Der Paarraum – das Hoheitsgebiet der Liebe

Shownotes

Im Wesentlichen meint der sogenannte Paarraum etwas, das über Wände hinausgeht: Ein ganzes Feld, in dem das Paar seine eigenen Regeln definiert und lebt – und sich erlaubt, Grenzen gegen Einmischungen von außen zu setzen.

Ein Tipp dazu: Mit dem Partner, der Partnerin ebenso offen kommunizieren – unter vier Augen – wie jeweils mit der Außenwelt, die draußen bleiben soll. Denn:

Die Liebe gedeiht dort, wo wir ihr nicht in den Rücken fallen.

Wie du deine Beziehung liebevoll schützt und das Recht auf Abgrenzung zu zweit in Anspruch nimmst, erfährst du von Sabine und Roland Bösel. Wie gewohnt mit der Expertise aus Jahrzehnten und anhand anschaulicher Beispiele.

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Produktion: Umsetzerei Wien

Transkript anzeigen

Sabine: Hier sind die Bösels. Mein Name ist Sabine Bösel.

Roland: Mein Name ist Roland Bösel.

Sabine: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Liebesdoppel.

Roland: Der Podcast fürs Zwischenmenschliche. Ja, wir wollen heute gerne über den Paarraum sprechen. Vielleicht ein Begriff, der nicht so alltäglich ist. Der Paarraum ist der Raum, wo das Paar, in dem Fall die Sabine und ich, geschützt sind auch für unsere gemeinsame Paarentwicklung, wo wir exklusiv sind, wir zwei.

Sabine: Der ist wichtig, dass man den definiert, und das kann man ganz konkret definieren, aber auch abstrakter. Konkret wäre das zum Beispiel die Wohnung, eine Wohnungstüre, wirklich ganz konkret, oder ein Haus, ein Garten, ein Zaun um den Garten. Aber das kann man, wenn man das symbolisch, wenn man es auf die symbolische Ebene hebt, kann man es auch wieder definieren, wie dick ist der Zaun um den Garten, wie viel Raum ist für uns als Paar, wo niemand anderer rein darf.

Roland: Und wir sprechen heute deswegen darüber, weil wir in den vielen Paaren, die wir begleitet haben, gesehen haben, dass meistens dieser Paarraum zu wenig Schutz, zu wenig Grenze hat. Es gibt zwar manche auch, wo es umgekehrt ist, wo das zubetoniert ist und keine Öffnung nach außen hat, aber meistens ist er zu durchlässig. Sabine und ich haben ja sehr jung geheiratet und haben dann im elterlichen Haus begonnen, uns eine Wohnung einzurichten. Während dem Umbau hat dann mein Vater, der leider schon 1998 verstorben ist, damals gesagt, na ja, ihr lasst sicher da die Tür zwischen eurer und unserer Wohnung. Und ich habe ihn ganz entgeistert angeschaut und gesagt, nein, Papa, da kommt keine Tür, da wird zugemauert. Er soll selig ruhen. Damals war er sehr erbost darüber. Warum war er erbost? Ja, weil er selbst mit seiner Mutter in einer Wohnung gelebt hat. Da war also meine Mutter, mein Vater und die Mutter meines Vaters. Für ihn war das ganz normal und er ist davon ausgegangen, dass wir das jetzt auch so machen. Und es hat damals einen ziemlichen Konflikt gegeben. In dem Fall hat damals auch meine Mutter mich dann unterstützt und hat gesagt, nein, das geht nicht. Nur weil wir das so gehabt haben. Warum hat meine Mutter mich unterstützt? Klar, weil sie sehr darunter gelitten hat, dass ihre Schwiegermutter da oft selbst am Schlafzimmer meiner Eltern nicht Halt gemacht hat. Und das ist jetzt sicher ein extremeres Beispiel, aber ich kann mich erinnern, Sabine, kannst du dich noch erinnern, mein Vater hat dann gefragt, ob eine Türschnalle kommt.

Sabine: Das war das eine, das war das zugemacht wird und das praktisch zwei Wohneinheiten sind. Und das andere war eben die Eingangstüre vom Stiegenhaus, dass dort eben, ich glaube, da war vorher eine Türschlange, genau weiß ich es jetzt nicht mehr, aber es wurde jedenfalls ein Türknopf dran gemacht und eine Klingel.

Roland: Er hat dich gefragt.

Sabine: Und er hat mich gefragt, warum das jetzt so ist und dass er jetzt klingeln muss, dass er läuten muss, wenn er bei uns rein will. Für mich war es halt ganz normal, weil ich bin halt anders aufgewachsen. Wir waren halt in so einem ganz normalen Wiener Mietshaus, wo wir die Wohnung gemietet haben und das war eh klar, dass da immer eine Türklingel ist, bei jeder Wohnung. Also mich hat es eher verwundert, die Frage. Aber was mir jetzt gerade auffällt, wenn ich dir zuhöre, dass das für dich so selbstverständlich war, wo du ja so aufgewachsen bist, dass deine Großmutter im Nebenzimmer war. Aber für dich war es klar, dass das zugemacht wird und dass das unser Raum ist.

Roland: Aber ich sage dir jetzt was, wir haben den Podcast auch vorbereitet, haben uns eingestimmt. Was mir jetzt aufgefallen ist selber, als ich es erzählt habe, da hast du schon einen großen Beitrag geleistet. Also das will ich jetzt schon noch, dass du das jetzt hörst, meine Wertschätzung. Du hast mir nämlich schon vorher erzählt, dass du gesagt hast, merkst du eigentlich, wie symbiotisch das manchmal in eurer Familie ist. Und wir waren ja doch schon ein paar Jahre zusammen, wie wir geheiratet haben. Also da hast du schon noch einen Beitrag geleistet, dass ich dann gespürt habe, nein, da ist eine Grenze.

Sabine: Was ich noch sagen möchte, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, was faszinierend ist, dass ich von dieser Großfamilie irgendwie begeistert war. Auf eine Art. Auf der einen Seite habe ich diese, von deiner Großfamilie, wo oft einmal in der Großfamilie was gefeiert wurde, das hat gewuselt und das hat mir ziemlich imponiert. Inklusive auch die Firma Bösel, die unten ja war im Erdgeschoss, wo es auch gewuselt hat. Das hat mir imponiert.

Roland: Für die, die es nicht wissen oder noch nicht gehört haben, ich komme aus einer großen Unternehmensfamilie. Meine Eltern hatten eine Fleischselcherei, da wurde immer auf die Selcherei sehr viel Wert gelegt. Und da waren 70 Leute manchmal in unserem Haus. Dieses Gewusel meinst du?

Sabine: Das Gewusel meine ich. Und ich bin so aufgewachsen, es war eine Mietwohnung, das war uns, wir als Kleinfamilie haben da gewohnt und die die Tür war natürlich zu und die Grenze war klar und es war mir manchmal zu eng, so wie ich aufgewachsen bin. Es war manchmal zu eng und zu klein, zu wenig Ansprechpartner. Ich hätte gerne gehabt, dass ich mal bei der Tür rausgehen kann und den unteren Stock und sehe da andere Leute zum Beispiel. Im Sommer waren wir immer an der Alten Donau und da bin ich dann, das passt nämlich jetzt auch gut zu dem Thema, ich bin über den Zaun rübergeklettert zu den Nachbarn und wenn es mir zu viel war zu Hause, bin ich über den Zaun rübergeklettert und die Nachbarn, das war eine andere Welt für mich. Und das war super, weil da hatte ich so einen Fluchtweg und den hätte ich glaube ich als Kind auch ganz gern gehabt. Das war nur halt nur im Sommer für ein paar Wochen.

Roland: Jetzt fällt mir dieses alte afrikanische Sprichwort ein, zum Kinder kriegen braucht es zwei, zum Erziehen ein ganzes Dorf. Bei dir war das Dorf eher sehr klein, bei mir war es sehr groß.

Sabine: Ich hatte kein Dorf.

Roland: Und bei mir war es aber so, dass, also ich kann mich noch erinnern, als Kind um zwölf in der Nacht ist die Tür aufgegangen, da ist der Mitarbeiter gekommen, der hatte nämlich einen Schlüssel gehabt von der Wohnung, von unserer Wohnung und hat aufgesperrt und hat sich eine Kassette, die stand neben der Tür, wo die ganzen Schlüssel von den Kühlhäusern drinnen waren. Das heißt, der hat sich dann das genommen und es war interessant.

Sabine: Das war für mich unvorstellbar.

Roland: Heute nicht vorstellbar. Also bei mir waren die Grenzen viel zu weit offen.

Sabine: Und was wir in der Praxis sehen, dass die Menschen, die zusammenkommen, die ein Paar dann sind und vielleicht auch heiraten oder Familie gründen, also die sich dann als Paar definieren und vielleicht auch gemeinsam wohnen, dass es fast immer unterschiedliche Erfahrungen gibt. Also fast immer. Es kann ja fast nicht sein, dass jemand genau das gleiche erlebt hat als Kind, sondern es gibt halt Gegensätze. Und der eine hat eben in dem Dorf gewohnt, wo es offen war, wo viele Leute waren und es war schön, wenn es gewuselt hat. Da gab es viele Ansprechpartner. Ich habe in der Höhle gewohnt mit meiner Familie und nach außen ist dann niemand reingekommen in die Höhle. Für mich war es ein bisschen eng und zu wenig Leute rundherum.

Roland: Und wir erleben das oft bei Paaren, dass dieser Raum nicht genug geschützt ist. Bei meinem Beispiel, dass die Tür offen sein muss und wenn das Paar Raum braucht für die Paarbeziehung, dass dann oft die Tür offen steht. Bei den Kindern kann man nicht sagen, geht wieder spielen. Man kann man schon sagen, aber einem zweijährigen Kind kann man das nicht sagen. Aber den Erwachsenen kann man schon sagen, jetzt haben wir Paarzeit.

Sabine: Genau und das ist, wenn du als Paar zusammenkommst und eben verschiedene Dinge erlebt hast als Kind und verschiedene Vorlieben hast, ist es wichtig, dass man darüber redet und sagt, wie wollen wir es denn definieren? Wo ist unsere Grenze? Wer darf bei uns bei der Tür rein? Wann ist die Tür auch offen? Also das wir es gemeinsam definieren, weil wir kommen fast immer aus ein bisschen, also meistens sind es unterschiedliche Welten. Vielleicht sind die Welten total konträr und mir fällt jetzt gerade ein, dass die Höhle, wo ich aufgewachsen bin, war gar nicht so klein, weil wie ich dann so zehn Jahre alt war, ist dann meine Großmutter ins gleiche Haus gezogen. Es war ein Mietshaus, ein Stockwerk höher hat meine Großmutter gewohnt. Da gab es praktisch jetzt auch ein bisschen erweiterte Familie und das Tolle war, dass sie ja den Fernseher hatte damals. Wir hatten keinen Fernseher und dadurch haben wir uns dann bei ihr versammelt. Das heißt, da ist schon ein bisschen mehr Erweiterung gewesen.

Roland: Aber weißt du, was mir gerade aufgefallen ist, dass wir es nicht wirklich besprochen haben? Ich glaube, vor allem als junge Menschen haben wir das nicht besprochen und ich glaube, wir reden heute auch darüber, weil wir denen, die gerade in einer Paarbeziehung leben, für die, die gerade in keiner Paarbeziehung leben, ist es vielleicht der Ausblick für die nächste Paarbeziehung, rechtzeitig zu schauen, wie will ich es auch haben. Weil das Ganze gibt es ja auch verbal, nicht? Also es ist ja nicht nur der Paarraum jetzt von Türen und Fenstern definiert, es gibt ja auch den verbalen Paarraum und ich kann mich erinnern, du hast mir mal erzählt, wie sehr dich das als Kind was getroffen hat. Ich weiß nicht mehr, was war, aber dann bei der nächsten Familienfeier bei uns habe ich dann erzählt von dir, was du mir erzählt hast, und du hast mir dann nachher gesagt, Roland, das war ausschließlich für dich.

Sabine: Ich war ziemlich sauer, glaube ich.

Roland: Ja, du warst, glaube ich, sehr sauer. Ich weiß den Inhalt nicht mehr, ist auch jetzt im Moment, glaube ich, nicht so wichtig, aber das ist auch so wichtig, was wir euch, die die zuhören, mitgeben wollen. Auch beim Verbalen ist es wichtig, dass man als Paar sich abstimmt, was ist für meine Partnerin, Partner bestimmt und was darf ich auch darüber hinaus erzählen. Muss man jetzt nicht in jedem Detail besprechen, aber wenn es vor allem um Intimität geht und da meine ich nicht nur die Sexualität, sondern überhaupt intime Sachen, die einen Menschen ausmacht und sei es nur, dass, ich sage jetzt Beispiel, Sabine hätte einen neuen Beruf, dass ich sage, du, wir sind am Wochenende dort, kann man da schon drüber reden oder möchtest du es erzählen?

Sabine: Genau, möchtest du es selber erzählen oder darf ich es erzählen und zum Beispiel, wie es uns schlecht gegangen ist, wie wir da die Krise hatten und wirklich sehr, sehr große Konflikte hatten, da wäre es mir gar nicht recht gewesen, wenn du da deinen Eltern was davon erzählst. Ein bisschen werden sie schon mitgekriegt haben, von der Stimmung her, aber ich hätte es gar nicht wollen, dass die da was darüber wissen. Eigentlich können sie es dann gar nicht richtig machen. Wenn ich jetzt denke, meine Schwiegereltern hätten sie dann zu dir gehalten und gesagt, die Schwiegertochter ist arg, wäre es ganz falsch gewesen. Hätten sie zu mir gehalten, wäre es auch falsch gewesen, das hätte ich auch nicht wollen, weil dann wären sie ja zu dir auch illoyal gewesen. Also eigentlich müssen die dann ruhig sein und keine Kommentare abgeben. Ich glaube nicht, dass du was erzählt hast davon. Ich habe mich bemüht, es nicht zu erzählen, obwohl meine Mutter war recht neugierig.

Roland: Aber das hat auch einen Grund gehabt. Ich habe gespürt, dass sie nicht ganz mit dir zufrieden sind und ich wollte jetzt ihnen auch nicht irgendwie Futter geben, dass sie jetzt sagen, naja, wir haben es dir ja eh gesagt oder so. Also ich habe dich da auch geschützt und damit mich selber auch. Ich wollte nicht, dass darüber geredet wird.

Sabine: Diese ganzen Kommentare, wenn jemand Kommentare abgibt, ist es eigentlich nicht gut. Und vielleicht komme ich jetzt gleich zu den Freunden der Beziehung. Das ist ja eines, was wir auch sehr gerne bei unseren Workshops erzählen.

Roland: Wir haben es auch bei den gelingenden Beziehungen schon angesprochen, dass wir Freunde unserer Beziehung brauchen.

Sabine: Ja, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, es gibt Freunde der Beziehung und es gibt Leute, die sich viel zu viel einmischen und unangenehme Kommentare schieben. Und das braucht man nicht als Paar. Freunde der Beziehung sind die, die zuhören, die sagen, oh, jetzt habt ihr es gerade schwer miteinander, ihr streitet. Aber es ist kein Freund, wenn jemand sagt, oder Freundin, wenn jemand sagt, na, jetzt musst du dich unbedingt trennen, das ist ja unmöglich. Oder was hast du gemacht, das kannst du ja nicht. Also diese Wertungen, wenn jemand anfängt, das zu bewerten und noch schöner, wenn jemand dann noch Diagnosen dann erstellt. Dein Mann ist ja das und das oder du bist ja so und so. Du bist ja narzisstisch oder dein Mann ist narzisstisch oder sonst was.

Roland: Jetzt hast du es gesagt.

Sabine: Jetzt habe ich es gesagt. Ui, das Unwort, das ist ja so in das Wort.

Roland: Ja, weil es in ist.

Sabine: Weil es sehr schnell einmal herbeigeholt wird.

Roland: Weil es zur Waffe verwendet wird. Aber kannst du dich erinnern, als wir unsere Psychotherapie-Ausbildung gehabt haben, wir haben uns die Diagnosen im Streit so richtig hingehaut. Und das war heftig.

Sabine: Das ist eine Waffe.

Roland: Und das gehört zwar vielleicht nicht unbedingt zum Paarraum, aber es ist an der Stelle wichtig zu sagen, wir Menschen sind nicht nur ein Mensch. Also wir haben verschiedene Seiten. Ich finde das sehr schön, dieses Seitenmodell. Vielleicht eine dieser Seiten hat eine Diagnose, aber deswegen bin ich nicht die Diagnose.

Sabine: Du bist das nicht.

Roland: Ich bin das nicht. Ein Teil von mir hat dieses Thema, so wie wenn ich mir den Ellbogen gerade gebrochen habe, habe ich den im Gips, dann habe ich einen gebrochenen Ellbogen, aber ich bin nicht ein gebrochener Ellbogen.

Sabine: Und wenn du den Ellbogen gebrochen hast, ist das Stress, es ist Schmerz. Und dann werden vielleicht gewisse Muster, du fasst an ein Verhalten, legst du an den Tag, wo du dich dann schützt. Ich bleibe jetzt beim Ellbogen. Dann bist du vielleicht, der eine ist total wehleidig, der andere sagt, es ist eh nichts. Der dritte geht nicht zum Arzt, weil er sagt, das kann ja nicht gebrochen sein. Der vierte legt sich hin und rührt sich drei Wochen nicht von der Stelle. Also dann kommen die Schutzmuster ja, wenn du irgendwas hast, ein Aua. Und das passiert ja im Stress. Also als Paar, du kannst ja niemals, das ganze Leben besteht daraus, dass man ruhigere Phasen hat und dann wieder stressigere Phasen. So ist das Leben.

Roland: Naja, ich bin schon sehr tiefenentspannt.

Sabine: Du bist tiefenentspannt, wenn dann der Stress von außen kommt, es kommen fünf Anrufe und Sachen oder Mails, die einen aus der Fassung bringen. Blablabla.

Sabine: Und dann bist du im Stress und dann kommt das Schutzmuster. Das ist aber nicht der gleiche Roland wie der, der jetzt gerade da sitzt.

Roland: Was mir jetzt gerade einfällt, haben wir auch nicht besprochen, aber gerade dieses, am Abend, wenn ich dann noch den WhatsApp und Signalnachrichten nachschaue, dann schütze ich da manchmal unseren Paarraum auch nicht. Weil dann sind dann wir und selbst, wenn natürlich ist es vielleicht anders, wenn es bei unseren Kindern sind, aber selbst unsere Kinder sind erwachsen, den schütze ich dann manchmal auch nicht, den Paarraum. Das sagst du ja dann manchmal, stell auf Flugmodus.

Sabine: Naja, also wenn wir dann einmal im Badezimmer sind und uns fertig machen, um ins Bett zu gehen.

Roland: Oder was sonst?

Sabine: Oder sonst, ja, also mal uns Richtung Schlafzimmer bewegen, dann gehört da sonst niemand rein und nicht einmal geistig. Das ist ja das, was du sagen willst. Dass es ja nicht nur das Räumliche ist, sondern auch das Geistige. Dass man sich mit wem anderen beschäftigt.

Roland: An der Stelle, liebe Hörerin, liebe Hörer, es ist schon wichtig, dass wir auch unsere Freundinnen und Freunde haben, wo ich vielleicht, ich aus Roland, mit meinem Freund Joe Mittagessen gehe und wir eine Beziehung haben, die unabhängig von der Paarbeziehung ist. Das ist ganz, ganz wichtig. Ganz, ganz wichtig. Und wenn ich mit dem Joe plaudere, dann deponiere ich dort nicht, wo ich mit der Sabine unzufrieden bin. Erstens, liebe Sabine, es gibt ja fast nichts zu erzählen.

Sabine: Eben, eben. Aber ich fühle mich da auch ganz sicher. Wenn du da hingehst, weiß ich, ihr redet über euch selber oder alles Mögliche, beruflich vielleicht auch.

Roland: Er fragt sogar, wie geht es dir? Und er sagt auch, lass sie lieb grüßen. Also ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass er dann sagt, zum Sticheln anfängt, naja, aber das musst du dann mal anschauen mit der Sabine oder so. Und das geht ja so schnell.

Sabine: Das Vertrauen habe ich auch, das spüre ich auch.

Roland: Du kennst mich gut, du kennst den Joe gut. Wir erzählen euch das, die alle da zuhören, weil es so schnell passiert, nicht? Und man ist ja so schnell verleitet, wenn zum Beispiel eine Krise ist und dann trifft man sich mit einer guten Freundin, gutem Freund und sagt, ja, aber weißt, wenn ich mir das so anhöre, wann hat sie das letzte Mal dir gesagt, dass sie dich liebt? Also jetzt Hand aufs Herz, wann hat sie das gesagt? Aha, ein Jahr schon nicht. Na, ich weiß nicht. Ich glaube, ich wäre da schon lang weg. Und mit dieser Geschichte, die ich euch da gerade erzähl, die in unterschiedlichsten Formen ich auch erlebt habe, falle ich mir selber in den Rücken, weil wenn ich dann zum Beispiel mit jemand anderem über die Sabine schlecht rede, ich bin ja 50 Prozent dieser Beziehung. Das heißt, wenn ich schlecht über die Beziehung rede oder über die Sabine, rede ich auch über mich schlecht. Das heißt nicht, dass man sagen kann, ich mache mir gerade Sorgen oder uns geht es nicht gut. Die Frage ist immer, wie sehr lasse ich die andere Person dann in unseren Paarzwischenraum.

Sabine: Ja, und was ich sagen möchte an unsere Hörerinnen und Hörer, wenn du dich ärgerst gerade über deinen Partner, Partnerin und willst dann Dampf ablassen bei der Freundin oder beim Freund, es ist auch ganz normal, dass man das macht. Das möchte ich schon auch sagen, weil wir sind ja alle nicht heilig. Wenn da ein großer Ärger ist und man will da Dampf...

Roland: Ich bin nicht heilig?

Sabine: Nein, du bist auch nicht heilig, aber ich auch nicht. Also das kann schon sein, dass ich dann Dampf ablasse bei jemandem dritten. Und mir muss aber bewusst sein, das merke ich ganz genau, dass ich dann Dampf ablasse und die Energie fehlt mir dann, um das mit dem Roland, mit dir dann noch zu besprechen. Es ist besser, dass ich mir den Ärger aufhebe und ihn dann sage, vielleicht ein paar Stunden später, wenn es vielleicht schon sich ein bisschen beruhigt hat und nicht mehr so eine große Aufregung ist. Aber dass ich mir das aufhebe, gelingt mir eigentlich ziemlich gut. Aber früher ist es mir kaum gelungen, muss ich schon sagen. Aber jetzt gelingt es mir ganz gut, dass ich mir das dann aufhebe und mir denke, ja okay, später dann, wenn wir dann Zeit haben, sage ich es in Ruhe und dann sage ich es in aller Ruhe, das und das war und das hat mich gestört und ich habe gemerkt, so und so fühle ich mich, wenn du das machst und gebe aber diese Energie nicht woanders hin, sonst würde die halt verpuffen, das wollte ich eigentlich sagen.

Roland: Und ich erinnere mich gerade, als ich in der Einzeltherapie war, du hast ja unermüdlich mir gesagt, ich soll Therapie machen. Irgendwann habe ich erkannt, dass es gut ist, Therapie zu machen, obwohl ich es auch manchmal übertrieben finde, wenn Partnerinnen und Partner den anderen in Therapie schicken, das sei auch an der Stelle gesagt. Aber in dem Fall hat es mir wirklich gut getan, aber ich habe dann gemerkt, dass ich dann oft in der Einzeltherapie gesessen bin, über die ich geredet habe und mich auch beschwert habe und mir gesagt habe, was mir alles nicht passt. Und wenn du dann gegenüber gesessen bist, habe ich fast keinen Bezug mehr gehabt, weil ich habe es ja eigentlich schon besprochen.

Sabine: Und ich wusste aber das natürlich nicht und hätte wahrscheinlich ein Update gebraucht, zu wissen, was sind vielleicht Themen, die dich beschäftigen. Ich meine, ein Update heißt ja auch, ich fasse das zusammen, ich bin auf das und das draufgekommen, das will ich so oder das will ich so nicht. Also, dass das dann auch in Kurzfassung ich damit auch informiert bin, sonst habe ich ja keine Ahnung, was du da in der Zwischenzeit alles draufgekommen bist.

Roland: Also wir reden heute über den Paarraum und der Paarraum braucht einen Raum, eben Exklusivität von zwei Menschen und den kann man gemeinsam gegenüber anderen auch abgrenzen. Du verwendest ja dafür auch so ein schönes Wort, den Vorgarten, oder?

Sabine: Ja, ja. Ich verwende gerne die Metapher mit dem Haus, das Beziehungshaus, wo das Paar lebt. Ich finde dieses Bild so schön, diesen Vorgarten. Und der Vorgarten kann mit Blumen sein oder mit einer Hecke, vielleicht ist ein Zaun rundherum. Und wie offen darf der Zaun sein? Aber, dass jemand einfach reingeht und in den Vorgarten herumstapft und vielleicht meine Blumen zertritt, das geht nicht.

Roland: Das heißt?

Sabine: Wenn ich das verwende in Therapiestunden, die meisten Leute wissen sofort, was ich meine und sagen, ja, der ist jetzt einmal in unserem Vorgarten herumgestapft. Oder sie sagen, nein, nein, das war schon noch der Zaun. Der hat über den Zaun drüber gesprochen oder hat eben geklingelt zum Beispiel.

Roland: Und wenn du da jetzt zuhörst, vielleicht magst du einmal überprüfen, von deiner letzten Beziehung, wenn du gerade in keiner Beziehung lebst oder wenn du als Paar lebst, wie oft hast du vielleicht jemanden in den Vorgarten gebeten, wo du deine Partnerin oder Partner gar nicht gefragt hast? Oder vielleicht auch erlebt, dass jemand hereinkommt, sich da Zutritt verschafft, wo deine Partnerin oder Partner sagt, ja, komm rein, aber es mit dir nicht abgestimmt hat. Dann ist nämlich der Moment gegeben zu sagen, und darüber werden wir in einem Podcast auch einmal reden, wie man da auch gute Gespräche führt. Wir nennen das einen Paar-Dialog oder einen Imago-Dialog zu führen. Aber zu sagen, hallo, Vorsicht, du hast da gerade jemanden im Vorgarten gebeten, das wollte ich gar nicht so. Oder umgekehrt auch zu sagen, ich merke, das ist mir alles zu viel. Wie können wir schauen, dass aus der Familie ein paar wieder aus dem Vorgarten rauskommen? Und das ist, wie so vieles, wenn es um den Paarraum geht, geht es auch um den Paarraum zu reinigen. Weil es ist unweigerlich im Alltag so, dass Paarzwischenräume manchmal zu wenig geschützt sind, in wenigen Fällen auch zu sehr. Also wenn jemand sagt, das darfst du überhaupt nicht mit jemandem besprechen. Einsperren ist auch nicht die Alternative.

Sabine: Und ich finde ja so interessant, wir fallen jetzt zwei Phasen ein, wo man da recht viel definieren muss, kann, soll, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Gerade bei Hochzeiten. Ich meine, manche heiraten ja auch nicht heutzutage oder auch früher nicht. Aber wenn es jetzt eine Hochzeit gibt, dann ist das eine Zeit, wo wir einmal hochstrecken und definieren. Das Paar definiert dann, was wollen wir für Hochzeit? Wie soll die Hochzeit sein? Wer wird eingeladen? Und diese Zeit, auch das zu definieren und vielleicht auch zu streiten drüber, zu diskutieren. Die Zeit ist super gut, sich die Zeit auch zu gönnen, als Paar zu sagen, bei der Hochzeit werden auch Dinge definiert. Wie groß ist die Hochzeit? Wer darf aller kommen? Etc. Und das Zweite, wo viel Definition meines Erachtens zu definieren ist, ist, wenn Kinder kommen. Da ist es auch die Frage, darf das Baby kommen? Dürfen die ins Spital kommen, mich besuchen oder nicht? Wer darf kommen?

Roland: Nach Hause kommen.

Sabine: Bei uns war zum Beispiel Definition, ein Besuch pro Tag. Und der musste sich aber auch ankündigen.

Roland: Aber erinnerst du dich, wir haben ja damals so eine ambulante Geburt geplant. Ich habe keine Ahnung gehabt. Du hast das vorgeschlagen. Ich war einverstanden, weil du es so begeistert davon erzählst. Aber dann haben sich Leute eingemischt und ihr müsst schon dem Kind was gönnen und so weiter. Da ist eigentlich unser Schutzraum, Paarraum nicht sehr geschützt gewesen. Wir waren dann aber auch rund um die Geburt so k.o., dass wir gar nicht die Kraft hatten. Deswegen ist es gut, dass man vorher manchmal abstimmt.

Sabine: Natürlich, du kannst nicht alles vorher definieren, weil du weißt auch nicht, wie es dir geht. So viel es geht zu definieren und auch zu schauen oder eben, indem das Kind dann da ist, zu schauen, was ist mir recht, was will ich und was will ich auch nicht. Und du hast es dann damals ziemlich gut geschützt, auch unseren Raum, indem du gesagt hast, da können nicht zwei Leute pro Tag kommen, weil es war zu viel für mich. Ich war ziemlich beschäftigt mit dieser neuen Situation, eh klar, als frischgebackene Mama. Und dann habe ich die Zeit auch für mich gebraucht und für uns.

Roland: Du hast einmal gesagt, Roland, jetzt schnapp dir den Burschen und ich schlafe eine Runde. Und ich bin dann mit ihm in den Betrieb runtergegangen.

Sabine: Und das war aber mit mir abgesprochen. Ich fand das sehr nett und ich habe mich auch gefreut, dass du unseren Sohn herzeigst. Das war total okay. Hätte auch sein können, dass ich sage, nein, das will ich nicht, ich will dabei sein. Aber für mich war das total okay.

Roland: Aber die, die jetzt zuhören, werden sich vielleicht auch denken, das ist schon so oft passiert. Da ist wichtig, dass wir sagen, wir werden auch über die sogenannte Zwischenraumreinigung sprechen, weil es passiert einfach, dass so ein Raum nicht geschützt ist, der Paarraum. Wir wollen euch vermitteln, dass es wichtig ist, sich darüber ein Bewusstsein zu schaffen, weil wenn ich aufgewachsen bin, dass bei uns in der Familie alle rein und ausgehen durften, darf ich nicht davon ausgehen, dass meine Partnerin eine Filiale ist, die das genauso sieht, sondern das vielleicht anders will. Und dieses Bewusstsein wollen wir euch mitgeben und dass es eben auch ein Bewusstsein gibt, das Räumliche, aber dass es auch andere Räume gibt, wie zum Beispiel den Sprachraum. Und wenn ich nur fallen lasse, also wir haben jetzt selber Schwiegerkinder, sagen würde zu meinem Sohn oder zu meiner Tochter, naja, aber das musst du dir jetzt schon mal überlegen, warum erlaubst du ihm oder ihr, dass das so passiert, dann trete ich hier über eine Grenze.

Sabine: Kannst dich noch erinnern an unser Open House? Wir waren damals so stolz auf unsere schöne neue Wohnung, da hatten wir doch diese stylische Lampe im Vorzimmer gehabt, die war irgendwie sehr speziell, auch sehr unpraktisch, aber wir haben die so toll gefunden und die Wohnung war dann so schön neu und pipifein und dann haben wir ein Einweihungsfest gemacht und haben dann beschlossen, einmal im Monat gibt es ein Open House. Und ich weiß nicht mehr, das ist schon lang her, ich weiß jetzt nicht mehr wie lang.

Roland: Sie durften nicht ins Schlafzimmer zum Beispiel?

Sabine: Nein, das war zu, aber es war Wohnzimmer, Küche und damals gab es ja noch so viele Raucher. Und da haben wir dann zum Beispiel definiert, in unserer Wohnung wird nicht geraucht. Das war für die Raucher damals, das kann man sich heutzutage gar nicht vorstellen, aber für die war das eine Frechheit, dass wir es nicht erlaubt haben. Ich bin froh, dass wir so waren. Uns war das dann wichtig, dass die Vorhänge und die ganze Wohnung nicht nach Rauch stinkt. Dann war am Gang so eine Raucherecke, da waren ganz schön viele und in der Wohnung selber wurde nicht geraucht. Aber ich weiß nicht, wie lang wir das gemacht haben, aber es war einmal im Monat und ich weiß nicht, nach ein paar Jahren war es dann nicht mehr passend und dann gab es das halt nicht mehr. Aber wir zwei haben beide eine Freude gehabt, zu sagen, aha, Open House und es ist definiert, an welchem Samstagabend das ist, und das hat einfach stattgefunden, da musste sich niemand anmelden. Hat uns damals ziemlich Spaß gemacht.

Roland: Also wir laden euch ein, wenn ihr in einer Beziehung lebt, wie schaut euer Paarraum aus? Wo wäre es wichtig mit Partner in Partner darüber zu reden? Umgekehrt, wenn du gerade in keiner Beziehung lebst, dass du dir überlegst, wie war das in meiner letzten Beziehung? Hat vielleicht gerade dieses Thema auch dazu geführt, dass die Beziehung nicht weitergegangen ist? Also zu schauen, wie viel Schutz hat der Paarraum? Ihr könnt es euch auch mit einer Mengenlehre anschauen. Ich habe das nie gern gelernt in meinem Mathematikunterricht. Aber zum Beispiel zu sagen, es gibt zwei Kreise, Partner, Partnerin, Partner, Partner.

Sabine: Und wie ist die Grenze? Wie dicht ist diese Grenze? Ist die ganz, ganz fest? Ist die durchlässig?

Roland: Habe ich eine eigene Grenze oder bin ich eine Filiale meiner Partnerin, meines Partners? Habe ich eine Grenze, haben wir als Paar eine Grenze und haben wir auch als Familie eine Grenze?

Sabine: Und es gibt auch semipermeable Membranen. Das heißt, da ist es durchlässig von Zeit zu Zeit oder für bestimmte Leute und für bestimmte Leute ist es aber auch zu. Und das auch gemeinsam zu definieren. Und ich glaube, das Leben ist ja keine Linie, ist ja nicht etwas Statisches. Das kann sich ja dann auch immer wieder bewegen.

Roland: Das hast du schön gesagt. Das heißt, ihr habt jetzt die Möglichkeit, euch das ein bisschen anzuschauen, wie ihr das mit euren Grenzen haltet. Ist übrigens auch vielleicht ein Thema in deinem Beruf, aber das würde jetzt zu weit führen, auch dort zu schauen, wie ist da das mit den Grenzen.

Sabine: Wie habe ich es erlebt und will ich es genauso machen oder wo? Es sind vielleicht Unterschiede zu dem, wie ich es erlebt habe. Vielleicht will ich da ein bisschen offener sein oder ein bisschen mehr Grenze schaffen.

Roland: Und wenn es dann bei einem Konflikt gibt, weil du sagst, meine Grenze ist da, wird da nicht geachtet oder die ist zu weit oder die ist zu eng, dann würde ich euch gerne zum Abschluss mitgeben, was unsere Mentorin die Hedi immer zu uns gesagt hat. Ah, Konflikt, super. Weil wenn Konflikt ist, dann kann man auch Wachstum realisieren. Beziehung ist eben ein Ort, wo wir in einem anderen Podcast auch schon beschrieben haben, wo es geht um Auseinandersetzung, um Aktivität. Im EKG ist ja auch ein Auf und ein Ab und wenn es eine gerade Linie ist, ist es nicht so günstig. Also freut euch vielleicht nicht, wenn es gerade ein Konflikt gibt, aber sagt ihr, ah, da ist ein Wachstum, das ich realisieren will.

Sabine: Ja, wir hoffen, wir haben euch inspiriert mit unserem Thema von heute und wünschen euch viel Spaß beim Reflektieren. Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, bleibt dran und macht es gemeinsam.

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