stück Belastung.
00:07:46: Sabine: Und das ist dann, jemand denkt sich dann, boah, das Buch hat mir so gut gefallen, das vielleicht gefällt es dem Roland und schenkt es dir wirklich von Herzen und hört aber nicht deinen Hinweis, bitte keine Bücher.
00:07:56: Roland: Was auch noch, Sabine, so ein Fettnäpfchen ist, dazu gehöre ich. Du wünschst dir was. Also das ist schon länger zurück, dass das so war, dass du dir was gewünscht hast. Und ich denke mir dann, nein, aber ich bin noch immer so verletzt, gekränkt. Nein, wo kommt man dahin, dass ich was jetzt dir schenke? Also ich verknüpfe es mit einer anderen Geschichte. Und dass ich dabei aber den Ast mir abschneide, auf dem ich sitze, das wäre mir gar nicht aufgefallen. Nämlich noch dazu, der der näher zum Baumstamm ist. Das heißt, ich rassle dann auch hinunter. Dieses trotzige Verhalten ist ja auch nicht wirklich sehr erwachsen, nicht sehr reif. Ja, schauen wir uns so ein bisschen an, nachdem wir die Fettnäpfchen benannt haben, die für euch aber wichtig sind zu kennen, weil die Fettnäpfchen stehen wirklich herum. Und wenn man da reintappt, dann tut es einem ja womöglich selber leid oder man hat dann sogar Schuldgefühle. Da ist es jetzt auch gut zu sagen, was ist so wichtig zusammen mit Schenken. Zum Beispiel das Schenken nicht an irgendeinen Anlass alleine zu knüpfen.
00:09:05: Sabine: Das kannst du sehr gut, Roland. Du hast mir letztens einen Blumenstrauß gebracht und da habe ich mich sehr gefreut. Es war ohne Anlass. Wir haben ja vor Jahren einmal ein Gespräch gehabt, wo du gesagt hast, naja, ich glaube Sabine, du magst das ja gar nicht so, das mit den Schnittblumen, oder? Dann haben wir kurz darüber geredet und dann habe ich gesagt, naja, ich kaufe mir ja selber auch manchmal welche am Markt. Und da suche ich mir auch gern die aus, die ich will, genau die Farbe, wonach ich gerade Lust habe. Und dann hast du gesagt, willst du das überhaupt? Da habe ich gesagt, naja, ich freue mich schon über Blumen, doch.
00:09:39: Roland: Und ich habe einen offenen Mund gehabt und habe mir gedacht, was ist jetzt los? Du hast ja jahrelang gesagt, du magst das nicht, schon gar nicht, weil jetzt Valentinstag ist, sondern du hast immer gesagt, du findest das auch so furchtbar, weil du weißt, wo die Schnittblumen manchmal herkommen und wie das ist und dass das auch so ein Stück, ja, so aufgesetzt ist.
00:10:01: Sabine: Ja, du warst wirklich überrascht. Ich war selber ein bisschen überrascht darüber, weil ich bin ja oft so pragmatisch. Nein, das brauche ich nicht. Ich brauche diese Romantik nicht. Und dann habe ich gemerkt, oh ja, eigentlich ist es sehr nett.
00:10:14: Roland: Weißt du, jetzt verrate ich dir was jetzt hier im Podcast. Ich habe, glaube ich, das noch nie gesagt. Wenn du in meinen Aufgaben schauen würdest, meine elektronischen, bei mir poppt einmal im Monat auf „Sabine Blumen“, weil ich sage dir was, mir selbst, wenn mir jemand Blumen schenkt, ich wüsste nicht, was ich damit mache. Ich meine, es steht dann vielleicht bei uns in der Wohnung, wir freuen uns, aber es ist nicht so meine Natur. Und wie gesagt, dieses Klassische, meiner Frau schenkt man Blumen, das bin ich nicht. Mir ist wichtig, dir eine Freude zu machen, dich zu beschenken. Und die alle jetzt zuhören, manchmal sehe ich dann diese Aufregung und denke, na, jetzt passt es überhaupt nicht. Aber es hilft mir ein bisschen.
00:10:57: Sabine: Einen Reminder hast du.
00:10:58: Roland: Ja, weil wir sind jetzt beim nächsten schon, es heißt ja auch so schön, stell dich in die Schuhe dessen, dem du beschenken willst. Deiner Frau, deinem Mann, deiner Tochter, deinem Sohn, deiner Mutter, deinem Vater, Schwester, Bruder, guten Freund, Freundin und weißt, wo wir es am besten können, bei den Kindern. Ja, da fehlt es uns oft leicht, nicht? Weil die Kinder, die haben ja schon...
00:11:24: Sabine: Naja, so leicht fehlt es mir nicht, weil unser kleiner Enkelsohn hat mir wirklich tatsächlich gesagt, er möchte einen Müllwagen. Ich habe gesagt, was möchtest du auf deiner Torte haben? Er sagt, er möchte einen Müllwagen drauf haben. Da ist mir der Mund offen geblieben. Nein, das kann doch nicht sein. Dann bin ich in ein Geschäft gegangen und habe gefragt, ob sie einen Müllwagen hat für eine Torte. Und sie hat auch den Mund offen gehabt und hat gesagt, nein, sowas haben wir nicht und sowas gibt es auch nicht. Also ich werde eine andere Lösung finden, aber ehrlich gesagt ist es jetzt gar nicht meine Welt. Ich bin froh, dass sie den Müll weg transportieren, aber ein Müllwagen ist nicht etwas, was ich mir ins Zimmer stellen würde. Aber der Kleine ist einfach fasziniert davon, er liebt es.
00:12:08: Roland: Er möchte eine Torte mit einem Müllwagen.
00:12:11: Sabine: Ja, genau. Also da habe ich mich ordentlich in seine Schuhe stellen müssen, aber ich bin dann auf die Suche gegangen, habe ich schon gemacht.
00:12:19: Roland: Schenken bedeutet, etwas zu schenken, was dem anderen Freude bereitet. Und das heißt auch, ich stelle mich in die Schuhe von ihr oder ihm und antizipiere, was ist das, was er, sie sich wünschen könnte. Und was tue ich, wenn ich nicht drauf komme. Also ich wäre zum Beispiel niemals drauf gekommen, dass bei dir mit den Blumen. Aber jetzt, wenn wir von den Blumen einmal weggehen, was, wenn du jetzt zuhörst und vielleicht lebst du gerade in einer Beziehung, lebst aber auch nicht in einer Beziehung, aber es geht um deine gute Freundin, Freund. Was ist der nächste Schritt, wenn ich es nicht antizipieren kann oder auch mir unsicher bin?
00:12:55: Sabine: Ja, da fällt mir jetzt gerade eine Situation ein, beim letzten Imago-Workshop. Eine Frau sitzt bei mir und hat eine Bitte formuliert für ihren Mann. Und eines war davon eine Aktivität. Und dann habe ich gesagt, naja, was jetzt genau? Naja, das weiß er schon. Was heißt eine Aktivität?
00:13:13: Roland: Nein, eine Bitte.
00:13:14: Sabine: Sie hat ihm gebeten, dass es die Aufgabe war, Bitten aufzuschreiben. Drei verschiedene Bitten. Und eine davon war eine Aktivität. Und ich sage, bitte, was meinst du damit? Ich würde mich nicht auskennen. Und dann hat sie gemeint, also einmal am Abend. Es geht um Ausgehen. Okay. Und was könnte das sein? Bitte zähl mir auf, was du meinst. Aha, soll ich das so genau aufschreiben? Ja, bitte schreib es auf. Dann hat sie aufgeschrieben, ja, entweder Kabarett oder einen Kinofilm, der gerade in ist, oder Theater. Es kann aber auch eine Bar sein, ein Jazzkonzert oder irgendso was. Also sie hat, glaube ich, fünf verschiedene Sachen aufgeschrieben. Und dann habe ich gesagt, naja, und willst du, dass er das mit dir vorher bespricht? Willst du das wissen vorher oder nicht? Weil das ist ja auch eine wichtige Frage.
00:13:59: Roland: Ja, weil wenn man sagt, heute Abend gehen wir ins Kabarett und man hat sich nicht darauf eingestellt, ist ja auch nicht leicht.
00:14:05: Sabine: Man will vielleicht einen Schlapfenabend haben oder so irgendwas.
00:14:09: Roland: Oder braucht ein bisschen Vorlaufzeit, um sich frisch zu machen.
00:14:12: Sabine: Genau. Und dann hat sie gesagt, ich will es nicht wissen. Ich will nur den Termin wissen. Okay, dann schreib bitte auf. Ich will den Termin wissen. Wie viel früher magst du es wissen? Und nur, dass sie weiß, okay, wir gehen weg. Zieh dich schön an. Wir gehen weg. Und er soll bitte selber was aussuchen. Und da hat sie dann zu mir gesagt, ich glaube, das kann der nicht. Der fragt ja immer mich. Sag ich, na hallo, vielleicht kann er es lernen. Er ist ja ein erwachsener Mann. Vielleicht kann er es lernen, dass er selber mal das Programm aufschlägt oder sich eine Beratung suchen, wie auch immer. Aber sie hat dann gesagt, sie hat gestrahlende Augen gehabt bei der Idee. Sie geht aus mit ihm und er hat es überlegt und nachgeschaut im Programm, was es gibt.
00:14:53: Roland: Ja, das heißt, was die Sabine jetzt so schön beschrieben hat, da ist schon auch ein bisschen Gespräch notwendig, um herauszufinden. Weil wenn ich selber mich in die Schuhe zwar hineinstelle, in dem Fall von der Sabine, aber keine Antwort gerade finde, dann ist es meine Aufgabe zu sagen, du Sabine, was ist eigentlich das, womit ich dir eine Freude bereiten kann? Umgekehrt erinnere ich mich gerade, Sabine, du hast ja vor vielen Jahren mir Marron Glacé mitgebracht. Und ich habe mir gedacht, oh, die Sabine. Naja, du, ich habe mich wirklich gefreut, weil das heißt ja eigentlich, ich denke an dich, ich habe dir was mitgebracht, du hast mir was geschenkt. Was die Sabine nicht wusste, dass ich als Kind oft so Marroni-Torten essen musste oder angeboten bekommen hab und ich es nicht so will. Dann war es auch wichtig, dass ich ein Feedback gegeben habe, dass du mir sagst, du, danke, dass du mir was geschenkt hast. Und ich liebe zum Beispiel Pariser Spitz, und jetzt werden alle ein bisschen lachen, und ich will eher die dunkle Schokolade. Es gibt ja auch Milchschokolade. Heute bin ich so weit, dass ich sage, keines von beiden, weil ich mir auch damit was Gutes tun will, weil wir eh schon genug Zucker zu uns nehmen. Aber was so die Aufgabe ist, wenn du in Beziehung lebst oder wenn du dir überlegst, einer guten Freundin, Freund etwas zu schenken, wenn du merkst, du rutscht vielleicht eher in die Gefahr, dir zu überlegen, was will ich selber oder dem auch vielleicht oder der zu sagen, das schenke ich jetzt mal, weil der soll jetzt einmal endlich diesen Pilates-Kurs machen, weil der ist eh zu dick. Das heißt, Geschenke zu machen, um den anderen irgendwie ein Wachstum zu geben, das ist ja nicht in die Schuhe des anderen stellen, sondern da will ja ich was bewirken. Dann ist es meine Aufgabe in Beziehung zu sagen, was kann ich dir schenken und da ist ganz wichtig, dass dann derjenige, der gefragt wird auch, es gibt dann manche, die sagen, ich habe alles, ich brauche nur eines von dir, dieses Geschenk und dann kann man fast sicher sein, dass das manchmal schon ein großes Thema in der Beziehung ist, wo es um etwas anderes geht. Also das heißt, gewisse Flexibilität und was wir auch gesagt haben und das ist, glaube ich, ganz wichtig, auch wenn unsere heutige Folge anlassbezogen auch rund um den Valentinstag stattfindet. Schenken ist ein Tag, der jeden Tag stattfindet, jeden Tag.
00:17:27: Sabine: Und ich finde auch den Spruch schön, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, aus dem Volksmund, weil ich finde wirklich, ich freue mich über kleine Geschenke sehr. Ein großes Geschenk kann einen ja auch überfordern oder auch beschämen. Ich kriege so ein riesen Geschenk, ich kann es ja fast nicht annehmen und ich kann es dann gar nicht annehmen. Und wenn es aber eine Kleinigkeit ist, so eine kleine Aufmerksamkeit, dann kann ich es auch annehmen und fühle mich auch gesehen, fühle mich wertgeschätzt. Also es tut einfach gut, es ist ein Seelenstreichler auch.
00:17:59: Roland: Und jetzt, wenn wir schon dabei sind, Sabine, wenn wir davon reden, dass es nicht anlassbezogen sein muss, was geben wir denn den Menschen mit, was gerade in besonderen Beziehungen, bleiben wir jetzt mal bei der Paarbeziehung, was könnte denn das sein? Also mir fällt gerade ein, wenn du mir ja einen Brief schreibst und wo du mir schreibst, was du an mir liebst, warum du gern mit mir zusammen bist, dann ist es für mich mehr als zehn Pariser Spitz.
00:18:27: Sabine: Ja, ein immaterielles Geschenk. Und das glaube ich, an das denken wir oft gar nicht. Also ich denke selten dran, aber ich habe es jetzt gehört, Roland. Wertschätzung.
00:18:40: Roland: Bin ich selbst ein Geschenk? Ist ja auch dann eine Frage, nicht? Wenn ich es nicht annehmen kann, weil du sagst, man kann es nicht annehmen. Das heißt, in der Auseinandersetzung, wenn man in einer Paarbeziehung lebt, bin ich ein Geschenk? Oder was lässt mich zweifeln, warum ich beschenkt werden könnte? Das ist auch eine wichtige Frage.
00:19:02: Sabine: Da ist es gut, eben etwas Immaterielles, ein Kärtchen. Und manchmal ist mir das Kärtchen, das ich bekomme, wichtiger als ein Geschenk. Also das Kärtchen, das jemand schreibt, dass jemand sich Worte einfallen lässt für mich, zum Beispiel du, aber vielleicht auch Freunde, Familie im weitesten Sinne. Jemand, der mich beschreibt oder sagt, was er oder sie an mir schätzt, ist mir manchmal viel wichtiger als das Geschenk, das ich dann bekomme.
00:19:30: Roland: Also ihr merkt schon, wenn ihr zuhört, es geht da auch um eine Kreativität zu entwickeln. Gerade wenn man vielleicht noch gar nicht so lange zusammen ist, das Paar, weiß ich es vielleicht nicht. In der Verliebtheit weiß man es oft, aber dann, wenn die Verliebtheit abklingt und wir im Beziehungsalltag gelandet sind, dann geht es darum, diese alltägliche Geschenkkultur zu entwickeln, das heißt nicht, ich muss jeden Tag ein riesen Geschenk machen, nur dass ich es sozusagen bei mir habe, dass es gut ist, immer wieder Geschenke zu machen. Das ist ein Teil von einer bewussten Beziehung. Also wir erinnern daran, dass wir immer wieder von dem Schlüssel sprechen, der darin liegt, wir brauchen eine bewusste Beziehung, nicht eine, wo alles unbewusst ist und man wie in der Verliebtheit glaubt, es geht alles von alleine. Es ist eine tägliche Aktivität und da ist Schenken ein wirklich schöner Teil. Mir fällt jetzt noch eins ein, Sabine, kannst du dich erinnern, ich habe einmal ein Buch bekommen und ich habe das dann weiter geschenkt und die betroffene Person, die mir das geschenkt hat, hat es dann gemerkt und war dann ganz böse, kannst du dich erinnern? Und ich hab das dann mit der Person gut geklärt. Was uns wichtig ist, euch zu vermitteln, geschenkt ist geschenkt.
00:20:48: Sabine: Genau und ich finde das ganz wichtig, diese Freiheit auch zu haben. Ich habe da wirklich jahrzehntelang das Gefühl gehabt, wenn ich das von einer lieben Freundin oder Freundin geschenkt bekomme, ist es dann zu Hause gelegen, es liegt dann irgendwo auf einem Schrank, auf der Kommode. Ich denke mir, das hat jemand sich wirklich überlegt für mich und ich kann aber nichts anfangen damit. Ich habe die Zeit nicht, ich habe die Muße nicht, aus irgendeinem Grund passt es halt nicht für mich und das dann weiter zu schenken oder herzugeben, ist finde ich ganz schwierig.
00:21:20: Roland: Ich erinnere mich gerade, dass einmal einer unserer Söhne gesagt hat, er kann das nicht weggeben, weil das hat er doch vom Papa bekommen und er hat sich so viel überlegt und wenn ich das weggebe, dann tue ich ihm weh.
00:21:33: Sabine: Das ist ja dann eigentlich keine Freude, es ist eine Qual dann.
00:21:36: Roland: Und wenn wir was schenken in einer Beziehung und das kommt gut an und dann ist das natürlich sehr erfreulich und wenn es weniger gut ankommt, dann ist es erstens wichtig, in der Beziehung vielleicht auch zu sagen, ja, danke für den Marron Glacé, ich sehe, du hast an mich gedacht und ich kann es nicht essen. Es ist zu sehr mit Erfahrungen verknüpft, wo ich als Kind Marroni-Torte essen musste.
00:22:01: Sabine: Und habe ich schon mehr gelernt in den letzten Jahrzehnten, dass ich das dann auch weiter schenke und da habe ich jetzt mittlerweile schon eine gute Wahrnehmung, also gute Ideen dazu. Oder so eine Bonbonniere. Werde ich die essen oder werde ich die nicht essen? Es ist für mich auch besser, wenn ich nicht so viel Süßes esse. Dann schenke ich es jemandem und die Person freut sich dann und das ist vielleicht genau der richtige Zeitpunkt. Mittlerweile finde ich das voll okay.
00:22:26: Roland: Letztens habe ich was sehr Schönes gehört, dass ein Mann einer Frau das Geschenk gemacht hat, dass er mitgeschrieben hat über zehn Wochen, was so besonders war und dann hat er an einem bestimmten Tag ihr den Zettel übergeben und dann auch mit ein paar Blümchen dazu gezeichnet.
00:22:45: Sabine: Besonders schöne Momente, glaube ich. Besonders schöne Momente und er hat es aufgeschrieben. Er hat gesagt, er merkt sich das gar nicht so. Deswegen hat er es aufgeschrieben und es passiert aber oft was Schönes und wir sind ja alle dazu geneigt, dass wir uns mit den Problemen den Kopf voll machen. Deswegen hat er es aufgeschrieben. Das fand ich genial, die Idee.
00:23:06: Roland: Und sie hat dann gesagt, das ist der schönste Blumenstrauß, den ich jemals bekommen habe, weil der Fächer, der sich entfaltet hat, das ist auch so ein schönes Bild, dieses Blumenstrauß hat meine Seele erreicht. Du weißt, von wem wir reden. Die haben es gerade gar nicht so leicht miteinander, so viele Herausforderungen, aber sie haben gesagt, das hat mir wieder gezeigt, wie stark wir verbunden sind und wie groß diese Vielfalt ist und dass es ja möglich ist, dass wir das gut hinkriegen, dass wir diese Krise meistern. Da sieht man schon, dass das auch nicht abhängig ist davon, wo stehen wir gerade in der Paarbeziehung, um einander Geschenke zu machen. Ja, für heute ist uns wichtig, zusammenzufassen, dass es wichtig ist, wenn du schenkst und dass du das als schönes Ritual siehst, dass es nicht etwas Automatisches ist, dass es auch braucht, dein Bewusstes immer wieder innezuhalten. Braucht sie oder er vielleicht ein Geschenk? Dass das ein Ritual ist, wo es wirklich darum geht, einander Freude zu bereiten?
00:24:09: Sabine: Dann auch im Zweifel, wenn man sich nicht sicher ist, nachfragen. Was wünschst du dir?
00:24:14: Roland: Also vor allem in die Schuhe stellen, was will er oder sie?
00:24:16: Sabine: Ja, wenn ich sowieso eine super Idee gleich habe, dann ist wunderbar, ansonsten kann ich auch nachfragen und kann mir auch eine Liste holen. Das ist erlaubt, zu sagen, schreibe mir ein paar Sachen auf, die dir Freude machen würden und im Laufe der Zeit kann man es auch lernen, bestimmte Personen zu beschenken.
00:24:31: Roland: Aber weißt, dann kommen die dann, die sagen, wenn ich eine Liste machen muss, dann kann er mich ja nicht wirklich lieben oder sie mich.
00:24:37: Sabine: Ja, es ist eben auch eine Übungssache, manche können das sehr gut, können das erraten, die Wünsche, und manche können es nicht so gut, brauchen ein bisschen Hilfestellung.
00:24:46: Roland: Und sich auch die Zeit zu gönnen, diese Kreativität zu entwickeln und auch lernen, Geschenke anzunehmen und das Minimum ist, zu sagen Danke, wirklich vom Herzen sagen Danke. Ich sehe, du hast dir da einiges überlegt. Danke und ich sehe auch, dass du dich in meine Schuhe gestellt hast und vielleicht zwei, drei Tage später vielleicht noch einmal Danke zu sagen oder zu sagen, du, ich will jetzt was sagen zu dem Geschenk, das hat mich sehr, sehr gefreut. Und ich mag statt Blumen lieber, wenn du das oder jenes mir aufschreibst. Also ein Feedback ist dann auch erlaubt und sogar wünschenswert. Das heißt, wir wünschen euch in euren Beziehungen, dass es euch gelingt, in die Schuhe der anderen zu gehen, um herauszufinden, was ist denn das, was diesen Menschen wirklich Freude bereitet. Und wenn es aber nicht gelingt, das gehört dazu. Das Gelingen ist ein Geschenk in Beziehungen, das natürlich auch mit Beziehungsarbeit zu tun hat. Es darf auch einmal daneben liegen, aber dann wird wahrscheinlich das nächste Geschenk viel mehr landen können. Übrigens, wir empfinden es als ein Geschenk und ein Privileg, dass wir diesen Podcast sprechen dürfen, weil wir unsere jahrelange Erfahrungen hier zum Besten geben dürfen. Das ist ein Privileg und auch ein Geschenk und vielleicht auch ein bisschen für dich, die Menschen, die uns zuhören, etwas wie einen Impuls zu kriegen. Und wenn es das nicht war, weil es eben knapp daneben, auch daneben ist, dann lass es vorbeiziehen.
00:26:27: Sabine: Dann war es nicht so ein gutes Geschenk. Diese Geschenke muss man ja nicht nehmen, die man nicht brauchen kann. Wenn du aber jemand bist, der das gut kann, dann gratuliere ich dir. Wenn du gut schenken kannst und weißt und die Leute auch dir sagen, ja, das ist toll, hast ins Schwarze getroffen, dann gratuliere ich dir. Wenn nicht, ich gehöre eher zu der Kategorie, die das oft nicht so wissen oder wussten. Ich habe es auch immer besser gelernt und wenn ich mich, wenn ich ganz unsicher bin, dann frage ich den Roland, was meinst du? Was glaubst du? Ich habe die und die Idee, was meinst du?
00:26:58: Roland: Wir wünschen euch, dass das Leben, das Laufband des Lebens euch viele Geschenke noch vorbeibringt und dass ihr in der Kreativität euch entwickelt, um gut Geschenke machen zu können, weil das ist ja dann auch meistens wechselseitig. Dann freue ich mich auch. Danke, dass ihr dabei wart.
00:27:17: Sabine: Viel Freude dabei und bleibt dran und macht es gemeinsam.
Neuer Kommentar